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  Inhaltsverzeichnis zu diesem thematischen Schwerpunkt  


  2. Phase des ökonomischen Zyklus der Marktwirtschaft: Die Erholung (Aufschwung)
  Die Schaffung der neuen Nachfrage durch innovative Investitionen
       
 
Wir wollen annehmen, daß etwas ... die Unternehmer zu der Ansicht geführt hat, gewisse Neuinvestitionen würden gewinnbringend sein, zum Beispiel eine neue technische Erfindung (wie der Dampfdruck, die Elektrizität oder der Explosionsmotor) ...
Es geschieht irgendetwas, und zwar auf nicht-monetärem Gebiet, um die Anziehungskraft der Investition zu erhöhen. Es mag sich um eine neue Erfindung handeln, ... .
 
  John M. Keynes,  Vom Gelde , 1930    

Die herrschenden Klassen der alten feudalen Ordnung haben sich auf der britischen Insel viel leichter den neuen marktwirtschaftlichen bzw. kapitalistischen Verhältnissen angepasst, als die auf dem Kontinent. Ob dabei die protestantische Ethik wirklich der entscheidende Faktor war, wie es manche Soziologen meinen, oder ob auch andere Umstände dazu wesentlich beigetragen haben, sei jetzt dahingestellt. Aber nach der blutigen französischen Revolution (1789) haben sich die kapitalistischen Verhältnisse auch auf dem Kontinent endgültig durchgesetzt. Das ganze Abendland wurde danach kapitalistisch. Der freien Marktwirtschaft stand seitdem nichts im Wege, ihre Überlegenheit unter Beweis zu stellen. Die ökonomische Ordnung der unbegrenzten Freiheit hätte triumphieren müssen, aber schon sehr bald ließ sich feststellen, dass ihre Versprechungen weitgehend unerfüllt geblieben sind. Sie hat sich zwar als fähig erwiesen, die Produktivkräfte so erfolgreich zu entwickeln, wie man es sich früher nicht einmal im Traum vorstellen konnte, aber das war der einzige Bereich, wo sie den früheren Ordnungen überlegen war. Schon am Anfang des 19. Jahrhundert hat sich bewahrheitet, dass die neue uneingeschränkte Freiheit der Besitzenden zu einer Freiheit wurde, die nicht Besitzenden auszupressen und sich um sie, wenn man sie nicht mehr brauchte, nicht kümmern zu müssen. Dies hat an der Basis der Gesellschaft zu Zuständen geführt, die eine deutliche Ähnlichkeit mit Sklavenhalterei hatten.

Aber nicht nur dieses soziale und moralische Versagen der neuen Ordnung hat Unbehagen verursacht. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde man zugleich immer mehr von dem Zweifel geplagt, ob die neue Ordnung sogar rein ökonomisch betrachtet wirklich funktionsfähig sei. Deshalb kann es nicht wundern, dass die wichtigsten Ökonomen der ersten Generation nach Smith Pessimisten waren, und dann kam auch noch Marx, der der neuen Ordnung schon die bevorstehende Apokalypse prophezeit hat. Die Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Ordnung der unbeschränkten Freiheit sind also so alt wie sie selbst. Nun schauen wir uns zuerst die ökonomischen Auffassungen darüber an, warum der Kapitalismus nicht funktionieren konnte.

Der „säkulare“ Fall der Profitrate und die langfristige Entwicklung der Produktivität

In der neuen Ordnung sollte das Geldverdienen nicht nur legitim sein, sondern dieses Motiv sollte ihre treibende Kraft sein. Ob dies moralisch zu rechfertigen sei, darüber konnte man schon damals verschiedene Meinungen haben, aber dass das Geldverdienen der wichtigste modus operandi der neuen Ordnung ist, darüber war man sich zumindest unter den Ökonomen einig. Sie haben dies auch gut geheißen. Das Motiv der Profitsteigerung sollte dafür sorgen, dass die Unternehmer mit allen Kräften dafür sorgen, ihre Produktion zu erweitern. Dadurch würden immer mehr arbeitswillige Menschen eingestellt werden, die Nachfrage nach Arbeit würde tendenziell die Löhne heben, so dass es allen, dank dem Profitstreben, immer besser gehen würde. Das war die Verheißung des Märchens genannt freiheitliche Ordnung. Nun stellte sich aber bald heraus, dass die Unternehmer, also die Kapitalisten, gar nicht so sehr dazu neigen, immer weiter zu investieren, so dass dann auch neue Arbeitsplätze nicht entstehen. Weil aber keiner der damaligen Ökonomen das Motiv des Geldverdienens bei den Kapitalisten in Frage stellen wollte, folgerten sie daraus, dass die Kapitalisten deshalb die Produktion nicht erweitern, weil sie nicht genug verdienen würden. Nur über die Ursache, warum die Profite der Unternehmen zu niedrig seien oder tendenziell sogar fallen sollten, waren sich die Ökonomen im 19. Jahrhundert nicht einig. Schauen wir uns die drei wichtigsten Auffassungen ein bisschen näher an.

