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Was kann man nun konkret tun?
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE REGELUNG DER ARBEITSZEIT
 
Zu Beginn des 18-ten Jahrhunderts das Arbeitsjahr in den österreichischen Alpengebieten aus 161 Tagen bestand, die übrigen 204 Tage waren Feiertage.
Europäische Wirtschaftsgeschichte, Herausgeber Carlo Cipolla und Knut Borchardt  
In Irland sind aufgrund der Größe und Fruchtbarkeit des Bodens und der geringen Bevölkerung alle Lebensnotwendigkeiten so billig, daß ein arbeitsamer Mann mit zwei Tagwerken genug verdienen kann, um sich für den Rest der Woche ernähren zu können.
David Hume, Politische und ökonomische Essays (1741)  

Die nicht-kapitalistischen Gesellschaften hatten nie Probleme damit, für jedes ihrer arbeitsfähigen Mitglieder eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. Die Arbeitslosigkeit als  Massenphänomen gibt es nur im Kapitalismus. Sie tritt in zwei Formen auf: Eine dauerhafte (Sockel-)Arbeitslosigkeit, die auch in stabilen Zeiten nach Kriegen oder Revolutionen kaum zurückgeht oder sogar tendenziell ansteigt, und eine zusätzliche, konjunkturbedingte Arbeitslosigkeit, die während der periodischen Krisen nach oben schießt und danach langsam wieder verschwindet. Es gibt zwei Gründe, warum in der völlig freien (laissez-faire) Marktwirtschaft Arbeitslosigkeit entsteht. Der eine Grund ist eigentlich ein guter: Der Kapitalismus erhöht ständig die Produktivität, also spart Arbeit, wodurch er sich von allen anderen ökonomischen Ordnungen positiv abhebt. Durch das Einsparen von Arbeit fallen  Arbeitsplätze weg. Diese werden an anderer Stelle zwar ersetzt, aber zum einen sind die Menschen nicht unbegrenzt flexibel, zum anderen braucht es Zeit, eine neue Qualifikation zu erwerben, während der eine volle Berufstätigkeit nicht ausgeübt werden kann. Der andere Grund für Arbeitslosigkeit ist das Marktversagen. Wie es die kreislauftheoretische Analyse zeigt, hat die völlig freie (laissez-faire) Marktordnung einen verhängnisvollen Konstruktionsfehler. Sich selbst überlassen kann sie aus eigener Kraft eine Zeit lang problemlos immer weiter wachsen, wenn aber aber das Wachstum aufhört, bricht sie in sich zusammen. Man kann die völlig freie Marktwirtschaft mit einem Fahrrad vergleichen: Beim Fahren lässt sich das Gleichgewicht problemlos halten, doch tritt man nicht mehr genug in die Pedale, fällt man um.

Die keislauftheoretische Analyse lässt uns auch wissen, woran das liegt. Wenn die Marktwirtschaft nicht mehr wächst, aus welchen Gründen auch immer, beginnt ein kumulatives Schrumpfen der Nachfrage, woraufhin die Unternehmen ihre Waren nicht mehr absetzen können, eine Produktionslinie nach der anderen stillgelegt wird und die Arbeiter auf der Straße landen. Nachdem wir dem Geheimnis des Nachfragemangels auf die Spur gekommen sind, wird uns bestimmt auch einiges einfallen, wie sich der Nachfragemangel verhindern und beheben lässt. Eine dieser Maßnahmen ist die demokratische Geldschöpfung und Geldmengenregelung, die wir später erörtern werden.

Bedenkt man jedoch, wie komplex eine Wirtschaft ist, wäre es zu optimistisch davon auszugehen, dass es uns je gelingen wird, das Schrumpfen der Nachfrage vollständig zu verhindern. Wir werden höchstwahrscheinlich noch eine lange Zeit weiterhin mit allen unangenehmen und schmerzlichen Folgen der schlechten Funktion der Marktwirtschaft leben müssen. Deshalb wird es bestimmt nicht ausreichen, nur die Ursachen des Marktversagens zu bekämpfen. Auch mit den Folgen wird man zurechtkommen müssen. Zu diesen Folgen wird auch weiterhin der Rückgang des Bedarfs nach Erwerbsarbeit bei schwacher Konjunktur zählen. Die volkswirtschaftliche Regelung der Arbeitszeit ist eine Möglichkeit, damit besser als bisher umzugehen.

