home inhalt suche    neueste Beiträge  
DEMOKRATISCHE GELDSCHÖPFUNG UND GELDMENGEREGELUNG
Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
 
Wenn ich mir ansehe, wie unsere Bundesregierung, die exklusiv die Befugnis hat, Geld zu schöpfen, dieses schöpft, um es dann auf den offenen Markt zu bringen, wo sie es sich ausleiht und für den Gebrauch ihres eigenen Geldes Zinsen zahlt, scheint es mir, dass das zu weit geht. Mir konnte noch niemand eine auf Logik und Vernunft basierende Rechtfertigung liefern, warum die Bundesregierung sich ihr eigenes Geld ausleihen soll.
Das ist nicht nur umständlich, es ist Verschwendung. Es ist absolut unnötig. Ich glaube, eines Tages wird das Volk verlangen, das zu ändern. Ich glaube, eines Tages wird man Ihnen und mir sowie jedem anderen, der mit diesem Kongress zu tun hat vorwerfen, durch untätiges Herumsitzen dafür gesorgt zu haben, dass so ein idiotisches System fortbestehen konnte. Ich treffe diese Aussage nach Jahren der Forschung.
Wright Patman, Demokratischer US-Kongressabgeordneter 1928-76,  
Vorsitzender des Komitees für Bankwesen und Währung 1963-1975
 
 
    Einleitung  anzeigen  
 
Wie es zum Nachfragemangel kommt und wie er mit Geld behoben werden kann  
 

Wenn in einer ökonomischen Theorie behauptet wird, dass das Geld die Funktionsweise der Wirtschaft nicht beeinflusse - also „neutral“ sei -, dann wird ganz bestimmt zugleich auch die Möglichkeit des Entstehens eines (allgemeinen) Nachfragemangels entschieden bestritten. Das war schon mit dem Sayschen Gesetz am Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall, dasselbe gilt für das Modell des allgemeinen Gleichgewichts der Dampflokingenieure Walras und Pareto, das sich ein Jahrhundert später durchsetzte und zur Grundlage („Referenzmodell“) der neoliberalen Theorie geworden ist. Diese beiden „Beweise“ für die Unmöglichkeit des Nachfragemangels wurden vorgebracht, ohne die Existenz von Geld anzunehmen. Das konnte natürlich nicht unbemerkt bleiben. Wenn man über das Geld nachdenkt, kommt man schnell auf den Gedanken, wie es Nachfragemangel verursachen kann: Hat nämlich jemand etwas verkauft und dafür Geld erhalten, dann aber dieses Geld nicht gleich zum Kauf von etwas Anderem verwendet, sondern es aufbewahrt, muss dadurch doch ein Nachfragemangel entstehen. Man bezeichnet solche Praxis als Hortung.

Eine prinzipielle Abhilfe gegen den Nachfragemangel, der aus Geldhortung entsteht, liegt sehr nah. Man bräuchte nur dieses festsitzende Geld mit anderem zu ersetzen. Aber woher kann dieses Geld kommen? Die demokratische Geldschöpfung und Geldmengenregelung ist eine mögliche Lösung.

Um diese Lösung so einfach wie möglich zu veranschaulichen, haben wir uns eine kleine Geschichte ausgedacht, die auch ein bisschen lustig und provokant ist: Die Sparer bzw. die Geldhorter in dieser Geschichte verderben sich zuerst gegenseitig das Geschäft, dann ersetzt ein Schurke die fehlende Nachfrage mit dem von ihm gefälschten Geld, und tut gerade durch diese eigentlich böse Tat für die Wirtschaft und die Gemeinschaft etwas Gutes.

 mehr 

Wir erinnern uns, wie vor langer Zeit Bernard Mandeville (1670 -1733) für Aufruhr unter allen Moralisten und Gutmenschen sorgte, indem er in seinem berühmt gewordenen Werk Die Bienenfabel oder Private Laster, öffentliche Vorteile auf eine provokante Weise zeigte, wie aus dem „Bösen“ das „Gute“ hervorgehen kann. So einfach wie er das dort darstellte ist es aber nicht. Seine richtigen Beobachtungen des ökonomischen Lebens bestätigen nicht die moralische Relativität von Gut und Böse, sondern sie bringen etwas Anderes zum Ausdruck. Die Volkswirtschaft funktioniert nicht als ein großer Betrieb und auch nicht als eine bloße Summe aller Betriebe. Der bedeutendste deutsche Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts, Friedrich List, hat darauf unermüdlich aufmerksam gemacht, man erinnert sich dabei an seinen bekannten Satz der besagt, dass „ein Schneider keine Nation und eine Nation kein Schneider ist“. Bei unserem lustigen Beispiel mit dem Geldfälscher haben wir anhand eines konkreten Falls veranschaulicht, dass das Ganze nicht nur etwas Anderes als ein Teil von ihm ist, sondern im Ganzen etwas richtig ist, was in einem Teil falsch wäre. Die falsche Denkweise, von den Teilen auf das Ganze zu schließen, haben wir als pars-pro-toto bezeichnet und an anderer Stelle näher erörter.

