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DEMOKRATISCHE GELDSCHÖPFUNG UND GELDMENGEREGELUNG
Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
 
Wenn ich mir ansehe, wie unsere Bundesregierung, die exklusiv die Befugnis hat, Geld zu schöpfen, dieses schöpft, um es dann auf den offenen Markt zu bringen, wo sie es sich ausleiht und für den Gebrauch ihres eigenen Geldes Zinsen zahlt, scheint es mir, dass das zu weit geht. Mir konnte noch niemand eine auf Logik und Vernunft basierende Rechtfertigung liefern, warum die Bundesregierung sich ihr eigenes Geld ausleihen soll.
Das ist nicht nur umständlich, es ist Verschwendung. Es ist absolut unnötig. Ich glaube, eines Tages wird das Volk verlangen, das zu ändern. Ich glaube, eines Tages wird man Ihnen und mir sowie jedem anderen, der mit diesem Kongress zu tun hat vorwerfen, durch untätiges Herumsitzen dafür gesorgt zu haben, dass so ein idiotisches System fortbestehen konnte. Ich treffe diese Aussage nach Jahren der Forschung.
Wright Patman, Demokratischer US-Kongressabgeordneter 1928-76,  
Vorsitzender des Komitees für Bankwesen und Währung 1963-1975
 
 
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Wie es zum Nachfragemangel kommt und wie er mit Geld behoben werden kann  
 
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Die Regelung als Verfahren zur Bestimmung der optimalen Geldmenge  
 

Wenn man damit einverstanden ist, dass die Nachfrage fehlen kann, und dann auch damit, dass man sie mit zusätzlicher Geldschöpfung beheben kann, dann kommt einem sofort in den Sinn, zuerst einmal wissen zu müssen, wie viel Nachfrage fehlt. Sonst sollte man lieber Finger vom Geld lassen. So etwas würden uns die Gegner der Geldschöpfung sofort entgegnen und auf den ersten Blick scheint das einleuchtend zu sein. Der Schein trügt aber. Eigentlich ist diese Schlussfolgerung sogar völlig falsch. Wir behelfen uns mit einem Beispiel, um das kurz zu erklären.

Die Heizung in unserem Zimmer sorgt dafür, dass die Temperatur auf dem gleichen Niveau bleibt, auch wenn es draußen kälter ist. Das kann nur funktionieren, wenn die Heizung genau so viel Wärme ins Zimmer bringt, wie aus dem Zimmer durch Spalten, Wände, Dachboden, Fenster, Tür usw. entwichen ist. Das gelingt der Heizung offensichtlich sehr gut. Da scheint es durchaus folgerichtig zu sein anzunehmen, die Heizung „wisse“ ganz genau, wie viel Wärme in jedem Augenblick aus dem Zimmer entweicht. Jedoch hat niemand jemals gesehen oder davon gehört, dass eine funktionierende Heizung diesen Wärmeverlust messen würde. Das tut sie in der Tat nicht. Für ihr Verfahren, die Temperatur auf gleichem Niveau zu halten, braucht sie diese Größe gar nicht zu kennen. Ein solches Verfahren, mit dem sich auf einen Prozess zielgerichtet Einfluss nehmen (lenken) lässt, auch wenn nicht alle bestimmenden Größen (Variablen) bekannt sind, bezeichnet man als Regelung. Es gibt auch eine andere Lenkungsart, die Steuerung, bei der alle Größen bekannt sein müssen. Lenkung, Regelung und Steuerung sind fundamentale Begriffe der (relativ) neuen Wissenschaft Kybernetik, die ihren Ursprung in der Technik hat, aber schon längst eine Wissenschaft ist, die die Lenkung von Prozessen im Allgemeinen erforscht und erklärt.

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Die Geldmenge wollen wir also deshalb regeln, weil wir nicht alle relevanten Größen des ökonomischen Prozesses kennen. Die Idee, die Wirtschaft durch Regelung der Geldmenge zu lenken ist eigentlich gar nicht neu. Wir erwähnen hier den bekannten Vorschlag von Milton Friedman. Es war aber keine richtige Regelung, was sich Friedman ausgedacht hat, sondern eher eine Steuerung, weil vorausgesetzt wird, die Größe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei bekannt bzw. messbar. Das ist sie aber nicht, was schon ein ausreichender Grund dafür ist, warum sich Friedmans Geldmengenregelung bzw. Geldmengensteuerung als unbrauchbar erwiesen hat.

