DEMOKRATISCHE GELDSCHÖPFUNG UND GELDMENGEREGELUNG
O Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
     
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  Richtige und falsche Ansätze der Geldmengenregelung und Geldschöpfung
  Die Regelung der Geldmenge nach Milton Friedman, dem berühmtesten Monetaristen
       
 
Jedes System, das soviel Macht und so viele Entscheidungen in die Hände weniger Männer legt, daß Fehler - entschuldbar oder nicht - solche weitreichenden Folgen haben können, ist ein schlechtes System. Für den, der an die Freiheit glaubt, ist es ein schlechtes System, gerade weil es einigen wenigen Männern solche Macht gibt ohne wirksame Kontrollmöglichkeit durch die Gesamtheit der Politik: Das ist das politische Schlüsselargument gegen eine „unabhängige“ Zentralbank. ... Um frei mit Clemenceau zu sprechen: Geld ist eine zu ernste Angelegenheit, als daß man es den Herren von der Zentralbank anvertrauen könnte.
Der einzige Weg, der verheißungsvoll erscheint, ist eine Regelung durch Gesetze anstatt durch Menschen. Man muß Regeln für die Führung der Geldpolitik gesetzlich festlegen, die die Öffentlichkeit in die Lage versetzen, durch ihren politischen Sachverstand die Geldpolitik zu kontrollieren .
 
    Milton Friedmander bedeutendste Monetarist des 20. Jahrhunderts    

Es kommt nicht von ungefähr, dass die deutschen Ordoliberalen nicht von Regelungen sprechen, sondern von Ordnungsrahmen. Hinter diesen stehen letztlich immer die Eliten, also die Menschen, die angeblich am besten wissen, was in einer konkreten Situation zu tun ist. Ihre Ordnungsrahmen sind keine Regelungen, sondern Steuerungen. Eine gewissermaßen gut durchdachte Vorstellung von Regelung - wenn auch nur im Vergleich zu den Ordoliberalen - finden wir ausgerechnet bei Milton Friedman, einem überzeugten Neoliberalen. Bei ihm hat ein gewisses Umdenken stattgefunden, man könnte auch sagen, eine Besinnung auf die Wurzeln der klassischen liberalen Theorie - zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Neoliberalen. Worin unterscheiden sich seine „Regelungen“ von den ordoliberalen Ordnungsrahmen?

Unter der Regelgebundenheit der Wirtschaftspolitik (rules versus activism) versteht Friedman Handlungen, die „möglichst automatisch funktionieren“ und damit etwas Anderes sind als Verordnungen, Erlasse und Befehle. Anders als bei den Ordoliberalen geht es ihm weniger um irgendeine langfristige Verlässlichkeit („Konstanz der Rahmenbedingungen“), die mikroökonomisch motiviert und begründbar ist, - was man mit den Stichwörtern Verfestigung betrieblicher Perspektiven und Erleichterung der Kalkulierbarkeit beschreiben kann - sondern um die Abwesenheit eines Subjekts. Seiner Meinung nach sollten Regeln quantitativ klar definierte Prozeduren sein, die das lenkende Subjekt überflüssig machen. Hier knüpft Friedmans Auffassung auch an die Regelungsvorstellung der modernen Systemtheorie und vor allem der Kybernetik an, also an die Theorien, deren Bedeutung für technische Aufgabenbereiche – wie etwa in der Automation von technischen Prozessen und in der Computertechnik - besonders groß ist, die sich aber auch andernorts als sehr nützlich erwiesen haben. In den Sozial- und damit auch in den Wirtschaftswissenschaften war ihre Bedeutung bisher viel geringer; es gibt jedoch keinen Grund dafür, dass das für immer so bleiben muss. Eigentlich hat schon Norbert Wiener (1894-1964), der Begründer der Kybernetik, herausgefunden, warum das so ist. Er hat erkannt, dass die Wirtschaftswissenschaft „der Zweig der Soziologie ist, der sich dadurch auszeichnet, dass er wesentlich bessere quantitative Wertmaße besitzt als die übrige Soziologie, ist sie ... ebenfalls ein Zweig der Kybernetik“. Diese besondere Eigenschaft der Ökonomie haben sich die Sozialwissenschaftler und Ökonomen leider immer noch nicht zu Nutzen gemacht.