    David Ricardo (1772-1823)       Thomas Malthus (1766-1834)           Karl Marx (1818-1883)        
Bevölkerungsanstieg Überakkumulation Konkurrenz
steigende Bodenrente Nachfragemangel
Bevölkerungsanstieg
Akkumulation
sinkende Produktivität steigende Produktivität
f a l l e n d e   P r o f i t r a t e    

Man kann die Auffassung von Ricardo am besten verstehen, wenn man ihn als einen Ökonomen betrachtet, der die spezifischen Umstände und die Interessen der damaligen jungen britischen Industrie ins Auge fasste. Es stand für ihn nicht in Frage, dass die Bevölkerung ständig wachsen würde. Weil aber alle Menschen essen müssen und die britische Insel jedoch immer gleich groß bleiben wird, so seine Überlegung, würde man zwingend immer schlechteren Boden bebauen müssen, so dass die Erträge immer weiter fallen würden. Wie in dem vorigen Beitrag bemerkt, hat Ricardo diese Tatsache als das Prinzip der fallenden Erträge durch die große Tür in die ökonomische Theorie eingeführt. Weil es aber auf dem Planeten genug fruchtbaren Boden gäbe, so seine weitere Überlegung, sollte sich Großbritannien auf die Industrie spezialisieren und die Nahrung importieren, was dann alle Probleme lösen würde. In einer seiner letzten Reden vor dem Unterhaus (1822) schwärmte er von Großbritanniens Wohlstand, „von dem sich die Vorstellungskraft der ehrenwerten Herren gegenwärtig kein Bild machen könnte“, sofern die „Kornzollgesetze“ (damalige hohe Zölle auf landwirtschaftliche Produkte) zugunsten freier Nahrungsmittelimporte aufgehoben würden.

Man kann sich gut vorstellen, wie Ricardo die Industriellen (Kapitalisten) begeisterte und die Grundbesitzer erzürnte. Den letzteren wurde natürlich sofort klar, dass er ihnen ihr jahrhundertlanges Recht auf das Monopol in der Nahrungsproduktion entziehen wollte. Aber auch die Klasse der Bodenbesitzer hatte ihren Interessenvertreter, der seltsamerweise Ricardos Freund war: Malthus. Er fand heraus, dass billigere Nahrungsimporte nichts bewirken würden, weil das Hauptproblem im Charakter der neuen Klasse der Industriellen liegt. Es handele sich angeblich um Menschen, die zwar aus Geldgier immer weiter investieren würden - was natürlich das größte Lob verdienen würde -, die aber unfähig seien, die Früchte der Investitionen zu genießen. Mit ihrem Geiz würden sie sich gegenseitig ihre Profite vernichten und die ganze Wirtschaft und Gesellschaft in Mitleidenschaft ziehen. Die Grundbesitzer, die Staatsbeamten und die Geistlichen hätten dagegen viel mehr Sinn für den Konsum, so dass man dafür sorgen sollte, dass sie mit genug Kaufkraft versorgt würden, um alles nachfragen zu können, was die Industriellen produzierten. Alleine diese zusätzliche Nachfrage von konsumwilligen Personen würde verhindern, dass die Profite fallen.

Das war die optimistische Seite der Malthusschen Theorie, die als solche eine Nachfragetheorie im Hintergrund hat. Aber dann stülpte er dieser Überlegung seine Bevölkerungstheorie über, und da landete er bei seinem Freund Ricardo: zuviele hungrige Hälse und zu wenig Boden. Er gestand zwar zu, dass die Produktivität in der Landwirtschaft kontinuierlich steigt, aber nur linear, die Bevölkerung würde dagegen sogar exponentiell wachsen, was später als das malthussche Bevölkerungsgesetz bezeichnet wurde, nach dem es keine Hoffnung für die Menschheit gibt.

