DIE REAL EXISTIERENDE MARKTWIRTSCHAFT (KAPITALISMUS)
     
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  Über die Grundidee des neuen wirtschaftswissenschaftlichen Paradigmas
  a - Schlüsselbegriffe und Grundannahmen der realen Nachfragentheorie
       
   
Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.
 
  Ludwig Wittgestein,  einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts    
 
 
Das Wissen besteht nicht in der Entdeckung irgendeiner Urwahrheit, sondern in der Ansammlung neuer Zeichen. Die Jagd danach geht immer weiter.
 
  Jean-Marie Guéhenno,  Politikwissenschaftler und Experte für außenpolitische Fragen    

Die Netze, mit denen wir die Tatsachen fangen, sind aus Begriffen und Relationen zwischen ihnen gesponnen. Deshalb entscheiden die Begriffe über den Erfolg und Misserfolg schon bei jeder unserer tagtäglichen Tätigkeit, und erst recht in jeder Wissenschaft. Woher stammen aber die Begriffe? Der antike Philosoph Platon war überzeugt, irgendwo gäbe es eine Welt der universellen und ewigen Begriffe („Ideen“), zu der man sich durchdenken kann, so dass man dann im Besitz der dort vorgefundenen Begriffe das ganze Universum verstehen würde. Das einzige Problem bestünde nur darin, den richtigen Weg („Methode“) dorthin zu finden. Er meinte, ihn gefunden zu haben, so dass er deshalb auch die uneingeschränkte politische Herrschaft im Jenseits dieser Welt der Ideen als selbstverständlich für sich persönlich deklarierte.

Eine solche Welt der Ideen gibt es aber nicht. Jeder Begriff ist eine menschliche Erfindung, was mehrere wichtige Folgen nach sich zieht. Wie alles, was der Mensch schafft, sind schließlich auch Begriffe in keinerlei Hinsicht universal, sondern nur zu sehr beschränkten Zwecken anwendbar. Außerdem sind sie alle sterblich, auch wenn einige -, meistens sind es gerade die trivialsten - ziemlich lange leben können. Wenn man sich die Entwicklung der Wissenschaften anschaut, kann man noch mehr über die Begriffe erfahren. Sie tauchen auf und verschwinden gruppenweise. Man hat dieses plötzliche und gemeinsame Sterben von alten und die Geburt von neuen Begriffen, also den Austausch einer alten Begriffsgarnitur durch eine neue, gerade bei den erfolgreichsten und sich am schnellsten entwickelnden Wissenschaften feststellen können: bei den Paradigmenwechseln der Naturwissenschaften. Man konnte zugleich feststellen, dass es sich dabei gar nicht um irgendwelche sprachlichen Innovationen an der Fassade gehandelt hat, sondern um einen richtigen „Umbau“ des alten Gebäudes der betreffenden Wissenschaft. Nach solchen revolutionären Umwälzungen - den Paradigmenwechseln - sprach man in der betreffenden Wissenschaft eine völlig neue Sprache. Der Vertreter des alten Paradigmas konnte dann seinen Kollegen, der zum neuen Paradigma gewechselt ist, nicht mehr verstehen. Und dies ist nicht metaphorisch gemeint. So würde z.B. heute der Physiker, der erst vor einem Jahrhundert lebte, eine Diskussion seiner Kollegen aus unserer Zeit wirklich nicht verstehen. Er würde zuerst gar nicht glauben können, dass man ihn zu einer Diskussion von Physikern eingeladen hat.

In den Sozialwissenschaften ticken die Uhren leider noch viel langsamer. Bei ihnen wird immer noch hauptsächlich mit uraltem Zeug gearbeitet: Mit Begriffen vom Anfang der Moderne, und in einem nicht unerheblichen Teil sogar mit denen der antiken Philosophen. Die Geisteswissenschaften haben die Moderne vorbereitet, aber seitdem sind sie erstarrt und die wirklich große Fortschritte machen seitdem alleine die Naturwissenschaften. Besonders düster sehen für die Sozialwissenschaften die letzten Jahrzehnte aus, nachdem sie die „Großerzählungen“ für unmöglich erklärt und sich von ihnen verabschiedet haben. Mit dem Mut der Verzweifelten werden dann dem alten Trott immer neue Bezeichnungen verpasst oder man übernimmt hastig die Terminologie der Naturwissenschaften, wie etwa: Kommunikation, Information, Code, Entropie, ... Der ein oder andere - wie etwa Habermas, Luhmann, ... - kann sich mit solchen neuen Choreographien der Sprache sogar Ruhm bei der Schwarmintelligenz erwerben oder als „Experte“ für die Wirtschaft auf die Gehaltsliste bei den Reichen und Kapitalbesitzern gelangen, aber mit einem echten wissenschaftlichen Fortschritt hat dies gar nichts zu tun. Diese Kunst der modischen Gestaltung der Sprache ist auch eines der vielen unverkennbaren Zeichen dafür, wie rückständig und fortschrittslahm die Geisteswissenschaften sind.

