O Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
O Wie der Nachfragemangel entsteht und wie er mit Geld behoben wird
     
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  Was hat das (zusätzliche) Geld mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zu tun?
  Wie ein Geldfälscher an sich selbst denkt und damit für die Gemeinschaft nützlich wird
       
 
Wie! die Weisheit der Privat-Oekonomie sey auch Weisheit in der National-Oekonomie? ... Nein! in der National-Oekonomie kann Weisheit sein, was in der Privat-Oekonomie Thorheit wäre und umgekehrt, aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein Schneider keine Nation und eine Nation kein Schneider ist; weil eine Familie etwas ganz Anderes ist, als ein Verein von Millionen Familien, ein Haus etwas ganz Anderes, als ein großes National-Territorium.
 
    Friedrich Listder bedeutendste deutsche Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts    
 
Es ist in der Moral wie in der Natur: nichts in den lebenden Wesen ist so durchaus gut, dass es nicht irgendeinem innerhalb der Gemeinschaft schädlich werden könnte; es ist auch nicht so völlig schlecht, dass es sich nicht dem einen oder dem anderen Geschöpfe als nützlich erweisen könnte.
 
    Bernard Mandevilleniederländischer Schriftsteller und Sozialtheoretiker    
       

Verba docent, exempla trahunt - Worte lehren, Beispiele reißen mit, sagt schon ein altes lateinisches Sprichwort. Beispiele vereinfachen die Realität allerdings so sehr, dass sie eine recht verzerrte Darstellung bieten können. Trotzdem sind sie bestens geeignet, eine wichtige Botschaft am schnellsten und einfachsten verständlich zu übermitteln. Insoweit sind sie zeitsparend und dabei produktiv, also ökonomisch, was sich für unsere Texte über Wirtschaftswissenschaft natürlich besonders schickt. Das gilt auch für unser nächstes Beispiel.

Stellen wir uns eine arbeitsteilige Wirtschaft vor, in der 100 Menschen Güter herstellen. Jeder von ihnen stellt in einem Monat Güter im Wert von 1.000 € her, die er vor hat zu verkaufen. Der Gesamtwert des Angebots beträgt also 100.000 €. Weil unsere Wirtschaft keinen Handel mit anderen Wirtschaften betreibt, stellen ihre 100 Güterproduzenten zugleich auch die gesamte Kundschaft dar. Wenn jeder von ihnen alles verkauft, haben alle je 1.000 € verdient, so dass der Gesamtwert ihrer Nachfrage 100.000 € beträgt. Die Nachfrage entspricht also genau dem Angebot. Die Welt in unserem einfachen Beispiel entspricht damit genau dem, was man als Gleichgewicht bezeichnet.

Bleiben wir aber nicht bei einer so einfachen Geschichte stehen, sondern denken wir weiter nach, unter Einbeziehung von anderen Faktoren, die den Gütertausch in einer Wirtschaft bestimmen.

Aber sie haben es doch nur gut gemeint

Stellen wir uns des Weiteren vor, jeder unserer 100 Güterhersteller will für die unvorhersehbaren Eventualitäten des Lebens vorsorgen und steckt 1 % seiner Einkünfte unter die Matratze. Eine solche Weitsicht findet man gemeinhin sehr lobenswert. Sie wird nicht nur für vernünftig gehalten, sondern auch als moralisch gepriesen. Ein so vorsorgender Mensch fiele nämlich in Zeiten der Not nicht anderen, oder sogar dem ganzen Gemeinwesen, also dem Staat, zur Last. Nebenbei bemerkt, ist die Metapher von der „schwäbischen Hausfrau“ zur Beschreibung eines solchen Verhaltens in den Kreisen der Ökonomen mittlerweile sehr populär geworden. Haben aber diese Menschen mit ihrem Tun, das von den besten Absichten motiviert ist, wirklich vernünftig gehandelt?

Nachdem unsere vorsorglichen Wirtschaftsakteure je 1 % ihres Einkommens beiseite gelegt hatten, konnten sie nur Güter im Wert von 99.000 € nachfragen bzw. kaufen. Hatte aber nicht jeder von ihnen vor, alle seine eigenen Güter, die zusammengenommen 100.000 € wert sind, auch restlos zu verkaufen? Ja, gewiss! Das ist nun aber nicht mehr möglich. Weil unsere Wirtschaftsakteure vernünftige Menschen sind, würden sie daraus schlussfolgern, im nächsten Monat etwas weniger zu produzieren - im Durchschnitt 1 % weniger. Nehmen wir weiterhin an, dass sie wiederum 1 % ihrer Einkünfte beiseite legen werden. Das würden sie jetzt erst recht für sinnvoll halten und tun wollen, weil sie eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage erahnen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet wird es ihnen auch dieses Mal unmöglich sein, ihre Produktion zu 100 % abzusetzen, auch wenn sie kleiner geworden ist. Setzt sich das alles ein Jahr lang fort, haben unsere weitsichtigen und moralisch integren Bürger die Produktion und damit auch ihren Wohlstand um etwa 12 % reduziert.