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Friedman hat bei seiner Geldmengensteuerung an eine kleine Inflation gedacht. Er wollte sie regeln bzw. steuern (inflation targeting). Es überrascht ein wenig, dass er langsam steigende Preise haben wollte, da er ein knallharter neoliberaler Angebotstheoretiker war, in der neoliberalen Theorie ist aber das Preisniveau keine relevante Größe. Und erst Recht wollte Friedman von einem Nachfragemangel nichts wissen. Deshalb kann er nur aus der praktischen Erfahrung heraus zu der Überzeugung gekommen sein, freien Wirtschaften würden bei einer niedrigen Inflation am besten funktionieren. Die kreislauftheoretische Analyse erklärt diese Tatsache. Sie zeigt, dass die Preissteigerung (Inflation) ein wichtiger Faktor der Nachfrage ist und sie deshalb eine relevante Größe der Geldmengenregelung sein muss. Darüber hinaus ergibt die kreislauftheoretische Analyse auch, dass nicht die allgemeine Preissteigerung die Nachfrage bestimmt, sondern nur die der Produktionsgüter. Hier unterscheidet sich die reale Nachfragetheorie nicht nur von der klassischen bzw. monetären Nachfragetheorie vom Anfang des 19. Jahrhunderts, sondern auch von der von Keynes.

  

Es würde also nicht reichen, nur Geld zu schöpfen, sondern es muss auch vom Staat bestimmt werden, wo es angewandt werden soll. Auch hier brauchen wir also den Staat bzw. seine Institutionen, damit die Wirtschaft bzw. das Finanzsystem optimal funktioniert. Es wird sich in der Praxis noch zeigen müssen, welche Aufgaben man ihnen anvertrauen soll und muss, und natürlich auch welche nicht. Bei der Suche nach der optimalen Geldmengenregelung wird man natürlich auch andere Aspekte der Wirtschaft, vor allem des Finanzsektors - der Banken und Börsen - berücksichtigen müssen. Das bleibt Gegenstand der weiteren Forschung.

Friedman war dafür, die Geldmenge zu regeln (steuern), weil er der Entstehung einer willkürlichen Geldschöpfung vorbeugen wollte. Ihm ging es um die Abwesenheit des Subjekts, dem er nicht traute (rules versus activism). Da kann man ihm nur zustimmen. Wir sollten keine Institution bemächtigen, Geld nach ihrem Ermessen zu schöpfen, unabhängig davon, mit welchen Experten sie aufwarten könnte oder wie sehr sie demokratisch legitimiert wäre. Jedwedes Vertrauen in Spezialisten und Experten ist eine organisierte Verantwortungslosigkeit, die Korruption, Lobbyismus und Karrierismus Tür und Tor öffnet. Das beste Beispiel dafür sind die „unabhängigen“ Notenbanken, die zum Schutz des privaten Geldmonopols ganze Wirtschaften und Gesellschaften ruinieren. Wie viel Geld geschöpft werden soll, muss durch eine demokratisch legitimierte Regelung bestimmt werden. Allein Regelungen machen die öffentliche bzw. demokratische Kontrolle möglich. Nur wenn es feste Regeln gibt, an die sich eine Institution bzw. ein Expertenteam halten muss, lässt sich nämlich nachträglich herausfinden, ob die Menschen oder die Theorien versagt haben. Sollte es an den Regelungen liegen, muss man sie nachbessern oder austauschen.

Damit haben wir in ganz groben Zügen die Grundidee und den Sinn der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung dargestellt. Wir müssen ihr nun eine konkrete Gestalt gegen. Diese Aufgabe steht vor uns. Was in den folgenden Beiträgen kommt, ist der aktuelle Stand, an dem gearbeitet wird, der nachgebessert und weiter entwickelt wird, und zwar durch konstruktive Kritik und sinnvolle Vorschläge.

 
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