In der realen Nachfragetheorie, die ich in den nächsten Beiträgen vorstelle, werden nicht alte Begriffe „weiterentwickelt“. Einige von ihnen - ohne die sich der traditionstreue Ökonom seine Wirtschaftswissenschaft nicht vorstellen kann - werden sogar verworfen und dafür neue eingeführt. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, ob man über die „alten“ Begriffe noch reden soll. Einen toten Hund tritt man nicht - so das Sprichwort. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Die Hirngespinste und Phantome des 19. Jahrhunderts, die immer noch mit dem Segen der mainstream „Wirtschaftsexperten“ und „Wirtschaftswissenschaftler“ überall spuken, werden sich so einfach nicht vertreiben lassen. Es bleibt uns also nicht anderes übrig, als dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen.

Gebrauchswert, Tauschwert und Wert

Schon Aristoteles unterscheidet in seinen ökonomischen Überlegungen zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert eines jeden Gegenstandes. Der Gebrauchswert macht die Summe seiner natürlichen Eigenschaften und praktischen Anwendungsmöglichkeiten aus: heute sagt man dazu üblicherweise Nutzen. Beim Tauschwert meint man die Kraft (oder das Potential) des Gegenstandes, andere Güter zu erwerben: heute sagt man dazu Preis. Aristoteles nimmt als Beispiel Sandalen.

 

„Denn zweifach ist die Verwendung jedes Guts ... Die eine hängt wesentlich vom Gegenstand selbst ab, die andere nicht, wie Sandalen, die getragen werden, auch getauscht werden können. Beide sind Verwendungen der Sandalen, denn auch derjenige, der die Sandalen gegen Geld oder gegen Nahrungsmittel austauscht, die er benötigt, gebraucht die Sandalen als Sandalen, jedoch nicht auf ihre natürliche Art. Denn Sandalen wurden nicht dazu hergestellt, dass sie getauscht werden.“ (Aristoteles, Politik, 1257a).

Weil es so offensichtlich ist, dass der Tauschwert in keinem (direkten) Zusammenhang zum Gebrauchswert steht - wir erinnern uns an das berühmte Wasser-Diamanten-Paradox, aber darüber später - drängte sich spontan die Frage auf, welcher Tauschwert bzw. Preis dann der richtige sei. So wurde die Suche nach dem, was sich „hinter“ dem Tauschwert bzw. Preis versteckt - und zwar im echten Sinne des Wortes -, zur Lieblingsbeschäftigung der unzähligen Quasi- und Pseudowissenschaftler mit mystischem und metaphysischem Hintergrund. Sie haben sich in den Kopf gesetzt, dass sich „hinter“ dem Preis etwas Objektives oder, wie es die Philosophen zu sagen pflegen, etwas wirklich Seiendes verstecken muss, das das Wesen der Preise ausmacht. Dieses Etwas haben sie als Wert bezeichnet. Würde man den Wert herausfinden - so habe sie sich das vorgestellt -, dann würde man mit ihm wie mit dem Stein der Weisen alles andere erklären können, was in der Wirtschaft vor sich geht.

Die Frühliberalen wollten sich auf diesen Weg nicht einlassen. Sie haben jede Ontologie des Preises abgelehnt. Vor allem Adam Smith konnte sich nicht vorstellen, dass wir irgendeine authentisch ökonomische Substanz („Realessenz“) nötig hätten, um die Funktionsweise der Wirtschaft zu verstehen. An die Stelle des Wertes setzte er Regeln. Damit hat er für eine kurze Zeit die ökonomische Theorie aus den Klauen der Metaphysik befreit, aber schon bald nach seinem Tod setzte sich die Suche nach dem Wert mit einer geradezu paranoiden Besessenheit fort. „Würden die Waren sprechen, sie würden sagen“, so Marx knapp aber überaus deutlich: „Was uns dinglich zukommt, ist unser Wert“. So wurde die ganze Wirtschaftswissenschaft wieder in einen metaphysischen Sumpf verwandelt, in dem man sich bis heute nur Schlammschlachten liefern kann. Mit einer seriösen Wissenschaft hatte dies nicht im Geringsten etwas zu tun.

Die bekanntesten zwei Wertlösungen sind natürlich die Arbeitswertlehre von Marx und die Grenznutzentheorie der Neoliberalen. Nun ist es aber so, dass die neoliberale Theorie schon längst über den Wert nicht mehr spricht. Hat sie sich also von ihm verabschiedet? Auf keinen Fall. Sie beweist auch hier nur ihre unübertreffliche Heuchelei. Die neoliberalen Ökonomen haben nur den Wert als Fachausdruck stillschweigend aus dem Verkehr gezogen, um die metaphysischen Grundlagen ihrer Theorie weniger auffällig zu machen bzw. sie zu vertuschen. In Wahrheit gibt es keine ökonomische Theorie, die dermaßen eine Metaphysik des Wertes verkörpert, wie die neoliberale. Nicht einmal die des bekanntesten deutschen Metaphysikers Marx. Aber woran erkennen wir eigentlich, dass eine ökonomische Theorie auf dem Wert aufgebaut ist?