Sowohl bei Ricardo als auch bei Malthus sinken also die Profite aus dem gleichen Grund, weil die reale Produktivität sinkt. Genau das sollte nach Marx der größte Irrtum der ganzen „klassischen“ ökonomischen Theorie sein. Es sei genau umgekehrt, behauptete er ausdrücklich: Die Profite sinken, weil die Wirtschaft immer produktiver wird. Seine Erklärung dafür war so einfach, dass sie jeder Händler und Handwerker verstehen könnte. Die Konkurrenz auf dem Markt treibt jedes Unternehmen billiger zu produzieren als seine Konkurrenten und dies geht nur, wenn er seine Kosten durch eine höhere Produktivität senkt. Und wie lassen sich Kosten verringern bzw. die Produktivität steigern? Mit einer besseren Maschine, in der angeblich - und das ist die Grundannahme oder besser gesagt das Dogma bei Marx - mehr Kapital (geronnene Arbeit) steckt als in einer, die weniger produktiv ist. Wenn also aus diesen Gründen alle Kapitalisten immer bessere Maschinen kaufen, in denen immer mehr eingespartes Kapital steckt, braucht man immer mehr Kapital pro Output, so dass makroökonomische Rentabilität der Investitionen bzw. die Profitrate tendenziell sinken muss. Wie wir es schon erörtert haben, sowohl theoretisch als auch empirisch, ist diese Auffassung falsch. Weil aber der Irrtum, der in dieser Auffassung steckt, dem Zeitgeist dermaßen genehm wahr, wie in früheren Zeiten die Verbrennung von Hexen, begann die Marxsche Theorie ihren siegreichen Zug durch die Geschichte. Sie war eine moderne Eschatologie, eine Lehre von den letzten Dingen bzw. vom Anbruch einer neuen Welt. Weil sie auf einer ökonomischen Lehre, auf dem Produktivitätswachstum fußt, was unser eigentliches Thema ist, fassen wir sie noch kurz zusammen.

Die Kapitalisten akkumulieren wie benommen, weil sie nicht anders können. Sie müssen dabei die Sklavenarbeit, die Arbeitslosigkeit und die Armut in Kauf nehmen. Im Endergebnis werden aber immer größere Mengen von Kapital bzw. Investitionsgütern hergestellt, die unter den kapitalistischen Verhältnissen nicht zur Produktion von Konsumgütern eingesetzt werden können, weil die Unternehmer das neu hergestellte Kapital sofort für die weitere Senkung ihrer Produktionskosten an sich reißen müssen. Dieser mörderische Akkumulationsdrang wird erst nach der proletarischen Revolution beendet werden können. Dann wird man im Einklang mit den „gesellschaftlichen Bedürfnissen“ entscheiden, wie viel von dem akkumulierten Kapital für die Produktion von Konsumgütern abgezweigt werden soll. Weil aber die Mengen von akkumuliertem Kapital mittlerweile gewaltig geworden sind, würde die Menschheit nach der Revolution - zuerst natürlich nur in den am weitesten entwickelten Ländern - eine bisher nie da gewesene Verbesserung der Lebensumstände erleben. Die halsbrecherisch durchgeführte kapitalistische Akkumulation hätte sich also gelohnt.

Sogar Ricardo, der in aller Deutlichkeit die Korrelation zwischen der Kapitalmenge und der Produktivität ausschloss und dem folglich eine Akkumulation in die Zukunft nie in den Sinn kommen könnte, vermochte mit seiner ganzen Autorität den Siegeszug der falschen Akkumulationstheorie seiner Zeitgenossen und seines Schülers Marx nicht zu stoppen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts, also anderthalb Jahrhunderte später, hat man begriffen, wie sich der Zeitgeist viele Jahrzehnte irrte und wie Recht Ricardo hatte. Das technische Wissen ist ein authentischer und eigenständiger Produktionsfaktor, und keine Nebenwirkung der Kapitalakkumulation oder von irgendetwas sonst. Aber eins muss man Marx doch lassen. Was die Entwicklung der Produktivitätskräfte betrifft, hat keiner dem Kapitalismus ein dermaßen schmeichelhaftes Zeugnis ausgestellt wie er - auch wenn seine Argumentation auf völlig falschen Grundlagen stand.

Das zyklische Schwanken der Profitrate und ihr Zusammenhang mit der Produktivität

Am Anfang des 19. Jahrhunderts standen alle ökonomischen Probleme im Schatten der säkularen Stagnation, aber das hat sich bald geändert. Nachdem der Kapitalismus nicht unterging, sondern sich immer wieder aufrappeln konnte, hat sich die Kritik der Marktwirtschaft auf seine zyklischen Krisen verschoben. Als dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, die keynesianisch gestalteten Marktwirtschaften noch besser funktionierten, wollte man nur von konjunkturellen Schwankungen sprechen. Wir bleiben aber weiter bei dem Begriff ökonomische Zyklen.

Wie bereits besprochen, es gibt verschiedene Erklärungen von ökonomischen Zyklen. Joseph Schumpeter (1883-1950) war der erste, dem die Idee eingefallen ist, dass die ökonomischen Zyklen etwas mit der Entwicklung der Produktivität zu tun haben können. Er hat aber zugleich versucht, das in sich Widersprüchliche zu vereinen: das Phänomen des Zyklus und die neoliberale Gleichgewichtstheorie. Der Preis, den er für dieses aussichtlose Abenteuer zahlen musste, war hoch. Um den Zyklus aus den Grundlagen einer Theorie zu erklären, in der der Zyklus logisch unmöglich ist, musste er sich immer wieder in Widersprüche verwickeln und auf empirisch irrwitzige Annahmen zurückzugreifen. So hat er, um den Aufschwung zu erklären, sich ausgesponnen, dass die Entdeckungen gruppiert sind und in regelmäßigen Wellen auftreten. Die Investitions- bzw. Wachstumswellen sollten damit nur ihre unmittelbaren Folgen sein. Für interessierte Leser habe ich diesen Unfug von angeblichen Entdeckungswellen im nächsten Beitrag kurz beschrieben. Aber auch wenn ich dort Schumpeter nichts schenken werde, angesichts der Tatsache, dass die Ökonomen so erschreckend arm an neuen Ideen sind, verdient er trotzdem zu den größten Ökonomen des 20. Jahrhunderts gezählt zu werden.

