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  Inhaltsverzeichnis zu diesem thematischen Schwerpunkt  


  4. Phase des ökonomischen Zyklus der Marktwirtschaft: Der Abschwung (Rezession)
  Der obere Wendepunkt des ökonomischen Zyklus und der Absturz in die Tiefe
       
 
Es gibt jedoch noch ein weiteres Merkmal des sogenannten Konjunkturzyklus, das unsere Erklärung decken muß, wenn sie angemessen sein soll, nämlich die ... Tatsache, daß die Ablösung einer Aufwärts- durch eine Abwärtsneigung oft plötzlich und heftig eintritt, während es in der Regel keinen solchen scharfen Wendepunkt gibt, wenn eine Abwärts- durch eine Aufwärtsneigung abgelöst wird.
 
  John M. Keynes     
       
 
Der Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Wendepunkt ist so wichtig, entspricht so nachdrücklich der Wirklichkeit, daß auf seine Erklärung ein ganz besonderes Gewicht zu legen ist. Gerade bei der Erklärung des oberen Wendepunktes, beim jähen Absturz in die Tiefe, hatte die bisherige Konjunkturtheorie versagt, alle scheinbar oder wirklich aufgedeckten Disproportionalitäten vermochten darüber nicht hinwegzutäuschen, daß die angeführten Gründe bestenfalls geeignet waren, Friktionen und Reibungswiderstände zu erklären, aber nicht den Konjunkturumbruch als solchen.
 
  Gerhard Kroll     
       

Wir haben bereits drei Phasen des ökonomischen Zyklus untersucht, Depression, Erholung und Hochkonjunktur, jetzt widmen wir uns der vierten. Weil sie die letzte ist, beginnen wir die Erklärung des Abschwungs (Rezession) mit einer kurzen Zusammenfassung unserer bisherigen Ergebnisse, um dann daran anzuknüpfen. Es ist auch deshalb sinnvoll, sich an das bereits Gesagte zu erinnern, weil wir uns auch weiterhin an gleiche Annahmen und Vorgehensweisen halten werden. Damit ist vor allem gemeint, dass die ganze Dynamik der ökonomischen Entwicklung in unserer kreislauftheoretischen Analyse auch weiterhin durch das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Heben wir noch einmal hervor, dass die gleichgewichtstheoretische Argumentation innerhalb des Kreislaufsmodells eine völlig andere ist, als die in dem partikel-mechanischen Modell. Wenn in diesem neoliberalen Modell vom Gleichgewicht gesprochen wird, handelt es sich um einen Irrtum oder eine Täuschung - oder beides. Eigentlich gibt es in diesem Modell das Angebot und die Nachfrage im volkswirtschaftlichen (makroökonomischen) Sinne gar nicht. Beide Größen sind nichts anderes als summierte Kosten, die man ein Mal als Angebot, ein anderes Mal als Nachfrage bezeichnet. (Jede Kostenposition wird einmal mit einem kleinen „d“ oben (demand) und ein andermal mit „s“ (supply) indiziert und das war’s.) Im Grunde handelt es sich nur um eine dreifache Tautologie. Wie sollte dann das Angebot und die Nachfrage jemals nicht gleich sein können? Das ist logisch unmöglich. Daraus ergibt sich eine weitere Konsequenz, an der es besonders deutlich wird, wie sich die kreislauftheoretische Denkweise und Analyse von der neoliberalen unterscheidet: Wenn die Marktwirtschaft immer im Gleichgewicht ist, dann muss sie im Gleichgewicht sein unabhängig davon, wie viel die Einkommensbesitzer bereit sind zu sparen, vorausgesetzt die Unternehmen wären bereit, das Ersparte vollständig zu investieren. In dem Kreislaufmodell ist dem nicht so, was ein großer Unterschied ist. Dort müssen die Investitionen als auch die Ersparnisse der - wie wir sie benannt haben - markteigenen Sparquote (YK) entsprechen, die sich aus der Kreislaufanalyse genau herleiten lässt.

Ergänzend wollen wir gleich hinzufügen, dass es auch für Keynes einzig und allein wichtig war, dass Ersparnisse und Investitionen übereinstimmen. Auf welchem Niveau, das war ihm unwichtig. Er widersprach den Neoliberalen darin, dass er nicht im Zins den Mechanismus sehen wollte, der den (psychologischen) Hang zu sparen (Sparsumme) automatisch mit dem (psychologischen) Hang zu investieren (Investitionssumme) ausgleicht. Seine Argumentation war aber nicht sehr überzeugend, weil ihr feste analytische Grundlagen fehlten. Erst wenn man konsequent kreislauftheoretisch denkt, kann man herausfinden, wie viel gespart (Sparsumme) und investiert (Investitionssumme) werden kann und darf, wenn die Wirtschaft im Gleichgewicht bleiben soll. Sonst kommt es zum Nachfragemangel. In diesem Sinne sprechen wir mit Keynes, dass

„Ersparnis und Investition die Bestimmten des Systems sind und nicht die Bestimmenden.“ ... >

Die bestimmende Größe ist die markteigene Sparquote, die durch (1) Preisniveau, (2) Innovationen und (3) Wachstum bestimmt wird. Aus der Kreislaufanalyse ließ sich auch ableiten, wie diese Bestimmenden, oder einfacher gesagt Faktoren, wirken: Je größer einer dieser Faktoren, desto größer auch die gleichgewichtige Sparquote und umgekehrt. Wir haben auch noch herausgefunden, dass - wenn man die Erfahrungswerte berücksichtigt -, alle diese Faktoren während der Hochkonjunktur kleiner werden, dass also irgendwann die Preise zu fallen beginnen, die Innovationen ausbleiben und das Wachstum zurückgeht.dorthin Mit all diesen Erkenntnissen können wir nun zum nächsten Schritt übergehen und zeigen, wie dann eine Aufwärts- durch eine Abwärtsentwicklung abgelöst wird.