Es gibt mehrere Möglichkeiten dazu. Ein sicheres Erkennungszeichen des Wertes lässt sich aus der Behauptung entnehmen, man habe herausgefunden, wie sich die individuelle Leistung bestimmen lässt. Der Zusammenhang zwischen dem Wert und der individuellen Leistung ist in der Tat zwingend. Wenn jemand den „wahren“ Preis erklärt hat, muss er nämlich zugleich auch herausgefunden haben, welchen Preis die Güter haben, die man als Produktionsfaktoren bezeichnet. Solche Güter sind aber nur ein Mittel für etwas, so dass ihr unmittelbarer Gebrauchswert (Nutzen) gleich Null ist. Dann kann man ihren Preisen keine andere Deutung zuweisen, als dass sie eine ökonomische Leistung ausdrücken. Je nachdem, welche ideologische Erzählung man sich dann für diese angebliche Leistung der Produktionsfaktoren ausdenkt, ist die Leistungsmenge unterschiedlich erklärt und bestimmt. Schließlich ist jede ökonomische Theorie, die auf dem Wert beruht, eine verschleierte Verteilungsideologie mit dem einzigen Zweck: die Einkommensansprüche von bestimmten sozialen Gruppen, welche von der betreffenden Theorie bevorzugt werden, zu objektivieren. Und gerade deshalb, weil dies alles auch für die neoliberale Preistheorie gilt, ist sie zweifellos eine metaphysische Wertetheorie, auch wenn sie nicht über den Wert sprechen will, sondern nur über den Preis.

Das muss natürlich nicht bedeuten, dass die Werttheoretiker schon immer und von Anfang an Partei für eine bestimmte soziale Gruppe ergreifen wollten. Möglicherweise haben sie sich erhofft, mit dem Begriff Wert die Analysen wesentlich zu vereinfachen, weil man dann zugleich die Gebrauchswerte wegabstrahieren könnte. Die Reduktion der Gebrauchswerte auf eine einzige Kategorie (terminus technicus) würde dem Sparsamkeitsprinzip bei den Wissenschaften entsprechen - genannt auch Ockhams Rasiermesser nach dem Philosophen Wilhelm von Ockham (1285-1347) -, wonach die einfacheren Theorien bevorzugt werden sollen. Dieses Sparsamkeitsprinzip feierte bekanntlich seinen großen Triumph in der klassischen Mechanik, die lange als Vorbild für jede seriöse Wissenschaft galt. Dort wurde es nämlich möglich, alle Eigenschaften der Körper auf eine einzige Substanz, auf die Masse, zu reduzieren. Ob die Körper weich oder hart, rot oder blau, flüssig oder fest, homogen oder komplex, ... sind, das alles musste einen Physiker nicht im Geringsten mehr interessieren, und er konnte trotzdem ihre Bewegungen genau vorhersagen. Hat aber je eine ökonomische Werttheorie die Wirtschaftswissenschaft voran gebracht? Dies war bis heute nie der Fall. Darüber haben wir schon gesprochen, als wir den Marxismus und der Neoliberalismus erörtert haben. Und nach zwei Jahrhunderten zu sagen, man würde mehr Zeit brauchen, diesen Gefallen können wir den Verfechtern der Wertkonzeptionen nicht mehr tun. Sie haben ihre Chance bekommen, sie waren von den Macht- und Wirtschaftseliten in vielen Ländern gefordert und gefördert, und wenn sie trotzdem noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse vorlegen können, muss man endgültig sagen, dass ihr Ansatz endgültig gescheitert ist. Der Wert hat in der ökonomischen Theorie, die eine seriöse Wissenschaft sein will, nichts zu suchen. Dies bedeutet:

• Wir müssen die Gebrauchswerte wieder in die ökonomischen Analysen einbeziehen. Das muss nicht bedeuten, dass wir die Güter in ihren natürlichen Maßen (kg, m, ...) erfassen müssten, aber eine Verbindung zu ihnen müssen wir herausfinden. Das gilt vor allem für die Produktionsfaktoren.

• Der Tauschwert bzw. der Preis muss als eine eigenständige Objektivität gelten. Es gibt nichts, was sie präsentieren oder widerspiegeln, außer sich selbst, und das reicht schon für eine seriöse Wissenschaft.