 mehr 

Unsere lustige und provokante Geschichte von dem Geldfälscher ist tatsächlich gar nicht so fern der Realität. Ist es nämlich nicht so, dass die Amerikaner, seit sie „das goldene Fenster“ geschlossen haben - nach der Aufhebung der Golddeckung des Dollars wider alle internationalen Verträge (1971) - im Grunde nichts Anderes machen? Sie sind sozusagen ein Geldfälscher für die ganze Welt, und was ihnen besonders nützt, hält den Kapitalismus auf dem ganzen Planeten am Laufen. Man könnte auch sagen, dass die Amerikaner mit ihrer Geldpolitik die „letzten Abnehmer“ (William Greider) für die westlichen kapitalistischen Wirtschaften waren, also sozusagen als lender of last resort die letzte Zuflucht für die Nachfrage boten. Danke, Amerika!

 mehr 

Wir bezeichnen den Nachfragemangel, der nur entstehen kann, weil es Geld gibt, als monetären Nachfragemangel. Die Kritiker des Sayschen Gesetzes, Sismondi und Malthus, sowie der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts, John M. Keynes, haben nur diesen Nachfragemangel gekannt.

  

Mit der kreislauftheoretischen Analyse der Funktionsweise der Marktwirtschaft lässt sich mathematisch genau erklären und nachweisen, dass nicht ausschließlich das Geld bzw. die Geldhortung die Ursache des Nachfragemangels ist. Auch die nicht ausreichenden Einkünfte können ihn verursachen. Diese zweite Form des Nachfragemangels nennen wir deshalb realer Nachfragemangel. Er ist in Wirklichkeit ungleich wichtiger und relevanter als der monetäre. Eigentlich ist er die erste und wichtigste Ursache der zyklischen Wirtschaftskrisen.

  

Mit dem monetären und realen Nachfragemangel beschäftigen wir uns in den obigen Beiträgen ausführlich. Jetzt ist für uns nur von Bedeutung, dass man die Ursachen des Nachragemangels nicht zu unterscheiden braucht, wenn man praktisch etwas gegen ihn unternehmen will. Schließlich lässt sich mit der Geldschöpfung jeglicher Nachfragemangel verhindern bzw. beheben, unabhängig davon, ob er durch Geldhortung oder fehlende Einkünfte entstanden ist.

Erst nach ihrer praktischen Anwendung wird man endgültig beurteilen können, was sich mit der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung erreichen lässt. Vorerst bleibt sie nur eine Theorie, aber wir haben schon jetzt die Möglichkeit, sie mit den Tatsachen in Verbindung zu bringen - also sie indirekt empirisch zu überprüfen. Ganz allgemein und prinzipiell gesprochen beruht die Idee dieser Geldschöpfung auf der Überlegung, dass mehr Geld mehr Wachstum und mehr Beschäftigung bringt. Es handelt sich um Größen, die schon seit langer Zeit statistisch erfasst werden, so dass wir schließlich überprüfen können, ob es eine Korrelation oder sogar kausale Zusammenhänge zwischen ihnen gibt. Tatsächlich gab es in der Geschichte sogar viele Versuche mit mehr Geld die Wirtschaft anzukurbeln - man spricht dann üblicherweise von deficit spending. Wir wissen auch, dass manche solcher Praktiken erfolgreich waren, ja man kennt sogar welche, die fast Wunder wirkten.

 mehr 

Allerdings waren all diese Erfolge immer ein Werk mutiger - weil mehr oder weniger in die Enge getriebener und deswegen verzweifelter - Pragmatiker. Erst auf der Grundlage des kreislauftheoretischen Models kann man endgültig erklären, warum sie sich einstellen konnten bzw. gar mussten.

 
    zugehörige Beiträge auflisten...  
 
Die Regelung als Verfahren zur Bestimmung der optimalen Geldmenge  
 
      Kurzfassung und Gliederung  des  Abschnitts  anzeigen  
 
    zugehörige Beiträge auflisten...