Wenn die Investitionen ausbleiben und das Wachstum zurückgeht (Fall 1) ...

Heben wir noch einmal hervor, dass das Gleichgewicht eine Frage der Quantitäten bzw. der quantitativen Zusammenhänge ist. Weil die Mathematik die besten „Werkzeuge“ besitzt, wie man mit Quantitäten umgehen soll, können wir sicher sein, dass wir bei der Analyse des (Un-)Gleichgewichts auf die Mathematik nicht verzichten werden können. Man muss aber nicht übertreiben. Es reicht uns nämlich, auf die komplizierten „Werkzeuge“ der Mathematik nur dann zurückzugreifen, wenn nachgewiesen werden soll, dass bestimmte Schlussfolgerungen allgemeine Gültigkeit besitzen. Sonst kann man viel bequemer mit einfachen numerischen Beispielen arbeiten, wie wir es in früheren Beiträgen gezeigt haben. Dort haben wir uns schon an ein numerisches dreisektorales Beispiel gewissermaßen gewöhnt, das wir auch noch mit dem Simulationstool in breitem Umfang variiert haben, dieses Hilfsmittel wollen wir auch weiterhin beibehalten. Zur Erinnerung, unser numerisches Beispiel einer dreisektoralen Wirtschaft sah wie folgt aus:

  Auf das Bild klicken, um es zu vergrößern                
Nettoeinkommen:
  Sektor 1: 1000  
  Sektor 2: 1000  
  Sektor 3: 2000  
4000  
   
 Konsumproduktion:  
  Sektor 1: 0  
  Sektor 2: 0  
  Sektor 3: 4000  
4000  

In diesem Beispiel produzieren zwei Sektoren Produktionsgüter und der dritte Konsumgüter. (Man kann es sich auch so vorstellen: Sektor 2 produziert Rohstoffe, Sektor 1 Maschinen und Sektor 3 Nahrungsmittel.) Das Flussdiagramm zeigt diese dreisektorale Wirtschaft im stationären Zustand, der sich beliebig lange unverändert wiederholen lässt. In diesem Zustand, von dem wir ausgehen, sind alle Güterströme - gemessen in absoluten Preisen - geschlossen. Das betrifft jeden einzelnen Sektor, aber den Konsummarkt genauso: Die gesamte Nachfrage nach den Konsumgütern (die Summe der externen Inputs aller Sektoren) ist nämlich gleich dem gesamten Angebot an den Konsumgütern (dem Output des Sektors 3). Heben wir nur noch ausdrücklich hervor, dass wir in unserer bisherigen Analyse die realen Disproportionalitäten - heute sagt man dazu strukturelle Probleme - nicht berücksichtigt haben, und das wollen wir auch weiterhin nicht tun. Natürlich trifft es zu, dass es in der Wirtschaft (reale) Disproportionalitäten immer gibt, und zwar mehr als genug, aber sie gehören nicht zu unserer Erklärung der ökonomischen Zyklen. Bei uns ist nicht die Summe der vielen kleinen falschen Entscheidungen oder irrationalen Fehltritte von Einzelnen die Ursache des periodischen Absturzes der Markwirtschaft.

Mit den Balkendiagrammen im nächsten Bild, die wir von dem Flussdiagram ausgehend mit dem Simulationstool generiert haben, wird der Fortgang dargestellt, wenn die betreffende Wirtschaft in den ersten acht Reproduktionsperioden wächst, und zwar indem fortdauernd investiert (3%) und innoviert (2% bei Sektor 2) wird. Die dunkelgrünen Balken sind die durch das System bestimmten, also die markteigenen Sparquoten, die hellgrünen Balken stellen den Produktionszuwachs bei den Konsumgüterherstellern (Sektor 3) dar - diesmal in konstanten Preisen.