Diese Anforderungen lassen sich im Rahmen des Kreislaufmodells analytisch realisieren, in dem die technischen und distributiven Koeffizienten zu den wichtigsten Begriffen gehören werden. Dieses Modell wird analytischer Kern des neuen Paradigmas, also der realen Nachfragetheorie sein. Mit ihm lassen sich auch kompliziertere strukturelle und funktionale Zusammenhänge der Marktwirtschaft erklären. Deshalb ist es wichtig, dass man sich mit diesem Modell richtig vertraut macht. Weil dem so ist, habe ich lange darüber nachgedacht, wie ich das Modell dem Leser nahe bringen kann. Es ist im Grunde ein „analytisches Werkzeug“, so dass es als etwas Selbständiges, als eine Methode vorgestellt und erklärt werden kann. Dieser direkte Weg wäre sicher der kürzere, aber voraussichtlich nicht der schnellere und bessere. Jedes neue Wissen beruht nämlich auf einem vorherigen Wissen; das Unbekannte lässt sich nur mit dem Bekannten erklären. Deshalb habe ich mich für einen anderen Weg entschieden. Ich werde bestimmte Auffassungen, die aus der neoliberalen oder marxistischen Theorie gut bekannt sind oder die sogar als selbstverständlich gelten, der Kritik unterziehen und in der Fortsetzung dieser Kritik immer etwas vom Neuen hinzufügen. So werde ich in mehreren Schritten die Schlüsselbegriffe und Grundannahmen meines Modells erklären und später dann diese zu einem Ganzen, zu einem neuen Paradigma bzw. zur realen Nachfragetheorie zusammenfügen.

Ich fange mit dem Begriff Sparen an. Dies hat einen guten Grund. Es gibt bekanntlich keine ökonomische Theorie, in der dieser Begriff nicht zu den wichtigsten gehört, und das wird auch bei der realen Nachfragetheorie nicht anders sein. Wozu das Sparen gut ist, darüber ist man sich auch schon längst im Klaren, nämlich dass man investieren bzw. Kapital schaffen kann. Wir wollen aber genau wissen, was hinter der ersparten Summe, also den Ersparnissen steht. In den wertekonzipierten Theorien - sowohl der marxschen als auch in der neoliberalen - stellen die Ersparnisse eine Wertmenge dar, die etwas Reales widerspiegelt, was durch den Preis zum Ausdruck gebracht wird. Wir zeigen jetzt an einem einfachen Beispiel, zu welchen absurden Ergebnissen diese Auffassung führt.

Das nominale d.h. in Geld- bzw. Preiseinheiten gemessene Sparen

In unserem bereits vorgestellten illustrativen Beispiel über den Bauern, der Weizen anbaut, haben wir auf eine einfache Weise erklärt, was Sparen bedeutet.mehr Da wir bei dieser Erklärung das Geld gar nicht miteinbezogen haben, handelte es sich in unserem Beispiel eindeutig um ein reales Sparen. Alles was wir dort über das Sparen gesagt haben, war nicht schwierig zu verstehen, weil das Verhalten, die Entscheidungen und die Handlungen, die dort beschrieben wurden, aus anderen Situationen mehr oder weniger jedem vertraut sind. Trotzdem gehen wir das Beispiel noch einmal durch, weil dies alles für uns auch weiterhin sehr wichtig sein wird, um zugleich auf einige zusätzliche Details aufmerksam zu machen mit dem Ziel, den Unterschied zwischen dem realen und nominalen Sparen zu verdeutlichen.

Das reale Sparen: In unserem Bauernmodell gibt es nur ein Gut: Weizen. Er wird als Gebrauchswert, um mit den klassischen Ökonomen zu sprechen, auf zweierlei Weise verwendet: als (1) Produktionsgut bzw. Kapital (Saatgut) und als (2) Konsumgut (Brot). Kann aber der Weizen in Wirklichkeit beides sein? Gewiss. Bei dieser Getreideart ist es nämlich bis heute so geblieben, dass das Saatgut nicht speziell angebaut werden muss. Man sondert von der Ernte etwas ab, und das wird dann (im Oktober) gesät. Mit Mais und manchen anderen landwirtschaftlichen Kulturen ist das schon längst nicht mehr so. Gerade deshalb ist Weizen gut geeignet für die Verdeutlichung der sogenannten Ein-Gut-Modelle.

Solche Modelle erfreuen sich bei den Makroökonomen seit Keynes großer Beliebtheit. Ob sie aber auch etwas taugen? Diese Frage lassen wir jetzt so im Raum stehen. Uns geht es nämlich in diesem und den nächsten zwei Beiträgen nicht darum, ein Modell für die ganze Wirtschaft zu entwerfen, sondern nur um eine möglichst triviale Hilfskonstruktion, mit der sich bestimmte Begriffe einfacher erklären lassen. Dafür sind die Ein-Gut-Modelle bestimmt gut geeignet.

In dem nächsten Bild, das wir schon einmal hatten, wird der Fall dargestellt, dass der Bauer im Jahre t+1 seine Produktion erweiterte.