 
   
    Grundidee und Zweck der volkswirtschaftlichen Regelung der Arbeitszeit
  S u m m a r y :

Wenn die Nachfrage schrumpft, ist das ein makroökonomisches Problem, das nicht durch mikroökonomisch falsche Entscheidungen der Marktakteure verursacht wird. Es handelt sich um ein Marktversagen im vollen Sinne des Wortes. Die Unternehmen, welche ohne eigenes Verschulden Absatzprobleme haben, stehen dann vor großen Problemen. Auf einmal stellen sie fest, dass sie für ihre Maschinen und Beschäftigten nicht mehr genug Arbeit haben. An den Maschinen lässt sich kaum etwas einsparen, an den Beschäftigten aber um so besser. Heute bleibt den Arbeitgebern in einer solchen Situation nichts anderes übrig, als Vollzeitbeschäftigte zu entlassen. Warum könnte man aber nicht statt einzelne Beschäftige zu entlassen bei allen die Arbeitszeit kürzen - ohne Lohnausgleich, aber auch ohne Subventionen (wie das berühmte Kurzarbeitergeld) für die Unternehmen? Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Beschäftigtem sollte also nicht eine feste Größe - wie bisher - sein, sondern dynamisch bestimmt werden. Steigt die Arbeitslosigkeit, wird die durchschnittliche Arbeitszeit pro Beschäftigtem in der Volkswirtschaft verkürzt und umgekehrt. Welche Vorteile hätte das?

Die kürzeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich würden zwar das Einkommen der Arbeitnehmer verringern, aber dafür würden ihre Arbeitsplätze sicherer werden, was man nicht hoch genug schätzen kann. Außerdem, werden die kurzfristigen Lohneinbußen schon durch mehr Freizeit teilweise entschädigt werden. Langfristig betrachtet wird man den kurzfristigen Einkommensrückgang sogar ausgleichen können, denn die Tendenz der sinkenden Lohnquote - die Umverteilung von Löhnen zu Profiten -, die bei anhaltender Arbeitslosigkeit zwangsläufig einsetzt, wird nämlich ausbleiben.

Für die Arbeitgeber werden die schwankenden Arbeitszeiten - ohne Lohnausgleich - keine zusätzlichen Kosten verursachen. Sie werden sich der bisherigen Praxis der brutalstmöglichen Kostenentlastungen weitgehend entledigen, die ihnen so manche moralischen und juristischen Unannehmlichkeiten einbringt. Auch aus makroökonomischer Hinsicht werden die Arbeitgeber nur gewinnen. Da sich die Zahl der Arbeitslosen nicht erhöhen wird, wird die Zahl derjenigen, die sich aus der Verzweiflung heraus gezwungen sehen drastisch zu sparen, nicht steigen. Auch die Beschäftigten selbst würden ihre Ausgaben nicht sehr stark kürzen müssen, weil man ihnen die Angst vor der Arbeitslosigkeit genommen hätte. Damit wäre ein Teil der Ursachen für die Entstehung des monetären Nachfragemangels beseitigt. Wenn die Nachfrage bzw. der Absatz nicht zurückgeht, werden die Unternehmer ihre Warenpreise nicht senken müssen, so dass auch ihre Gewinne nicht fallen würden. Durch die Rettung der Preise wäre eine der wichtigsten Ursachen für die Entstehung des realen Nachfragemangels beseitigt.

Die flexiblen Arbeitszeiten können als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit aber nur dann wirken, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit für die ganze Wirtschaft gilt. Das kann nur der Staat bzw. die Regierung durchsetzen. Die „normale“ durchschnittliche Arbeitszeit darf aber nicht das persönliche Ermessen irgendwelcher Politiker, Staatsbeamter oder Expertenteams bestimmen. Sie muss nach einer genau definierten Regelung ermittelt werden. Diese Regelung soll langfristig gelten und für alle verständlich sein, so dass sich die Unternehmer und Beschäftigten praktisch nur durch Kenntnis bestimmter makroökonomischer Daten die Arbeitszeit „ausrechnen“ könnten.

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        Warum die herkömmlichen Maßnahmen für mehr Beschäftigung versagen mussten?