     Gleichgewichtsbedingung:   YK  =  I  =  S      Zuwachs der Konsumgüterproduktion
 
0
 
77
 
186
 
192
 
313
 
510
204
 
713
210
 
923
216
 
1140
223
 
1396
132
 
1661
0
 
1661
0
 
1661
0
 
1661
0
 
 
 
-30
 
-60
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  t+1     t+2     t+3     t+4     t+5     t+6     t+7     t+8     t+9     t+10     t+11     t+12     t+13     t+14    
  I1' -0   77   79   81   84   86   89   92   95   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I2' 15   15   15   15   16   16   16   16   0   0   0   0   0   0  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I3' -15   -15   92   95   98   102   105   108   128   132   0   0   0   0  
  YK'  -0   77   186   192   198   204   210   216   223   132   0   0   0   0  
  S'%  -0   1.9   4.5   4.4   4.4   4.3   4.3   4.2   4.2   2.4   0   0   0   0  
  L% 0   0.4   1.6   5.5   9.5   13.6   17.9   22.4   26.9   31.1   34.4   34.4   34.4   34.4  

Am Anfang haben wir eine Wirtschaft, die sich auf einem niedrigen Niveau der Produktion und der Beschäftigung befindet. Dies entspricht der Depression, und zwar - heben wir es noch einmal hervor - wenn es keine Disproportionalitäten gäbe. Man kann einen solchen stationären Zustand auch als Nullwachstum ohne Disproportionalitäten bezeichnen. Wenn die Wirtschaft dann versucht zu wachsen bzw. zu investieren - aus der produktionstechnischen Konstellation muss dies bei Sektor 2 beginnen - entsteht ein Gleichgewichtsproblem. Die Konsumgüterhersteller - bei uns ist dies der Sektor 3 - können einen Teil ihrer Produktion nicht absetzen, weil das Einkommen für dieses Angebot nicht vorhanden ist. Für diese Unternehmer (Sektor 3) ist dies bestimmt ein großes Problem. Sie könnten, rein theoretisch betrachtet, die nicht absetzbaren Güter, weil es Konsumgüter sind, selbst konsumieren. Wenn sie dies tun wollten. So etwas würde dann bedeuten, dass die Konsumgüterhersteller aus ihrem Amortisationsfonds konsumieren würden. Das würde für sie Entsparen bedeuten, also negative Ersparnisse und damit auch negative Sparquote. Mit roten Zahlen in den ersten zwei Reproduktionsperioden werden diese negativen Sparquoten noch deutlicher zum Ausdruck gebracht. Diese Problematik haben wir schon genauer untersucht.dorthin

Kurz zusammengefasst: Die Konsumgüterhersteller, wenn sie wegen des Nachfragemangels Absatzprobleme haben, sind nicht bereit, aus ihren Amortisationsfonds zu konsumieren. Dies wäre sogar nicht ohne weiteres möglich. In ihrer Lage müssten sie dann sozusagen den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Ein Unternehmer könnte nämlich aus seinem Amortisationsfonds erst dann konsumieren, wenn er sein Angebot realisiert hat. Bis dahin ist sein Amortisationsfonds noch leer. Würde ein Unternehmer das konsumieren wollen, was er noch nicht verdient hat aber voraussichtlich verdienen wird, müsste er sich zuerst das Geld irgendwo besorgen, sich verschulden - etwa einen Kredit aufnehmen. Sollte es ihm später dennoch nicht gelingen, seine Waren - wie zuvor angenommen - abzusetzen, dann könnte er seine Schulden nicht mehr bedienen. Er würde also nicht nur seine Firma, sondern auch die als Kreditsicherheit hinterlegten Werte verlieren. Man kann in der Tat davon ausgehen, dass die Unternehmen so etwas äußerst selten tun würden. Aber gerade das müssten sie tun, wenn es Nachfrageprobleme gibt. Natürlich werden sie es schon deshalb nicht tun wollen, weil sie - von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen - nicht bereit sind, aus dem Amortisationsfonds zu konsumieren. Damit würde das Unternehmen schrumpfen, die Unternehmen sind aber normalerweise bestrebt ihr Geschäft zu erweitern - das Unternehmen zum Expandieren zu bringen, und zwar immer und unter allen Umständen. Die Folge ist, dass die Wirtschaft während der Depression nicht durchstarten kann, wie wir es aus der Erfahrung nur allzu gut kennen.

Aus unseren Untersuchungen in früheren Beiträgen hat sich dann ergeben, dass sich eine solche Situation überwinden lässt. Es gibt mehrere Möglichkeiten: durch innovative Investitionen, durch Preissteigerung, durch Exportüberschüsse und durch Schaffung von Nachfrage durch Geldschöpfung. In unserem Bild haben wir uns aber nur auf eine dieser Möglichkeiten beschränkt, auf die Innovationen, die übrigens für die Marktwirtschaft so charakteristisch sind. Wir ließen Sektor 2 seine Produktion innovieren, indem er 2% seiner realen Kapitalkosten einsparte. Diese Innovation hat aber in unserem Beispiel - wenn das (extensive) Wachstum 3% beträgt - offensichtlich noch nicht ausgereicht, dass Sektor 3 sein ganzes Angebot absetzen kann. Würde aber Sektor 2 nur ein bisschen erfolgreicher innovieren, also von seinem (realen) Kapital noch mehr einsparen - schon 3% anstatt 2% würden genügen -, würden sich alle Konsumgüter absetzen lassen. Es ist dem Leser überlassen, dies mit dem Simulationstool unten zu prüfen.

Beginnend mit der Reproduktionsperiode  t+3  hat unsere Wirtschaft keine Nachfrageprobleme mehr. Danach läuft alles - für jeden Sektor - „wie am Schnürchen“. Jeder Sektor kann einen Teil seines Nettoeinkommens einsparen und investieren. Die gleichgewichtige Sparquote (S′%) der ganzen Wirtschaft, also die markteigene Sparquote, ist in einer Zahlenreihe unten angezeigt. Ihre Werte zeigen, wie viel Prozent von dem Einkommen aller Sektoren zusammengenommen gespart werden kann. Es ließe sich zeigen, dass nach den ersten zwei kritischen Reproduktionsperioden die Spar- und Investitionsquoten noch höher sein könnten als in unserem Fall, dass sie auch immer weiter erhöht werden könnte, und das alles ohne Auftreten von Nachfrageproblemen.