Wenn der Bauer in dem Jahre t+1 mehr Saatgut brauchte, musste er von irgendwo mehr Land erworben haben. Woher dieses Land stammen konnte, wäre eine komplizierte Frage, aber sie braucht uns nicht zu interessieren. Woher mehr Saatgut kommen kann, ist dagegen leicht zu beantworten. Der Bauer braucht nur in diesem Jahr weniger als früher zu konsumieren. Aus dem Bild lässt sich dies unmittelbar entnehmen. Eine solche ökonomische Vorgehensweise lässt sich aus mehreren Gründen als reales Sparen bezeichnen, die wir jetzt noch einmal explizit anführen:

  • Der Bauer hat für eine gewisse Zeit real weniger Güter konsumiert.
  • Diese Wartezeit beträgt genau ein Jahr, d.h. sie lässt sich konkret und genau bestimmen.
  • Im betrachteten und den darauf folgenden Jahren ist das Realkapital (die Saatgutmenge) größer geworden.
  • In diesem Zuwachs an Realkapital (Kapitalstock) steckt eine bestimmte Arbeitsmenge (Leistung).

Unser Beispiel ist zweifellos realistisch. Eine bäuerliche Wirtschaft könnte auf die beschriebene Weise wachsen, ohne dass dabei das Geld irgeneine Rolle spielt. Man kann sich dann die Frage stellen, ob sich für das Sparen dasselbe feststellen ließe, auch wenn diese Wirtschaft Geld benutzen würde. Nach der Auffassung der wertbasierten Theorien, bei denen die Preise nur das reale Etwas, den Wert, quantitativ zum Ausdruck bringen, dürfte die Einführung des Geldes, was das Sparen betrifft, real nichts ändern. Das Geld würde nur die ökonomischen Beziehungen vereinfachen: Anstatt in Naturalien (in Weizen), würden die Bauern ihr Einkommen in Währungseinheiten beziehen. Konkret gesprochen: Im betrachteten Fall würden die Bauern in der Reproduktionsperiode t+1, in der Wachstum stattfindet, 1/3 ihrer Einkommen einsparen und investieren. Das klingt irgendwie logisch, aber der Eindruck täuscht. Das Sparen aus dem Einkommen, so wie wir es kennen, also das nominale Sparen und das reale Sparen, sind nicht zwei Seiten derselben Medaille. Quantitativ betrachtet, können sich diese zwei Größen voneinander völlig unterscheiden. Dies kann sogar in einer äußerst einfachen Wirtschaft der Fall sein, wie die in unserem illustrativen Beispiel. Das zeigen wir jetzt. Wir müssen dafür unser Beispiel erweitern und vervollständigen, aber nur geringfügig. 

Die Stationäre Wirtschaft mit Tausch und Preisen: In einer Wirtschaft, in der nicht getauscht wird, könnte es auch keine Preise geben. Wir müssen also aus der autarken Landwirtschaft eine Marktwirtschaft machen. Damit ein Tausch überhaupt möglich ist, braucht man mehrere Marktteilnehmer - in unserem Fall mehrere Bauer. Deshalb verteilen wir den Boden auf viele kleine, nicht so viele mittlere und wenige große Bauer. Jetzt haben wir die benötigten Wirtschaftsakteure, aber diese werden ihre Produkte offensichtlich immer noch nicht austauschen wollen. Solange wir bei der Eingut-Annahme bleiben, würde nämlich keiner von ihnen einen Grund haben, zuerst zu verkaufen und dann wieder dasselbe zurückzukaufen. Wir müssen uns irgendetwas einfallen lassen.

Damit wir durch viele Details nicht den Überblick verlieren, wollen wir aber bei einem Gut bleiben. Deshalb ordnen wir an, dass jeder Bauer an einer abstrakten Stelle seine ganze Ernte verkauft, und wenn er später das Korn braucht - entweder als Saatgut oder für das Brotbacken -, sollte er es sich zurückkaufen. Dieser abstrakte Markt sollte aber die Bauern nicht ausbeuten: Er sollte jedem den Weizen exakt für den gleichen Preis verkaufen, zu dem er vorhin eingekauft hat. So ein Markt ist natürlich nur eine gedankliche Konstruktion, die aber etwas anschaulich macht, was in einer realen arbeitsteiligen Wirtschaft wirklich geschieht: In einer echten Wirtschaft produziert nämlich jeder für den Markt, um Einkommen zu erzielen, mit dem er dann Waren seines Gebrauchs kauft.

Ein Fachökonom wird unschwer erraten, warum wir bei der Eingut-Annahme bleiben wollen. Damit entledigen wir uns elegant des Problems der Bestimmung der relativen Preise (numéraire) zwischen den verschiedenen Gütern. Gibt es nur ein Gut, dann gibt es keine relativen Preise, die man bestimmen müsste. Aber absolute oder nominale Preise (monnai) brauchen wir. Deshalb sagen wir jetzt einfach:

Der Weizen aller Bauern zusammengenommen (aggregiert), kostet im August, also nach der Ernte 10.000 irgendwelcher Preiseinheiten. Daraus ergeben sich die anderen Preise. Nachdem alle Bauern ihren Weizen verkauft haben, beträgt die Summe aller ihrer Einkünfte auch 10.000 Preiseinheiten. Wenn die Bauern im Oktober als Saatgut 6.000 für Weizenvorräte benötigen werden, wird ihnen der Rest von 4.000 als Nettoeinkommen übrig bleiben - zum Konsum. Das nächste Bild verdeutlicht es. Eine solche Wirtschaft wird im Prinzip beliebig viele Jahre auf gleiche Weise funktionieren können. Auch das ist aus dem Bild unmittelbar ersichtlich.