Schumpeter hat also angenommen, dass der Zeitpunkt von technischen Erfindungen und der Zeitpunkt ihrer Verwirklichung durch die Unternehmer zusammenfallen. In Wirklichkeit ist jedoch für das Wirksamwerden technischer Fortschritte nicht der Zeitpunkt der technischen Erfindungen, sondern ihrer Verwirklichung durch die Unternehmer entscheidend. Dieser aber hängt wiederum von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in dem betrachteten Zeitpunkt ab. Da stellt sich die Frage: Wann ist die wirtschaftliche Lage für die innovativen Investitionen günstig? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir den ganzen ökonomischen Zyklus ins Auge fassen.

Nach dem Abschwung, während dessen die Investitionstätigkeit ein jähes Ende findet, hört auch das Investieren in neue, innovative Produktionskapazitäten auf. Die geplanten Projekte werden auf Eis gelegt, die Ingenieure und Forscher werden nach Hause geschickt. Es beginnt eine flächendeckende physikalische Vernichtung der bereits fertig gestellten Kapazitäten, und zwar auf allen Ebenen. Dies geshieht nicht deshalb, weil diese Kapazitäten überflüssig wären oder gar keine sinnvolle produktionstechnische Anwendung hätten, sondern weil die Nachfrage fehlt. Aber dazu kommen wir noch. Erst wenn die Depression ihren Boden erreicht und die Lage sich ein bisschen stabilisiert hat, wagen die mutigsten Unternehmer neue Investitionen zu tätigen. Die Investitionen, die mehr Profit versprechen, werden verständlicher Weise bevorzugt, und dazu gehören vor allem Investitionen, die Kosten sparen oder ein neues Produkt auf den Markt bringen. Dass dem so ist, beweist die einfache und unbezweifelbare Tatsache, dass die Produktivität im Kapitalismus ständig gestiegen ist und immer neue Produkte entstanden sind. Wären die Profite aus den innovativen Investitionen - allgemein genommen - nicht höher als die aus den anderen Investitionen, dann würden solche Investitionen gemieden werden, weil sie ein zusätzliches Risiko darstellen. Man weißt nämlich nie genau, ob eine neue Produktionsmethode wirklich die erhofften Ersparnisse bringen wird bzw. ob sich für ein neues Produkt wirklich genug Kunden finden werden. Der ständige Fortschritt ist aber der glaubwürdigste Zeuge dafür, dass sich solche Wagnisinvestitionen lohnen. Deshalb ist es angemessen, bei solchen Investitionen von Vorsprungsprofit zu sprechen. Marx hat ihn Extraprofit genannt. Der erste, der einen solchen Profit ganz deutlich von den „gewöhnlichen“ Profiten unterschieden hat, war James Steuart (1712-1780). Er hat ihn als positiver Profit bezeichnet, die anderen als relative Profite:

„Gewinn und Verlust teile ich in positiven, relativen und zusammengesetzten ein. Positiver Gewinn schließt für niemanden einen Verlust in sich ein; er ergibt sich aus einer Vermehrung von Arbeit, Industrie oder Erfindungsgabe und bewirk ein Anschwellen oder eine Vermehrung des öffentlichen Gutes.
Der relative Gewinn schließt einen Verlust für einige in sich ein; er bezeichnet eine Schwankung in dem Gleichgewicht des Reichtums zwischen Parteien, schließt aber keine Vermehrung des Allgemeinbesitzes in sich ein.“ ... >

Es ist natürlich nicht dasselbe, wenn man Kosten bei der Herstellung der bereits bekannten Güter spart, oder wenn neue Güter hergestellt werden, aber von der Preisstruktur her haben wir im beiden Fällen die quantitativ gleiche Situation: Das Verhältnis des Nettoeinkommens zu den Produktionskosten wird größer als bei den schon längst bekannten und praktizierten Investitionen. Das vereinfacht unsere quantitative Analyse der innovativen Investitionen. Deshalb werden wir nur ein numerisches Beispiel für beide Fälle brauchen. Dieses Beispiel wird uns verdeutlichen und erklären, warum die Profite aus den innovativen Investitionen der Wirtschaft möglich machen, die Depression zu überwinden.