Bemerkung 1:   Natürlich, dieses Wachstum ließe sich nicht beliebig - immer weiter - beschleunigen, nicht nur weil es produktionstechnisch nicht ginge, sondern weil auch bei einer wachsenden Wirtschaft zu große Ersparnisse bzw. Investitionen einen Nachfragemangel verursachen würden - im Grunde einen solchen, wie schon am Anfang. Das haben wir schon näher erörtert, jetzt braucht uns eine solche Überhitzung der Wirtschaft nicht zu intressieren.

Bemerkung 2:   Die Konsumproduktion wächst seit der Reproduktionsperiode  t+4  auch, wie es sich aus den hellgrünen Balken unmittelbar entnehmen lässt, obwohl akkumuliert und gespart wird. Das nominale Sparen (der eingesparte Teil des Nettoeinkommens) steht mit dem realen Sparen (Abstinenz) in keinem festen Zusammenhang.

Wir haben das Wachstum auf die ersten 8 Reproduktionsperioden beschränkt, dann hört Sektor 3 auf zu investieren und zu innovieren. Bei ihm ändert sich danach (real) nichts mehr. Weil sich dieser Sektor sozusagen am Anfang der Produktionskette befindet, wächst die Wirtschaft bei den restlichen Sektoren noch eine kurze Weile weiter, aber sehr bald erreichen alle Sektoren ihren endgültigen Zustand. Für die Wirtschaft als ein Ganzes ist dies wieder ein stationärer Zustand, der sich beliebig langen wiederholen kann. Die Beschäftigung - wie es die letzte Zahlenreihe  (L%)  zeigt - ist um 34.4% gewachsen, was eigentlich sehr viel ist. So etwas wäre unter realen Umständen kaum möglich. Die Beschäftigung würde natürlich weniger steigen, wenn wir in unserem Beispiel zusätzlich auch noch Innovationen berücksichtigt hätten, die lebende Arbeit sparen. Aber auch Innovationen, mit denen allein materielle Kosten gespart werden, bringen Arbeitsersparnisse, weil in den materiellen Kosten auch Arbeit steckt Das lässt sich mit dem Simulationstool leicht prüfen. Je stärker Sektor 2 innoviert, desto stärker wächst die Konsumgüterproduktion pro zusätzliche Beschäftigung. Dies erwähnen wir jetzt auch nur nebenbei, uns geht es um das (Un-)Gleichgewicht und die (markteigene) Sparquote, und zwar nach der Hochkonjunktur.

Wenn kein einziges Unternehmen mehr investieren würde, würde natürlich auch die Sparquote auf Null sinken müssen. Diese Schlussfolgerung ist alles andere als neu und sie ist auch theoretisch unbestritten. So hat man es in der Wirtschaftswissenschaft immer gesehen: schon bei den ältesten Ökonomen, und aus dem neoliberalen partikel-mechanischen Modell folgt auch nichts anderes. Unser kreislauftheoretisches Ergebnis unterscheidet sich also hier nicht von dem, was in der Wirtschaftswissenschaft schon längst als Konsens gilt. Es ist aber seltsam, dass es so wenige Ökonomen in den letzten zwei Jahrhunderten gab, die sich beunruhigt fühlten, wenn sie die empirischen Daten über das Wachstum und die diesem Wachstum korrespondierten Sparquoten vor der Nase liegen hatten und beides vergleichen konnten. Wenn nämlich das Wachstum nur ein anderer Ausdruck für das investieren ist, und die Investitionen den Ersparnissen entsprechen, dann müsste zwischen dem Wachstum und den Ersparnissen eine eindeutige einfache Beziehung existieren. Aber gerade dass lässt sich aus den empirischen Daten nicht entnehmen, im Gegenteil. Wir haben jetzt als Beispiel die deutsche Wirtschaft genommen, bei anderen Volkswirtschaften sieht es nicht viel anders aus:

            sparDE
    Sparquote der privaten Hushalte   ... >  

Wie kann es sein, dass die Sparquote (rechts), die sich so wenig ändert, für all die so unterschiedlichen und sich so sprunghaft ändernden Wachstumsraten (links) richtig ist? Warum sollte diese horrende Diskrepanz nicht problematisch sein? Warum sollte sie horribile dictu nicht zu Disproportionalitäten führen? Vor allem dann, wenn das Wachstum auf 0% oder darunter fällt und die Sparquote immer noch positiv oder gar gleich hoch bleibt? Und dieser Fall, das Nullwachstum beim Erreichen der Vollbeschäftigung, würde in einer Marktwirtschaft, die richtig funktionierte, irgendwann auftreten müssen. Dann dürften die Unternehmen nach der Hochkonjunktur nicht mehr investieren. Was tun aber mit der (psychologischen) Sparquote, die dann nicht verschwinden will - von einem hohen Niveau nicht auf Null fallen will? Dass diese Problematik nur wenige Ökonomen je interessiert hat - Sismondi, Malthus ... Keynes - zeigt in aller Deutlichkeit, dass die akademische Wirtschaftswissenschaft nicht nur falsche Antworten bietet, sondern sie beschäftigt sich nicht einmal mit richtigen Fragen.