 

Heben wir noch einmal ausdrücklich hervor, dass wir jetzt zwar nominale Preise (monnai) haben, aber kein Geld. Sowohl jetzt und auch in den weiteren Beispielen - die wir immer etwas komplizierter machen werden -, wollen wir aber mit dem Geld nichts zu tun haben. Auch damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die hier vorgelegte neue Nachfragetheorie auf völlig anderen Grundlagen beruht als die klassischen monetären Nachfragetheorien - die von Keynes eingeschlossen. Wir werden auf das Geld erst viel später zu sprechen kommen, wenn das Wesentliche der realen Nachfragetheorie schon geklärt sein wird, und zwar aus folgendem Grund:

Wenn die Nachfrage fehlt, dann ist gerade das Geld, und zwar als Papier- und Buchgeld, ein geeignetes Mittel, diese fehlende Nachfrage sozusagen aus dem Nichts zu schaffen. Das Geld kann also ein wichtiger Teil jeder praktischen Lösung des Nachfrageproblems sein, auch wenn es nicht - oder nur in geringem Maße - die Ursache dieses Problems war. Aber so weit sind wir in unserer Analyse noch nicht. Bevor wir uns überhaupt konkrete Gedanken über die Behebung des Nachfragemangels machen, muss zuerst nachgewiesen werden, dass die Nachfrage überhaupt fehlen kann, und zwar - so unsere Absicht - ohne dass dafür das Geld zur Verantwortung gezogen wird.

Ein Tausch ohne Geld ist übrigens keine allzu realitätsfremde Annahme. Wenn es Preise gibt, also Zahlen, in welchen Güter und Einkommen quantitativ ausgedrückt werden, kann die Marktwirtschaft problemlos auch ohne Geld funktionieren.  Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre eine solche Behauptung auf Erstaunen oder gar Misstrauen gestoßen, heute lässt sie sich sehr einfach erklären. Die bargeldlose Zahlung mit Kreditkarten ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Man braucht heute kaum das „richtige“ Geld im Portemonnaie mit sich zu tragen, weil sich mit solchen Karten fast alles bezahlen lässt. Unsere Beispiele ohne Geld sind in dieser Hinsicht also gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Aus unserem Umgang mit Kreditkarten ist uns bekannt, dass wir auch sparen können, ohne dass wir das „wahre“ Geld, also die Geldscheine, in die Hand nehmen und sie auf die Bank tragen müssen. Diese Vorgehensweise würde genau dem nominalen Sparen entsprechen, also einem Sparen, das durch Umbuchung bestimmter Geldwerte, aber ohne Geld stattfindet. In diesem Sinne sollte das Sparen auch in unseren Beispielen verstanden werden. Ein solches Sparen bezeichnen wir als nominales Sparen. Wir wollen nun herausfinden, ob das nominale Sparen, makroökonomisch betrachtet, dem realen Sparen entspricht. Das war der Grund, warum wir unser ursprüngliches Beispiel auf Preise umgestellt haben.

Preissteigerung und nominales Sparen: Wir gehen jetzt von dem oben abgebildeten stationären Zustand aus und nehmen an - ohne nach den Gründen zu fragen -, dass der Weizenpreis nach der Ernte im Jahre t+1 um 10% gestiegen ist. Haben die Bauern im August des Vorjahres für die gesamte Ernte als Bruttoeinkommen 10.000 erwirtschaftet, sind es im August dieses Jahres 11.000. Als die Bauern die Ernte verkauft und das Geld erhalten haben, stellten sie sofort fest - siehe auf dem nächsten Bild -, dass ihr Nettoeinkommen, also der Unterschied zwischen dem, was sie gerade (im September t+1) eingenommen (11.000) und im Jahre davor (im Oktober t) investiert haben (6.000), also ihr Nettoeinkommen, deutlich gestiegen ist, und zwar von 4.000 auf 5.000. Das ist ein ordentlicher Zuwachs von 25% bei einer Inflation von nur 10%. Die Freude über höhere Verdienste konnte aber nicht lange dauern. Spätestens nach einem Monat, im Oktober (t+1), wenn die Felder bestellt werden müssen, werden die Bauern merken, dass die diesmal erzielten Amortisationssummen - also die realisierten Produktionskosten des Vorjahres - nicht für die real gleichen Investitionen (Saatgutmengen) ausreichen. Das nächste Bild zeigt genauer, was in diesem Jahr alles anders geworden ist als in dem Jahr davor.