Die Vorsprungsprofite des Innovators als neue Nachfrage für den Wachstumsbeginn

Wir wollen zugleich zeigen, wie sich die innovativen Investitionen gleichgewichtstheoretisch von den „gewöhnlichen“ Investitionen unterschieden. Deshalb knüpfen wir an unser Beispiel aus dem Beitrag, mit dem wir - bei der Untersuchung der Depression - verdeutlicht haben, warum die Wirtschaft in einem stationären Zustand nicht beginnen kann zu wachsen. Wir brauchen uns nicht an alle Details dieses Beispiels zu erinnern, sondern nur an die dort festgestellten Ursachen des Nachfrageproblems. Die lassen sich anhand der folgenden zwei Bilder verdeutlichen, die wir schon dort benutzt haben.

   
      Nettoeinkommen:      
  Sektor 1: 1000  
  Sektor 2: 880  
  Sektor 3: 2000  
3880  
 
    Konsumproduktion:    
  Sektor 1: 0  
  Sektor 2: 0  
  Sektor 3: 4000  
4000  

Wenn sich eine Wirtschaft im stationären Gleichgewicht befindet (Bild links) und wenn sie dann versucht zu wachsen (Bild rechts), reicht das verfügbare (Netto-)Einkommen (3880) nicht mehr, alle produzierten Konsumgüter (4000) zu kaufen. Es ist eine Nachfragelücke entstanden. Auch die Preissenkung der Konsumgüter wird nicht helfen - wie wir es schon früher herausgefunden haben.dorthin In diesem Beitrag werden wir aber die Preise (pro physikalische Einheit) als konstant betrachten. Das wird unsere Analyse der innovativen Investitionen vereinfachen.


    Schritt 1: Sektor 2 innoviert aber er wächst (investiert) nicht

Wir nehmen in unserem numerischen Beispiel an, dass Sektor 2 derjenige ist, der ein neues technisches Wissen erfunden hat. Weil sich mit diesem neuen technischen Wissen der Verbrauch der Produktionsgüter um einen Drittel (33.33%) reduzieren lässt, würde es sich für Sektor 2 lohnen, seine Produktion umzustellen. Wir nehmen an, dass sich Sektor 2 im Laufe der Reproduktionsperiode t+1 endgültig entschieden hat, in die neue Produktionsmethode zu investieren. Dies bedeutete für ihn, dass er sich für die nächste Reproduktionsperiode t+2 nicht die Produktionsgüter im Wert von 1500 zu besorgen braucht, sondern nur im Wert von 1000. Wir haben mit den nächsten zwei Bildern diese neue Situation am Ende der Reproduktionsperiode t+1 verdeutlicht.

   
      Nettoeinkommen:      
  Sektor 1: 1000  
  Sektor 2: 1500  
  Sektor 3: 2000  
4500  
 
    Konsumproduktion:    
  Sektor 1: 0  
  Sektor 2: 0  
  Sektor 3: 4000  
4000  

Weil Sektor 2 ein Drittel (500) der Ausgaben nicht mehr benötigen wird, hat sich sein Nettoeinkommen um die gleiche Summe (500) vergrößert. Die neue kostensparende Produktionsmethode wird zwar erst in den nächsten Reproduktionsperioden angewandt, aber an ihr wird schon in dieser Reproduktionsperiode verdient, sozusagen schon im Voraus, so dass man mit dem Begriff Vorsprungsprofit offensichtlich sehr gut bedient ist. Es scheint aber, dass Sektor 2 durch seinen Vorsprungsprofit die Wirtschaft aus der Bahn geworfen hat. Auf einmal jagt eine größere Summe von Nettoeinkünften (4500) die immer noch gleiche Menge von Konsumgütern (4000). Zugleich haben wir eine Überproduktion von Investitionsgütern. Man wird sich jetzt fragen: Wenn nicht jetzt das Gleichgewicht völlig aus den Fugen geraten ist, wann dann?

Der Eindruck täuscht aber. Gerade jetzt ist die Welt gleichgewichtstheoretisch völlig in Ordnung. Und die Wirtschaft wird sogar ganz spontan diese Ordnung herstellen. Die Konsumgüterhersteller spüren nämlich, dass sich ihre Güter auf einmal leichter absetzen lassen, also ist es für sie nahe liegend, dass es die richtige Zeit ist, wieder zu investieren. Sie werden sich sogar beeilen, weil sie wissen, dass den letzten die Hunde beißen, wie es das Sprichwort sagt. Sie werden sich also entscheiden, den Gürtel enger zu schnallen, also aus ihren (Netto-)Einkünften (2000) einen Teil von 500 einzusparen bzw. zu investieren. Nun kaufen sie die von dem Sektor 1 angebotenen Produktionsgüter, welche für Sektor 2 überflüssig geworden sind. Mehr braucht man gar nicht zu tun, und die Wirtschaft läuft wieder rund - vorausgesetzt, Sektor 2 hat seinen Extragewinn aus Ersparnissen (500) verkonsumiert.