Sollten wir den empirischen Daten wie oben trauen, müssten wir schlussfolgern, dass bei einem solchen Zerwürfnis zwischen dem Wachstum und den Ersparnissen die Wirtschaft zusammenbrechen müsste. Schon dies würde eigentlich für die Erklärung ausreichen, warum das Wachstum in der Marktwirtschaft nie in ein stabiles Gleichgewicht übergeht. Diese Erklärung wäre auf jeden Fall viel glaubwürdiger als viele andere, die auf weit kleineren oder gar empirisch nicht überprüfbaren Disproportionalitäten beruhen, wie etwa Schumpeters Theorie der innovativen Zyklen. Aber wie dem auch sei, wir haben es nicht nötig, schon hier die Erklärung des konjunkturellen Absturzes zu positionieren. Etwa so weit waren schon die Nachfragetheoretiker am Anfang des 19. Jahrhunderts. Wir entwickeln dieses Argument analytisch weiter. Wenn wir nämlich in der kreislauftheoretischen Analyse auch noch die Preisänderung berücksichtigen, werden wir feststellen, dass das gerade festgestellte Zerwürfnis zwischen der markteigenen und psychologischen Sparquote sich noch viel drastischer entwickelt. Daraus wird es auch leichter zu erklären sein, warum viele Hochkonjunkturen schon lange vor dem Erreichen der Vollbeschäftigung (Full-Employment-Ceiling) zusammenbrechen, also an einem Punkt, an dem alle Ressourcen, die Arbeitskraft eingeschlossen, noch im Überfluss vorhanden sind

... und wenn auch noch die Preise zu fallen beginnen (Fall 2)

In der neoliberalen Theorie gibt es bekanntlich kein Geld. Deshalb gibt es dort nur die theoretischen oder relativen (numéraire) Preise, aber nicht die „üblichen“ oder absoluten (monnai) Preise. Hat man die letzteren nicht, kann es folglich auch kein Preisniveau geben. Der Begriff Preisniveau lässt sich im Modell von Walras nicht denken: Er ist logisch nicht existent. Schließlich gibt es auch Deflation und Inflation nicht. Wenn man also mit diesem Modell die Funktionsweise der Wirtschaft erklären will, wird in dieser Erklärung die Preisänderung bedeutungslos.

Im Kreislaufmodell dagegen ist das Preisniveau, neben den Innovationen und Wachstum, die dritte Größe, welche die Sparquote bestimmt. Um die Wirkung des Preisniveaus im Laufe des ökonomischen Zyklus zu berücksichtigen, nehmen wir jetzt an, dass sich in unserem Beispiel die Preise ändern. In der Reproduktionsperioden  t+5  bis  t+8,  also während der Hochkonjunktur, sollen sie um 3% steigen (Inflation) und danach, also beginnend mit der Reproduktionsperiode  t+9  fortlaufend um 3% fallen (Deflation). Den neuen Verlauf lassen wir uns natürlich vom Simulationstool durchrechnen.

 
0
 
77
 
186
 
192
 
378
 
666
334
 
995
384
 
1354
430
 
1574
281
 
1792
63
 
1956
 
1822
 
1670
 
1516
 
 
 
-30
 
-60
 
 
 
 
 
 
 
 
-141
 
-181
 
-198
 
-209
 
  t+1     t+2     t+3     t+4     t+5     t+6     t+7     t+8     t+9     t+10     t+11     t+12     t+13     t+14    
  I1' -0   77   79   81   122   143   168   184   97   -34   -67   -75   -85   -86  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I2' 15   15   15   15   29   45   53   61   17   -17   -27   -39   -41   -45  
      +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +       +
  I3' -15   -15   92   95   118   146   164   184   167   114   -47   -67   -72   -78  
  YK'  -0   77   186   192   268   334   384   430   281   63   -141   -181   -198   -209  
  S'%  -0   1.9   4.5   4.4   5.8   6.7   7.1   7.4   4.8   1.1   -2.4   -3.2   -3.6   -3.9  
  L% 0   0.4   1.6   5.5   9.5   13.6   17.9   22.4   26.9   31.1   34.4   34.4   34.4   34.4  
  Cc 4000  3970  3940  4123  4313  4510  4713  4923  5140  5396  5661  5661  5661  5661 

Real hat sich jetzt gar nichts geändert, alle Produktionsmethoden und alle produzierten Mengen sind die gleichen geblieben. Auch die Konsumgüterproduktion - hellgrüne Balken - ist nur preislich gemessen kleiner, aber mengenmäßig ist alles gleich geblieben. Die Zahlenreihe  CC  zegt die Konsumgüterproduktion, wenn die Preise unverändert blieben. Die Preisänderungen haben auch die (markteigene) Sparquote sehr stark beeinflusst. Sie ist - die dunkelgrünen Balken - während der Hochkonjunktur (wegen der Inflation) deutlich schneller gestiegen und nach dem Wachstum (wegen der Deflation) stürzte sie deutlich schneller und viel tiefer ab. Um die temporäre Entwicklung der Sparquote (YK ) bei unterschiedlichen Annahmen und Ausgangswerten besser zu vergleichen, stellen wir sie als Kurvendiagramme dar.