Ein Nichtfachmann wird kaum glauben können, dass die Wirtschaftskrisen in der heute herrschenden neoliberalen Theorie nicht nur nicht erklärt werden, sondern der Theorie nach eigentlich unmöglich sein sollen. Und was es nicht gibt, lässt sich auch nicht vorhersagen. An allem, was in der Marktwirtschaft nicht gut läuft, sind dieser Theorie zufolge angeblich zu hohe Löhne, also die Arbeiter schuld. Es ist sehr auffällig, wie erstaunlich gut diese „Theorie“ zu den Wünschen, Vorstellungen und Forderungen der Unternehmer, Banken und Börsen passt. Das kann kein Zufall sein. Die neoliberale Theorie ist nur eine reine Ideologie der Reichen, die sie zur Wissenschaft erklären, um ihre Herrschaft zu legitimieren. Ob bewusst oder unbewusst sind die Vertreter der neoliberalen „Wissenschaft“ nur die geistigen Häscher der Reichen. Deshalb ist es nicht ganz richtig von Irrtümern dieser Theorie zu sprechen, sondern man sollte lieber von Täuschungen, Maschen und Lügen reden. Belassen wir es aber doch bei Irrtümern, weil diese Theorie heute allgemein anerkannt ist und in der Ausbildung Schülern und Studenten als seriöse Wissenschaft vermittelt wird. Im Folgenden geht es uns um ihre Irrtümer über die Rolle der Löhne in einer Volkswirtschaft.

   
    Der Lohnirrtum 1: Hohe Beschäftigung entspricht niedrigen Löhnen und umgekehrt
  S u m m a r y :

In der neoliberalen Theorie gilt es als streng nachgewiesen, als der Weisheit letzter Schluss, dass die Senkung der Betriebskosten, vor allem der Zinsen und Löhne, die Aktivität der ganzen Wirtschaft steigert und umgekehrt. Die tatsächliche Existenz dieses Zusammenhangs wurde jedoch nie nachgewiesen. Schon die alten Ökonomen, darunter auch Adam Smith, haben bemerkt, dass in Amerika, als es noch britische Kolonie war, die Löhne höher als in England waren. Die ökonomische Leistung pro Arbeiter hat aber trotzdem die des englischen Kollegen bald erreicht und dann auch überstiegen. In den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Löhne (Lohnquote) so hoch nie in der Geschichte und die Arbeitslosigkeit so niedrig wie nie. Der angebliche gegenläufige Zusammenhang zwischen den Löhnen und der Beschäftigung ist nichts weiter als eine reine Erfindung der realitätsfremden neoliberalen Theorie. Auch hier, wie überall sonst, ist diese Theorie keine Wissenschaft, sondern nur eine Ideologie der Reichen und Mächtigen zum Zweck der Lohnsenkung.

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    Der Lohnirrtum 2: Bei niedrigen Löhnen können die Reichen mehr investieren
  S u m m a r y :

Sind Investitionen etwas Gutes? Ja, meinten schon die Ökonomen des 18. Jahrhunderta (Anne R. J. Turgot, Adam Smith, …), und bald wurde das zu einem Dogma, das sich bis heute hartnäckig hält. Damit hat sich wieder einmal bestätigt, was man schon seit langer Zeit immer wieder feststellen musste: Die größten und gefährlichsten Lügen entstehen aus Halbwahrheiten. Investitionen sind in der Tat unter bestimmten Umständen und in bestimmtem Umfang nützlich, jedoch nicht immer. Sie setzen das Sparen voraus, deshalb gilt auch für das Sparen, dass es nur unter bestimmten Umständen und nur in bestimmtem Umfang nützlich ist. Warum haben die alten Ökonomen das übersehen?

In der Zeit, als diese Ökonomen gelebt haben, wuchs die Bevölkerung stark an. Es war also einleuchtend, dass man mehr investieren bzw. sparen muss, um alle arbeitsfähigen Armen zu beschäftigen. Falsch war es allerdings, die Annahme der ständig wachsenden Bevölkerung zu verallgemeinern. Wenn es einer Wirtschaft nämlich einmal gelungen ist, so viel Kapital einzusparen und zu investieren, dass alle Arbeitssuchenden eingestellt worden sind, wozu sollte man dann noch weiter sparen? Vielleicht haben sich die älteren Ökonomen diese Frage deshalb nicht gestellt, weil ihnen noch ein anderer Grund für das Investieren und Sparen eingefallen ist: Investitionen zur Steigerung der Produktivität. Die Auffassung, die Steigerung der Leistung pro Beschäftigem würde immer auch mehr Investitionen (Kapital) pro Beschäftigtem benötigen, ist jedoch falsch. Zwischen der Kapitalmenge pro Beschäftigtem und der Produktivität gibt es keinen festen Zusammenhang. Es lässt sich kreislauftheoretisch zeigen, dass dem nicht so ist, und schließlich haben auch die empirischen Forschungen ergeben, dass seit der Großen Depression das Produktivitätswachstum kein zusätzliches Kapital mehr benötigt.