Wir könnten auch tabellarisch darstellen, wie der Tausch am Ende der Reproduktionsperiode t+1 genau aussieht, schließlich könnten wir auch für die weiteren Reproduktionsperioden die entsprechenden Tabellen für den Produktionsfortgang und den Tausch aufstellen, aber das haben wir schon einmal für die genau gleichen Zahlen unseres dreisektoralen Modells getan. Damit wir jetzt nicht dorthin springen müssen, gebe ich alles ohne nennenswerte Änderungen in Teil 2: Anhang 1 dieses Beitrags wieder. Man kann sich also den weiteren Verlauf des ökonomischen Geschehens dort genauer anschauen, aber es ist viel einfacher, wenn wir ihn uns von unserem Simulationstool darstellen lassen. 

     Gleichgewichtsbedingung:   YK  =  I  =  S      Zuwachs der Konsumgüterproduktion
 
0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
1000
-0
 
  t+1     t+2     t+3     t+4     t+5     t+6     t+7     t+8     t+9     t+10     t+11     t+12     t+13     t+14    
  I1' -0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I2' -500   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I3' 500   -0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
  YK' -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0   -0  
  Q2 0   500   500   500   500   500   500   500   500   500   500   500   500   500  

Die Zahlenreihe  Q2  schildert den Profit, den die in Betrieb genommenen innovativen Investitionen abwerfen, unter der Voraussetzung, dass die Preise der vom Sektor 2 hergestellten Güter unverändert bleiben. Im echten Sinne des Wortes vorgeschossen ist aber nur der Profit, den die innovativen Investitionen in der Reproduktionsperiode t+1 ermöglicht hatten (500), der die Folge der realen Ersparnisse bei den produzierenden Investitionen bzw. Anlagen ist.

Wenn wir die Wirtschaft nur einmal innovieren, passiert offensichtlich nicht viel. Deshalb sollten wir die Zahl der Reproduktionsperioden, in denen neue kostensparende bzw. profitsteigernde Produktionsmethoden eingeführt werden, erhöhen. Wir können mit unserem Simulationstool zugleich auch beliebig wählen, um wie viel Prozent die innovativen Investitionen die Kapitalkosten im Sektor 2 reduzieren.
 

    Simulationstool           
       
 
  Zahl der Reproduktionsperioden    [2-20]   eingeben    
  Kostenersparnisse (Vorsprungsprofit) bei dem Sektor 2 prozentual    %  [ 0-50]   eingeben    
  Zahl der Reproduktionsperioden in denen Sektor 2 innoviert    [0-20]   eingeben    
 
    Eingaben absenden      
       

Welche Werte wir auch eingegeben haben, konnten wir immer feststellen, dass die Wirtschaft als Ganzes weder nominal noch real zu sparen braucht (YK), obwohl die Konsumgüterproduktion ständig wächst. Dies hätten wir schon aus der allgemeinen Gleichung des Sparens entnehmen können. In unserem Fall wächst also die Wirtschaft bzw. die von ihr produzierte Menge von Konsumgütern, obwohl kein reales Kapital akkumuliert worden war. So etwas ist also durchaus möglich, wie es Ricardo behauptet hat. Aber wir wollen es jetzt nicht dabei belassen. Wir lassen die Wirtschaft auch makroökonomisch sparen. Sektor 2 soll nicht nur neue Produktionsmethode einsetzen, sondern zugleich auch seine Produktion erweitern.


    Schritt 2: Sektor 2 innoviert und zugleich wächst (investiert) er

Das wird in den nächsten Bildern veranschaulicht. Das linke Bild stellt noch einmal die gleiche Ausgangslage dar, in dem rechten wird gleichzeitig berücksichtigt, was wir schon bei den zwei rechten Bildern oben hatten. Der Sektor 2 führt also eine neue sparsamere (33.33%) Produktionsmethode ein und zugleich investiert er (120).

   
      Nettoeinkommen:      
  Sektor 1: 1000  
  Sektor 2: 1380  
  Sektor 3: 2000  
4380  
 
    Konsumproduktion:    
  Sektor 1: 0  
  Sektor 2: 0  
  Sektor 3: 4000  
4000  

Was auch diesmal auf den ersten Blick wie ein Ungleichgewicht aussieht, ist in Wirklichkeit eine Welt, die wunderbar in Ordnung ist. Auch wenn Sektor 3 diesmal nur 380 einspart, wird sowohl bei Konsumgütern als auch den Produktionsgütern die Nachfrage gleich dem Angebot sein. Wir stellen diesmal den Tausch während der Reproduktionsperiode t+1 auch tabellarisch dar, weil wir diesen Fall später noch brauchen werden.