  sparDE          
  US personal saving rate   ... >        
  markteigene Sparquote ( YK )         psychologische Sparquote ( I′ x S′ )      

Als Referenzbezug für unsere bisherigen zwei Fälle kann uns die gestrichelte  YK - Kurve (1)  dienen. Sie stellt die markteigene Sparquote (YK) für den Fall dar, wenn unsere dreisektorale Wirtschaft durch Investitionen (3%) und Innovation (2%) immer weiter wachsen würde. Die Kurve (2) schildert den Fall, wenn dieses Wachstum nur insgesamt 8 Reproduktionsperioden dauert - er entspricht unserem ersten Bild mit Balkendiagrammen. Die dritte Kurve (3) setzt den gleichen realen Zustand voraus wie die vorige, nur bei geänderten (absoluten) Preisen: zu Ende der Hochkonjunktur steigen diese um 3% und danach fallen sie um 3%. Diese Kurve haben wir natürlich dem letzten Balkendiagramm entnommen. Sie schildert einen Fall, der typische Merkmale des realen Verlaufs eines ökonomischen Zyklus aufweist.

Es kann nicht überraschen, dass die Preise während der Hochkonjunktur steigen. Emil Lederer (1882-1939), ein bekannter Ökonom und Soziologe der Weimarer Zeit, hat die Hochkonjunktur, als einen „Wettlauf um die Produktionsmittel“ bezeichnet. Wann sonst, wenn nicht dann sollten die Preise steigen? - würde man mit Recht sagen. Diese steigenden Preise treiben die gleichgewichtige Sparquote (YK) nach oben. Auf der rechten Hälfte des vorigen Bildes haben wir die psychologische Sparquote dargestellt, die den empirischen Daten der US-amerikanischen Wirtschaft entspricht. Wir haben damit das (bekannte) neoliberale  I′ x S′ - Kreuz ersetzt, das wir früher an dieser Stelle hatten.dorthin Mit einem solchen Kreuz lässt sich einiges einfacher erklären, wie der Zins den psychologischen Hang zum Investieren mit dem Hang zum Sparen ins Gleichgewicht bringen würde, weil aber der Zins allein dafür nicht wirklich sorgen kann, ist es besser, der markteigenen Sparquote die empirischen Daten gegenüberzustellen.

Wenn die Preise steigen, und dadurch auch die markteigene Sparquote (YK), lässt sich davon ausgehen, dass diese Sparquote manchmal über der psychologischen liegen könnte. Dies würde natürlich zum Ungleichgewicht führen. Es lässt sich leicht herausfinden, was dann passieren könnte. Wir erörtern jetzt kurz nur zwei Möglichkeiten. Nehmen wir zuerst an, die Unternehmer wären außerordentlich optimistisch. Dann würden sie bereit sein, auch höhere Zinsen zu zahlen, um mehr Ersparnisse von den Einkommensbesitzern herauszuquetschen. Im Endergebnis könnte dann die psychologische Sparquote (S′) so stark steigen, dass sie sich der markteigenen Sparsumme „von unten“ anpassen würde. Findet die Wirtschaft den Weg zum Gleichgewicht nicht auf diese Weise, weil die Investoren doch nicht dermaßen optimistisch sind, gibt es für das Gleichgewicht auch noch eine weitere sehr reale Chance. Bei zögernden Unternehmern würden nämlich die Faktoren der gleichgewichtigen Sparquote so wirken, dass sie kleiner wird. Voraussichtlich wird der Faktor Preisniveau am schnellsten seine Wirkung entfalten: Die Preise werden zu sinken beginnen, so dass die Sparquote (YK) durch ihr Absinken von oben her auf dem Schnittpunkt  I′ x S′  „landen“ würde.

Dies ist in Kürze die kreislauftheoretische Erklärung, wie die Marktwirtschaft von alleine zum Gleichgewicht zurückkehren kann. Die freie Marktwirtschaft schafft es also auch aus eigenen Kräften, Ordnung (Gleichgewicht) zu schaffen, sogar eine mit Wachstum. Aber das gelingt ihr nicht unter allen Umständen, sondern nur dann und solange die markteigene Sparquote (YK) über der psychologischen liegt. Gefährlich wird es dann, wenn die markteigene Sparquote die psychologische von oben nach unten durchbricht und zu sinken beginnt. Dann wirken die Kräfte des Marktes - also die Preissenkung, die ausbleibenden Innovationen und der Wachstumsrückgang - destruktiv. Wie bereits festgestellt, ist die psychologische Sparquote sehr träge, und schon gar nicht will sie ins Minus übergehen, um der markteigenen Sparquote dorthin zu folgen. Ob dann die Wirtschaft zusammenbricht, hängt dann nur von der Politik ab, ob diese das Richtige tut. Nach der sogenannten Finanzkrise im Herbst 2008 war dies der Fall. Die Regierungen haben manches richtig und schnell getan, damit die Nachfrage nicht zusammenbricht und die Wirtschaft nicht in Deflation versinkt. Sie haben die Nachfrage mit verschiedenen Subventionen angekurbelt, wie es Keynes raten würde, und sie haben die Wirtschaft mit Geld überflutet, wie es Friedman verlangt hatte. Während der Großen Depression im 20. Jahrhundert haben die Regierungen, der neoliberalen Theorie folgend, ziemlich alles falsch gemacht. Sie ist deshalb ein typisches Beispiel dafür, was in einer Laissez-faire Wirtschaft nach der Hochkonjunktur zwangsläufig passieren muss, wenn die Regierungen nichts oder das Falsche tun. 