 

Die Bauern werden, um das nötige Saatgut kaufen zu können, ihre Nettoeinkünfte bemühen müssen. Was bedeutet es nun, wenn man einen Teil des Nettoeinkommens in die Produktion hineinsteckt? Genau das wird als nominales Sparen verstanden - sowohl im gewöhnlichen Sinne als auch bei den Fachökonomen. Wenn wir uns darüber einig sind und von diesem Gesichtspunkt unser Beispiel noch einmal überdenken, erleben wir eine böse Überraschung nach der anderen. In unserem Fall müssen die Bauern von ihrem gesamten Nettoeinkommen 600 einsparen, denn erst so können sie zusammen mit der Amortisationssumme (6.000) die genau gleiche Menge von Saatgut kaufen wie im Jahr davor. Wenn man diese nominalen Ersparnisse (600) in Verhältnis zu dem gesamten Nettoeinkommen (5.000) setzt, würde die Sparquote in diesem Jahr 12 % betragen - ein beachtlicher Wert. Das alles sind aber nominale Werte. Wie viel haben die Bauern aber real gespart?

Weil wir es mit Inflation zu tun haben, würde jeder Fachökonom sofort vorschlagen, dass man die Sparsumme um die Inflationsrate korrigiert. Das klingt vernünftig. Wenn man dies tut, also die Zahlen um 10% herabsetzt, bekommt man als Ergebnis für die Sparsumme den Wert 540. Ist dieser Wert real? Nein! Er kann es nicht sein, weil sich in unserer Wirtschaft real gar nichts geändert hat. Es sind nämlich die gleichen Mengen an Weizen produziert worden wie zuvor. Als Kapital (Saatgut) wurde der real gleiche Anteil der gesamten Ernte verwendet und folglich wurde auch die gleiche Menge Brot wie früher gebacken und konsumiert. Trotzdem konnten die Bauern völlig zu Recht behaupten, dass sie einen Teil ihres Einkommens, und zwar 600 bzw. 12% eingespart haben. Das ist ein Widerspruch, aber woher kommt er? Könnte dies etwa an unserem Beispiel liegen?

Es wurde schon mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass unsere einfachen Beispiele nur etwas illustrieren sollen und nichts mehr. Um etwas richtig zu beweisen, braucht man zweifellos stärkere analytische Mittel als unser illustratives Beispiel sie bietet. Aber die werde ich erst später vorstellen. Trotzdem wird es so sein, dass alle Schlussfolgerungen aus den vorausgegangenen einfachen Beispielen ihre Gültigkeit behalten werden. Wenn wir also mit Hilfe eines fast peinlich einfachen Beispiels herausgefunden haben, dass sich aus dem nominalen Sparen gar nichts darüber sagen lässt, wie hoch das reale Sparen wirklich war, wird das auch weiterhin so bleiben. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der kreislauftheoretischen Analyse bzw. der realen Nachfragetheorie.

Wir werden aber später im Rahmen unserer Kreislaufanalyse des allgemeinen Gleichgewichts noch größere Überraschungen erleben. Das schwankende Preisniveau ist nämlich nicht der einzige Faktor, der das nominale und reale Sparen - sowohl qualitativ als auch quantitativ - auseinander dividiert. So wird man bei bestimmter Kombination dieser Faktoren zu Ergebnissen gelangen, die ein zeitgenössischer Fachökonom als puren Unsinn von sich weisen würde. Unter anderem kann etwa der Fall auftreten, dass die Wirtschaft real deinvestiert (deakkumuliert), aber nominal gespart wird. Dies tritt auf, wenn die Produktivität steigt. Die Produktivitätssteigerung ist also auch ein Faktor, von dem es abhängt, in welchem Verhältnis das reale und nominale Sparen zueinander stehen - ein Faktor, der das nominale und reale Sparen auseinander dividiert. Aber das alles muss noch bewiesen werden und das werden wir auch tun. In diesem Beitrag ging es uns aber hauptsächlich nur darum, den Begriff nominales Sparen an sich zu klären sowie etwas über seinen Zusammenhang mit dem realen Sparen zu sagen. Wir fassen jetzt unsere bisherigen Ergebnisse zusammen:

  • Das nominale Sparen muss nicht bedeuten, dass real weniger Güter konsumiert werden.
  • Man kann den Konsum steigern, ohne dass man zuerst für eine bestimmte Zeit auf den Konsum verzichtet.
  • Das nominale Sparen sagt nichts über die Änderungen im realen Kapitalstock (Kapitalakkumulation) aus.
  • Den nominalen Ersparnissen muss keine produktive Leistung innewohnen.