   
1 2 3
 
4 5
 
 
ANGEBOT 
  Sektor 1     Sektor 2     Sektor 3  
t + 1
  Sektor 1     Sektor 2     Sektor 3  
NACHFRAGE  
  1
  2
  3
  Sektor 1     
  Sektor 2     
  Sektor 3     
    1120.00   2380.00  
2500.00          
1000.00   1380.00   1620.00  
=
=
=
    2500.00   1000.00  
1120.00       1380.00  
2380.00       1620.00  
       Sektor 1    
       Sektor 2    
       Sektor 3    
  4
                     Ÿ :  
1000.00   1000.00   2000.00  
   
    =    Zeile 4  -  Zeile 3
  5
       S'  bzw. I'  :  
0.00   -380.00   380.00  
   
 0

Unsere tabellarische Untersuchung bestätigt, dass unsere einfache Überlegungen anhand des obigen Bildes richtig waren: Das Sparen und Investieren verursacht keinen Nachfragemangel und keine Gleichgewichtsprobleme. Bei jedem Sektor sind die Einnahmen gleich den Ausgaben, so dass alle Sektoren im Gleichgewicht bleiben. Die Zeile 4 stellt die Nettoeinkünfte der einzelnen Sektoren dar, die Zeile 3 ihre Konsumausgaben, die Differenz entspricht ihren Ersparnissen bzw. Investitionen, die in der Zeile 5 stehen. Was der Sektor 2 entspart (-380), wird vom Sektor 3 investiert (380), so dass makroökonomisch nichts gespart und nichts investiert wird. Aus dem Bild lässt sich dies unmittelbar entnehmen: Das vorhandene Kapital wurde im System nur anders verteilt. Dies wird sich ändern, wenn Sektor 2 auch in der nächsten Reproduktionsperiode das gleiche (120) investieren würde. Für den interessierten Leser wird der weitere Wachstumsverlauf im Anhang 2 tabellarisch genau nachvollzogen, für den eiligen Leser lassen wir uns denselben Verlauf von dem Simulationstool nachbilden.

Bemerkung: Wir lassen Sektor 2 in zwei Reproduktionsperioden seine Produkitonsmethode innovieren (also 33.33% der Produktionsgüter einsparen) und in 3 Reproduktionsperioden (extensiv) wachsen bzw. investieren (120). Wir beschränken uns jetzt nur deshalb auf 3 Reproduktionsperioden, weil die Zahlen mit denen wir jetzt operieren (33.33%, 120) zu groß sind, so dass die Balken des Simulationstools extrem wachsen würden. Aber auch wenn wir Sektor 2 beliebig lange weiter wachsen ließen, es würden keine Probleme mit dem Gleichgewicht bzw. der Nachfrage auftauchen. Der interessierte Leser kann später kleinere Zahlen nehmen, um dies nachzuprüfen.

     Gleichgewichtsbedingung:   YK  =  I  =  S      Zuwachs der Konsumgüterproduktion
 
0
 
760
300
 
1267
870
 
1866
1080
 
3126
630
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
4386
0
 
  t+1     t+2     t+3     t+4     t+5     t+6     t+7     t+8     t+9     t+10     t+11     t+12     t+13     t+14    
  I1' -0   300   450   450   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I2' -380   -253   120   -0   0   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I3' 380   253   300   630   630   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
  YK' -0   300   870   1080   630   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
  S'%  -0   5.9   14.2   15.5   8.1   0   0   0   0   0   0   0   0   0  
  Q2 0   560   1083   1233   1233   1233   1233   1233   1233   1233   1233   1233   1233   1233  

Die Wirtschaft beginnt in der Reproduktionsperiode t+2 auch makroökonomisch zu sparen. In der Zahlenreihe YK sind die Ersparnisse und Investitionen aller Sektoren in absoluten Zahlen (Preiseinheiten) wiedergegeben, in der Zahlenreihe  S  als prozentuale Anteile von dem gesamten Nettoeinkommen der Wirtschaft. Weil Sektor 2 nach der Reproduktionsperiode t+3 keine neuen Investitionen mehr tätigt, kommt das Wachstum nach einer Übergangszeit von zwei Reproduktionsperioden überall zum Stillstand. In der Reproduktionsperiode t+6 und den folgenden befindet sie sich die Wirtschaft in dem neuen stationären Zustand.

Zusammenfassung: Wir stellen fest, dass sich das Wachstum, wenn zugleich auch innoviert wird, von dem Wachstum derer mit nur „gewöhnlichen“ Investitionen, gleichgewichtstheoretisch wesentlich unterscheidet. Dort haben wir das Problem, dass der Wachstumsbeginn einen Nachfragemangel verursacht, der das gerade begonnene Wachstum unmöglich macht; hier hatten wir dieses Problem nicht. Die innovativen Investitionen, oder um noch genauer zu sein, die Vorsprungsprofite, verursachen hier einen Effekt, den man unter dem Namen Pump-priming in der Wirtschaftswissenschaft kennt. Der Begriff ist abgeleitet vom „Angießen” einer Wasserpumpe vor der Inbetriebnahme. Bei den älteren Wasserpumpen musste man nämlich zuerst ein wenig Wasser in den Zylinder gießen, um die Kolben und Ventile zu befeuchten, damit sie dichten, erst dann konnte die Pumpe beginnen, Wasser zu ziehen.