Dauern die Absatzprobleme an, beginnen die Unternehmen ihre Preise zu senken. Was bleibt ihnen anderes übrig. In den nächsten zwei Diagrammen ist die Preisentwicklung in den wichtigsten europäischen Ländern (und Japan) dargestellt, in den Jahren vor und nach dem Börsenkrach am 25. Oktober 1929. Man bezeichnet seitdem diesen Tag als „Schwarzer Donnerstag“ - auf Grund der Zeitverschiebung zwischen Europa und der USA auch als „Schwarzer Freitag“. Die Deflation begann in allen diesen Ländern (die oberste Linie links, Russland, ausgenommen, das keine Marktwirtschaft war) bereits vor dem Schwarzen Freitag, aber danach hatten die Preise begonnen ins Bodenlose zu fallen.

     
jahre   jahre
    Großhandelsindexziffern in verschiedenen Ländern auf Goldbasis (1913 = 100) ... >    

Müssten sie aber so dramatisch fallen? Es macht natürlich einen Unterschied, ob die Regierungen etwas falsch machen, oder ob sie gar nichts machen. Da würde man sich fragen, ob es einen solchen Preisverfall auch dann gegeben hätte, wenn man die Marktwirtschaft sich selbst überlassen hätte. Exakt beweisen lässt sich das nicht, es wäre aber schwer vorstellbar, dass die kontraproduktiven Maßnahmen der damaligen Wirtschaftspolitik nur wenig dazu beigetragen haben. Zu diesen gehörten vor allem die wildwütigen Kürzungen in allen Sozialbereichen, die Rückkehr zum Goldstandard und - wie Friedman es nachzuweisen meinte - die Geldverknappung durch Notenbanken. Die Stumpfsinnigkeit, welche damals die deutschen Regierungen konsequent ans Tageslicht legten, wurde aber von niemandem übertroffen:

„Das wirtschaftspolitische Programm setzte Brüning mit Hilfe des Artikels 48 der Weimarer Verfassung auf dem Verordnungsweg in Kraft. Seine wichtigsten Elemente waren die Kürzung der Staatsausgaben und eine konsequente Politik der Deflation.“ ... >

„Das deutsche Preis-. und Lohnniveau sollte um 20 Prozent sinken ... Die dritte Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 6. Oktober und die vierte vom 8. Dezember 1931 dienten diesem Ziel. Löhne und Gehälter wurden per Dekret abgesetzt.
Die staatlichen Investitionen, Subventionen an die private Wirtschaft und die Sozialausgaben wurden weiter stark gekürzt. Im Jahr 1932 brachte Brüning den Reichshaushalt dadurch annähernd zum Ausgleich, aber die Investitionstätigkeit wurde so stark gedämpft, daß die Nettoinvestitionen in Deutschland negative Werte erreichten. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenzahl 1932 auf über sechs Millionen Personen.“ ... >

Man will es einfach nicht glauben. An der Weimarer Verfassung vorbeigemogelt, also mit Notverordnungen durchgepeitscht, sollte das Preisniveau, sage und schreibe, um 20% sinken. Man hat damit eine ökonomische Katastrophe heraufbeschworen und dem Faschismus Tür und Tor geöffnet. Das einzige, was man den Weimarer Politikern zugute halten kann, wäre, dass sie nur Handlanger der „Wirtschaftskapitäne“ und der damaligen „Wirtschaftsexperten“ waren. Nebenbei bemerkt, die wirtschafspolitischen Maßnahmen waren damals aus der gleichen „Wirtschaftswissenschaft“ abgeleitet und gerechtfertigt, welche auch den „modernen Reformen“ in den letzten Jahrzehnten zugrunde liegt. Der Absturz der deutschen Wirtschaft in die Große Depression mit sechs Millionen Arbeitslosen wurde also nicht nur mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit ausgeführt, er war zugleich das Werk der damaligen renommierten deutschen Wirtschaftswissenschaftler. Diejenigen, die sich ihrer Verantwortung dafür später bewusst geworden sind, wurden zu den sogenannten deutschen Ordoliberalen, also zu Liberalen, die dem Staat weitreichende Zugeständnisse machten. Der bekannteste von ihnen, Eucken, stellte damals ernüchtert fest:

„Eine Wendung von der Ideologie zur Erfahrung ist nötig. Denn das Problem der menschenwürdigen und wirtschaftlich zureichenden Ordnung der industrialisierten Wirtschaft ist noch nicht gelöst.“ ... >

Was hat die Regierenden während der Weimarer Zeit veranlasst, dermaßen dumme und fatale Entscheidungen zu treffen? Genau wird sich das nicht herausfinden lassen, wir können aber davon ausgehen, dass die folgenden zwei Gründe mit Sicherheit ausschlaggebend waren. Wie bereits gesagt, in der neoliberalen Theorie gibt es keine (absoluten) Preise, so dass damals von der Preissenkung niemand irgendwelche realen Auswirkungen erwartete. Deshalb konnte Brüning sogar auf 20% gehen. Und der zweite Grund? Dieser lässt sich schnell erraten, wenn man nicht außer Acht lässt, dass jetzt von Deutschland die Rede ist.