Wie das Böse schließlich das Gute schafft

Aber auf einmal taucht in dieser „heilen“ Welt, in der jeder genau das bekommt, was er leistet, ein Geldfälscher auf. Was würde passieren, wenn dieser jetzt Geldscheine im Wert von 1.000 € druckt und mit diesen Blüten einkaufen geht?

Er hat ohne Leistung das Gleiche erworben, wofür alle anderen einen ganzen Monat lang hart arbeiten mussten - seine Mühen und die Kosten der Geldfälschung lassen wir jetzt beiseite. So etwas ist natürlich sehr ungerecht und auch jeder unserer 100 tüchtigen und rechtschaffenen Güterproduzenten würde sich über diesen Geldfälscher empören und ihn lieber heute als morgen hinter Gittern sehen wollen. Könnte eine Wirtschaft überhaupt funktionieren, wenn solchen Menschen nicht das Handwerk gelegt würde? Denken wir darüber kühl nach: Sine ira et studio.

Wenn wir den Markt als Ganzes betrachten, also makroökonomisch, stellen wir fest, dass die Summe der Einkünfte mit den 1.000 € Blüten jetzt eine Kaufkraft von 101.000 € ergibt. Das Güterangebot beträgt aber nur 100.000 €. Das scheint nicht in Ordnung zu sein. Der Markt scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten, und wird wahrscheinlich mit Preissteigerungen reagieren. Aber stopp!

Wir haben vorhin festgestellt, dass jeder der Güterhersteller 1 % seiner Einkünfte beiseite legte. Und das entspricht genau dem Wert der Blüten des Geldfälschers, mit denen er sich ein schönes Leben macht. Nehmen wir weiterhin an, unsere Güterhersteller haben dem Geldfälscher nicht das Handwerk gelegt. Der Geldfälscher ist also ein Konsument auf dem Markt wie alle anderen auch. Mit seiner Nachfrage nach Gütern (1.000 €) und den Einkünften, welche die Güterhersteller willig sind auszugeben (99.000 €), hat die gesamte - die Ökonomen sagen dazu auch effektive – Nachfrage den Wert 100.000 €, was genau dem Angebot entspricht (100.000 €). Jetzt reicht die Nachfrage auf dem Markt, alle bereits hergestellten Güter abzusetzen bzw. zu verkaufen.

Aber das kann nicht lange gutgehen, sagt uns unser moralisches Gewissen. Nehmen wir nun an, dass es den tüchtigen und rechtschaffenen Bürgen auch weiterhin nicht gelingt, den Fälscher dingfest zu machen. Welche wären die langfristigen Folgen?

Die Produzenten hätten keinen Grund, im nächsten Monat nicht wieder die gleichen Mengen an Gütern herzustellen. Würden sie im folgenden Monat wieder 1 % einsparen bzw. horten und der Geldfälscher würde ihnen wieder 1 % der Güter abkaufen, so könnten sie dann auch im weiteren Monat wieder dasselbe herstellen. Auch noch im zwölften Monat würden sie dann nur 1 % von ihrem Wohlstand einbüßen, anstatt 12 %, als wenn sie den Schurken bzw. Geldfälscher einkerkern würden.

„Es ist eine weit verbreitete Anschauung, daß der Luxus für den Wohlstand des politischen Körpers ebenso verderblich sei wie für den eines einzelnen Individuums ... Obgleich ich Männer von viel größerem Verstand als dem meinigen kenne, die dieser Meinung sind, so kann ich doch nicht umhin, in diesem Punkte von ihnen abzuweichen.
Wer so argumentiert, beweist, daß er ein guter Mensch, aber ein schlechter Politiker ist. Genügsamkeit ist wie Redlichkeit eine Tugend für arme Hungerleider und paßt bloß für kleine Gemeinschaften guter, friedlicher Menschen, die mit ihrer Armut zufrieden sind, wenn sie dabei in Ruhe leben können; ein großes, rastlos tätiges Volk würde aber sehr bald genug davon haben. Sie ist eine träge, verschlafene Tugend, die niemandem zu tun gibt, und daher höchst unbrauchbar in einem Handelsstaate, wo es zahllose Menschen hat, die auf irgendeine Weise beschäftigt werden müssen.
Die Verschwendung, die ich die nobelste der Sünden nenne, ist nicht diejenige, die den Geiz zu ihrem Begleiter hat und die Menschen veranlaßt, einigen gegenüber sinnlos zu vergeuden, was sie andern ungerechterweise auspressen, sondern jenes liebenswürdige, gutmütige Laster, das den Schornstein rauchen und den Kaufmann gedeihen läßt.
Denn wie der Geizige sich selbst nichts antut und alle anderen außer seinen Erben schädigt, so ist der Verschwender ein Segen für die ganze Gesellschaft und schadet einzig und allein sich selbst.“ ... >
 
 
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