Wir werden schließlich anhand der gut abgesicherten empirischen Befunde auch belegen, dass dies sehr wohl mit der Wirklichkeit zu tun hat. Solche Tatsachen sind manchen unvoreingenommenen Beobachtern nicht entgangen. Nur die Fachökonomen mit verbautem Denkhorizont und abgestumpftem Realitätssinn haben nie etwas davon bemerkt. Wer mit offenen Augen durch die Welt ging, konnte vor allem nicht übersehen, dass es zwischen dem Sparen und der wirklichen Entbehrung keinen Zusammenhang gibt. Ferdinand Lassalle (1825-1864), Wortführer der frühen deutschen Arbeiterbewegung und Hauptinitiator und Präsident der ersten sozialdemokratischen Parteiorganisation im deutschen Sprachraum, spottete über eine solche Auffassung genüsslich:

Der Kapitalprofit ist der „Entbehrungslohn“! Glückliches Wort Die europäischen Millionäre, Asketen, indische Büßer, Säulenheilige, welche auf einem Bein auf einer Säule stehen, mit weit vorgebogenem Arm und Oberleib und blassen Mienen einen Teller ins Volk streckend, um den Lohn ihrer Entbehrung einzusammeln! In ihrer Mitte und hoch über alle seine Mitbüßer hinausragend als Hauptbüßer und Entbehrer das Haus Rothschild! Das ist der Zustand der Gesellschaft! Wie ich denselben nur so verkennen konnte!

Es kann nicht überraschen, dass die neue Klasse der reichen Bürgerlichen und Kapitalbesitzer mit Hinweis auf ihr Sparen ihr parasitäres Dasein rechtfertigen wollte. Was sonst würde ihre Macht und Privilegien moralisch und ökonomisch legitimeren? Aber zu dem gestörten Bewusstsein und der falschen Wahrnehmung, was das Sparen betrifft, haben vor allem die ökonomischen Theorien beigetragen, genauer gesagt die wertbasierten ökonomischen Theorien. Auch die Marxsche, der man ganz bestimmt nicht vorwerfen würde, dass sie durch Verweis auf das Sparen die Kapitalisten tugendhaft und nützlich machen wollte. Die Huldigung des Sparens bei Marx war die unausweichliche Konsequenz seiner Arbeitswerttheorie, nach der das nominale Sparen dem realen entsprechen muss, so dass sich der Sparer um die reale Kapitalakkumulation verdient macht. Nichts anderes hat auch die von Marx so gescholtene „bürgerliche“ Theorie behauptet. Wenn wir also die reine ökonomische Theorie von Marx betrachten, können wir feststellen, dass der „Marxismus im Denken des 19. Jahrhunderts wie ein Fisch im Wasser ruht“ (Michel Foucault). Darin kann man auch den Hauptgrund dafür sehen, warum sich an der Marxschen ökonomischen Theorie Generationen von Kritikern die Zähne ausgebissen haben. Ein Paradigma kann man nicht von innen heraus kritisieren.

Erwähnen wir kurz, dass die falschen ökonomischen Theorien Auftrieb auch für falsche soziologische Theorien gaben. So hat später auch der bekannte Soziologe Max Weber die angeblichen asketischen Seelenzustände der Reichen erforscht und zum Schluss ein „wissenschaftliches“ Attest für sie vorgefertigt, dass sie sich durch ihre heldenhafte Aufopferung unermessliche Verdienste für die Entwicklung der abendländischen Wirtschaft und Kultur erworben haben. Seitdem können sich diejenigen, deren ganzes Dasein aus Jux, Pomp und Verschwendung besteht, als wahre Märtyrer und Wohltäter der Gesellschaft darstellen, als diejenigen, die mit ihrem spartanischen Verzicht für neue Arbeitsplätze und Produktionssteigerung sorgen.

Die Auffassung, hinter dem Preis würde etwas Reales stehen, hat nicht nur zum falschen Verständnis und zu einer falschen Wahrnehmung des Sparens geführt, sondern sie wurde zur Steilvorlage für allen möglichen Unfug in der ökonomischen Theorie. Das werden wir in mehreren Beiträgen zeigen, die wir einem gemeinsamen Haupttitel unterordnen, der so heißen wird wie der Titel dieses Beitrags, also:

  A - Schlüsselbegriffe und Grundannahmen der realen Nachfragetheorie

Uns wird es aber dabei nicht darum gehen, zu zeigen, wo die wertbasierten ökonomischen Theorien - die Marxsche und die neoliberale - gescheitert sind. Das haben wir schon anderswo ausreichend erörtert. Wir wollen auf die immer noch ungelösten bzw. falsch gelösten ökonomischen Probleme hinweisen und eine neue Methode für ihre Lösung vorstellen. Ohne weit vorzugreifen, kann schon jetzt soviel gesagt werden, dass wir in eben angekündigten Beiträgen vor allem eine kreislauftheoretische Methode näher erklären werden - mit ihren distributiven und technischen Koeffizienten. Diese Methode wird uns zu einer völlig neuen Auffassung von dem allgemeinen ökonomischen Gleichgewicht führen, die wir im nächsten Beitrag kurz vorstellen.  

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