Mit unserem Simulationstool - das uns aufwendige und mühselige Routinearbeit spart - können wir das begonnene Wachstum, also das Sparen und Investieren, in weiteren Reproduktionsperioden fortsetzen lassen und beobachten, wie es abläuft. Wir können auch verschiedene Werte (Anfangsbedingungen) beliebig variieren. Wollen wir die Produktivität und die Investitionen länger gleichzeitig steigen lassen, sollen wir beim Start keine großen Werte eingeben, sonst würden die Balken kräftig nach oben schießen. Es empfehlt sich am Anfang etwa 4% für das Produktivitätswachstum und 2% für die Investitionen im Sektor 2 zu nehmen.
 

    Simulationstool           
       
 
  Zahl der Reproduktionsperioden    [2-20]   eingeben    
  Kostenersparnisse (Vorsprungsprofit) beim Sektor 2 prozentual    %  [ 0-50]   eingeben    
  Zahl der Reproduktionsperioden in denen Sektor 2 innoviert    [0-20]   eingeben    
  Investitionen im Sektor 2 absolut    [0-120]   oder prozentual    %  [ 0-12]   eingeben    
  Zahl der Reproduktionsperioden in denen Sektor 2 investiert    [0-20]   eingeben    
  Gesamtwirtschaftliche Sparquote anzeigen ( S'% )  
  Innovationsgewinne anzeigen ( Q2 )  
  Gesamtwert der Konsumgüterproduktion (Sektor 3) anzeigen ( Cc )  
 
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Nachdem wir mit den verschiedenen Zahlen ein bisschen „gespielt“ haben, konnten wir feststellen, dass die Wirtschaft in einem breiten Bereich der Variationen ohne Gleichgewichtsprobleme sparen und investieren bzw. wachsen kann. Ein schnelleres Wachstum verlangt am Anfang auch stärkere Innovationen, die es durch Pump-priming in Gang setzen. Vollständigkeit halber soll noch etwas erwähnt werden. Die Erholung erfolgt aus der Depression, in der die Preise fallen und diese, wie unsere Untersuchungen es ergeben haben, verursachen auch Gleichgewichtsprobleme bzw. den Nachfragemangel. Wir wollen aber die Preissenkung nicht mehr berücksichtigen, weil bei der Erholung die Preise normalerweise nicht mehr fallen, ja sie beginnen sogar zu steigen.

Noch etwas hat sich aus unseren Untersuchungen ergeben. Sofern das nominale Sparen (S′) und das Investieren (I′) in der Wirtschaft nicht sehr groß bzw. die Kostenersparnisse aus den Innovationen nicht zu klein sind, lässt sich auch kein Rückgang bei der Konsumgüterproduktion feststellen. Die nominalen Ersparnisse und Investitionen sind also durch keine realen Ersparnisse bzw. Entbehrungen bedingt. In dem akkumulierten Kapital befindet sich weder mehr von Abstinence der Kapitalisten, wie es die „bürgerlichen“ Ökonomen behaupten - Ricardo ausgenommen -, noch mehr von geronnener Arbeit, wie es Marx behauptete. Der Wohlstand entsteht im wahrsten Sinne ex nihilo - aus dem Geiste des technischen Wissens. Das ewige Gerede vom „Gürtel enger schnallen zu müssen“, ist - wenn die Umstände nicht spezifisch sind, wie etwa nach Kriegen oder Naturkatastrophen - nur eine Ideologie mit dem Ziel der Umverteilung von unten nach oben. Mehr darüber, was hinter den Ersparnissen (und folglich den Investitionen) steckt, den Unterschied zwischen den nominalen und realen Ersparnissen, haben wir schon thematisiert, und zwar auch im Zusammenhang mit dem Produktivitätswachstum.dorthin Dort wurde schon einiges über Schumpeter gesagt - dort haben wir auch seine Verdienste gebührend anerkannt -, was wir nicht mehr zu wiederholen brauchen.

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YK :     Wert der insgesamt hergestellten Produktionsgüter ( Sektor 1 +  2 )  
YK' :     Zuwachs von YK  in Bezug auf die vorige Reproduktionsperiode  
I1', I2', I3' :    Neue nominale Investitionen der Sektoren 1,  2  und  3
S'%  :     Summe aller Ersparnisse in Bezug auf die Summe der Nettoeinkünfte aller Sektoren in Prozentpunkten    
Q2  :    Kostenersparnisse aus den Innovataionen beim Sektor 2  

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