„Dennoch schaffte es die deutsche Wirtschaft in den Jahren von 1930 bis 1933 Exportüberschüsse zu erwirtschaften.“ ... >

Jawohl, dass ist der Grund. Durch drastische Preissenkungen bzw. Lohndumping sollte auf dem Weltmark die Konkurrenz niedergewalzt werden. Dass sich mit Lohndumping  immer noch beachtliche Erfolge erzielen lassen - beggar my neighbour -, bestätigt auch das Emporsteigen der heutigen deutschen Wirtschaft zum Exportweltmeister. Und wie heute, hat man auch damals damit der Finanzwirtschaft märchenhafte Gewinne ermöglicht.

„Der Index der Aktienkurse, der im August 1932 bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 1924 bis 1926 bei 52,2 lag, stieg bis zum Dezember auf 61,8.“ ... >

Der einzige Verlierer war damals - wie heute - das deutsche Volk, zuerst nur die Unterschichten und dann die Mittelschichten. Dass die ökonomische Krise damals nicht aus objektiven Gründen und irgendwelchen Knappheiten entstanden ist, bezeugen die Erfolge danach, als Hitler die Macht übernommen hat. Diese Erfolge waren so überwältigend, dass Joan Robinson, eine bekannte Keynesianerin, feststellte: „Hitler hatte ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden, bevor Keynes seine Erklärung zu Ende geführt hatte, warum es überhaupt Arbeitslose gab“.... >  An sich, war das zweifellos ein Wirtschaftswunder, das zweite, nach dem der Bismarckzeit. Das deutsche Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg war also erst das dritte der Reihe nach. Dieses verdankt sich auch den Umständen, dass die ökonomischen Experten, Wirtschaftswissenschaftler und andere Versager zunächst in der deutschen und überhaupt westlichen Politik nichts mehr zu sagen hatten, mehr noch, dass sich die Politiker über die „Wirtschaftsexperten“ lustig gemacht haben:

„'Herr Bundeskanzler' sagte Galbraith zu Bruno Kreisky, als dieser österreichischer Kanzler war 'wie erklären Sie sich Österreichs hervorragende wirtschaftliche Lage in der Nachkriegszeit: niedrige Inflation, Vollbeschäftigung, stetig wachsende Produktivität, ein dichtes und umfassendes System sozialer Sicherung und öffentlicher Investitionen?' Worauf Kreisky erwiderte: 'Ich erkläre mir das damit, dass wir dem Export viel Beachtung schenkten. Wir haben alle unsere Wirtschaftswissenschaftler exportiert'.“ ... >

Dem Leser steht - wie üblich - ein Simulationstool zur Verfügung, mit dem er selber das Verhalten unserer kleinen dreisektoralen Wirtschaft bei verschiedenen Anfangsbedingungen verfolgen und testen kann.
 

  <  <  <  <  <  <  <     d o   i t   y o u r s e l f    >  >  >  >  >  >  > 

    Simulationstool           
       
 
  Gesamtzahl der Reproduktionsperioden    [2-20]   eingeben    
  Reale Investitionsquote in dem Sektor 2 soll   %  [ 0-5]   betragen    
  Letzte Reproduktionsperiode in der Sektor 2 noch investiert    [2-20]   eingeben    
  Kostenersparnisse ( Q ) bei dem Sektor 2 prozentual   %  [ 0-10]   eingeben    
  Letzte Reproduktionsperiode in der Sektor 2 noch innoviert    [2-20]   eingeben    
  In der Reproduktionsperiode    bis    sollen alle Preise um    [0-10] %  steigen      
  Mit der Reproduktionsperiode    [0-20]  beginnend, sollen Preise um    [ 0-10] %  fallen    
  Konsumgüterproduktion in konstanten Preisen anzeigen ( Cc )  
  Alle Daten über die Produktion aller Sektoren anzeigen   
  Gleiche Daten jedoch in konstanten Preisen anzeigen   
 
    Eingaben absenden      
       
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YK :     Wert der insgesamt hergestellten Produktionsgüter ( Sektor 1 +  2 )  
YK' :     Zuwachs von YK  in Bezug auf die vorige Reproduktionsperiode  
I1', I2', I3' :    Neue nominale Investitionen der Sektoren 1,  2  und  3
S'%  :     Summe aller Ersparnisse in Bezug auf Summe der Nettoeinkünfte aller Sektoren in Prozentpunkten    
L%  :     Beschäftigungszuwachs der Wirtschaft (alle Sektoren) in Prozentpunkten    
Cc  :    Wert der insgesamt hergestellten Konsumgüter ( Sektor 3 )  in konstanten Preisen  
 
 
   
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