Der wichtigste Grund, warum die kapitalistische Wirtschaft historisch betrachtet stets nach Kapital dürstet, liegt in ihren periodischen Krisen. Eine Wirtschaftskrise vernichtet das bereits geschaffene Kapital, sie zerstört Anlagen und Maschinen, die man nach der Krise wieder herstellen muss - nicht selten hilft bei der Zerstörung des vorhandenen Kapitals auch Krieg mit. Damit wird man sich erst richtig bewusst, was für eine schizophrene Ordnung die freie Marktwirtschaft tatsächlich ist.

Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte spricht ebenfalls eine klare Sprache. Durch die „Reformen“, wie Lohnzurückhaltung, Sozialkürzungen und Steuersenkungen sollten die Reichen mehr verdienen, damit sie mehr sparen, investieren und neue Arbeitsplätze schaffen können. Wenn man bedenkt, was man ihnen schenkte, hätte man sich eigentlich vor lauter  Arbeitsplätzen nicht retten können sollen, doch was tatsächlich erreicht wurde, ist allgemein bekannt: Neue Arbeitsplätze sind nicht entstanden, sogar die bestehenden wurden immer weiter vernichtet. Das einzige Ergebnis ist eine Umverteilung des Reichtums von unten nach oben, und zwar in einem Umfang, der vielleicht einmalig in der ganzen Geschichte ist. Dass die Nutznießer dieser „Reformen“ dieses Ergebnis nicht wenigstens vermutet, wenn nicht sogar mit Zuversicht erwartet haben sollen, ist schwer vorstellbar.

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    Der Lohnirrtum 3: Wegen der globalen Konkurrenz können die Löhne nicht steigen
  S u m m a r y :

Was hat man uns alles in den letzten drei Jahrzehnten hoch und heilig versprochen! Darunter war auch folgende Versprechung: Wenn wir uns von der Nationalwirtschaft verabschieden und alle nationalen Schranken gegen die freie Bewegung des Kapitals, des Geldes und der Waren beseitigen, dann würde es uns allen viel besser gehen. Diese Auffassung ist keinesfalls neu. David Ricardo, einer der wichtigsten Ökonomen der ersten Generation nach Adam Smith, gilt als der erste, der den Nutzen des völlig freien internationalen Handelns angeblich mathematisch streng nachgewiesen hat. Man spricht seitdem vom „Gesetz der komparativen Kostenvorteile“. Erwähnen wir dazu, dass der erste große praktische Triumph dieses Gesetzes die Abschaffung der Korngesetze in England war. Auf dem Kongress der Ökonomen hat damals ein gewisser Dr. Bowring dem „Gesetz“ religiöse Weihen verliehen, als er ausrief: „Jesus Christus ist der Freihandel - der Freihandel ist Jesus Christus!“

Heute spricht man von der Globalisierung, die angeblich alternativlos ist. Durch vorbildliche Zusammenarbeit der Lobbyisten aus der Wirtschaft und den korrupten „Volksvertretern“ wurden in den letzten Jahrzehnten nationale Schranken systematisch abgebaut. Das Ergebnis ist bekannt. Seitdem heißt es: Den Lohnabhängigen muss es immer schlechter gehen, weil in einer globalen Wirtschaft das Kapital abwandert und man dann nicht einmal schlecht bezahlte Arbeitsplätze im Lande wird halten können. War die Globalisierung etwa eine Verschwörung der raffgierigen, rücksichtslosen und räuberischen Reichen und Mächtigen gegen das Volk? Das als Verschwörung zu bezeichnen, wäre zu hoch gegriffen. Es war einmal mehr nur die altbekannte Praxis der Reichen und Mächtigen, sich immer etwas einfallen zu lassen, um das Volk auszuplündern und zu entrechten.

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    Der Lohnirrtum 4: Die steigenden Löhne verhindern die Leistungsgerechtigkeit
  S u m m a r y :

 

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