Wenn man Friedman den Neoliberalen (und Ordoliberalen) gegenüberstellt, kann man kaum genug hervorheben, wie schlecht seine Geldmengenregelung (The Control of Monnay) zu deren Denken passt. Sogar wenn man es nicht Menschen, sondern Regelungen überlässt, auf die Wirtschaft Einfluss zu nehmen, verstößt das gegen die neoliberale Freiheit, die immer und bedingungslos die bessere Alternative sei. Wie wir es von Mises und Hayek kennen, sei das richtige oder „natürliche“ Geld allein das Gold, und wenn es als tagtägliches Zahlungsmittel nicht gut geeignet sein sollte, dann müsste die Menge von Banknoten und Münzen eben genau dem Goldwert entsprechen. Das ist die traditionelle liberale Auffassung: Die Geldmenge soll in einem festen Verhältnis zur Menge der Edelmetalle stehen. Friedman dagegen verlangt, dass die Geldmenge variabel ist und durch eine kontinuierlich wirksame Regelung immer von Neuem festgelegt bzw. vermehrt wird. Dies sei zugleich auch die einzige Regelung, so Friedman, welche die freie Marktwirtschaft überhaupt bräuchte. Das darf man nie aus den Augen verlieren, wenn der Eindruck entsteht, durch Friedman würden die Neoliberalen eine Brücke zu den Frühliberalen schlagen. Aber damit unterscheidet sich Friedman doch von vielen Marktfundamentalisten, für die auch nur eine einzige Regelung eine zu viel ist. Man kann sich denken warum. Sie haben wahrscheinlich schon immer gewusst oder zumindest geahnt, was Friedman nicht wahrhaben wollte, nämlich dass damit die Büchse der Pandora geöffnet wird. Die Geldmengenregelung hat das neoliberale Paradigma wesentlich geschwächt. Die von Friedman vorgebrachten Einwände gegen das Gleichgewichtsmodell sind in der Tat so gravierend, dass sie es an einigen seiner empfindlichsten Stellen trifft. Außerdem, lässt sich die Geldmengenregelung am besten nachfragetheoretisch interpretieren, was die Ironie auf die Spitze treibt. Aber wir haben es wirklich nicht nötig, Friedman diese Ehre zu erweisen. Bleiben wir also im Rahmen dessen, was Friedman mit Geldschöpfung meinte und wo er richtig lag.

Die Geldmenge soll nach Friedman in einem mathematisch einfachen, stabilen und genau festgelegten Verhältnis (Algorithmus) zu bestimmten ökonomischen Größen kontinuierlich und automatisch wachsen und nicht zur Disposition der Zentralbankbürokratie stehen. An diesem Verhältnis sollte man festhalten und sich „nicht durch Überlegungen, was mit den Zinsen geschieht, ablenken lassen“.... > Dies ist offensichtlich eine klare Absage an jegliche Versuche, die Inflation durch eine Erhöhung der Zinsen bekämpfen zu wollen. Wir brauchen Friedmans Regelung aber jetzt nicht im Detail zu erörtern. So wie er sie sich vorgestellt hat, ist sie eigentlich gar nicht empfehlenswert, aber das ist an dieser Stelle nebensächlich. Würdigen wollen wir nur Friedmans Grundgedanken, dass die Geldmenge bzw. Geldmengenexpansion die Wirtschaftsaktivität entscheidend mitbestimmt bzw. Wachstum fördert, und dass sie dies im nachfragetheoretischen Sinne tut. Bedienen wir uns dabei zur Illustration einer praktischen Erfahrung, die nicht allzu lange zurückliegt.

Die Geldmenge und die Erfahrung der letzten drei Jahrzehnte

Im Jahre 1997 hat sich der Preisanstieg der Produktionsgüter in den USA abgeschwächt und im Jahre 1998 begannen die Preise sogar zu fallen. Was haben die Amerikaner damals getan? Haben sie die Zinsen gesenkt, wie es die orthodoxe Angebotstheorie rät? Haben sie eine großangelegte Lohnzurückhaltungs-Kampagne gestartet? Nein, sie haben nichts dergleichen getan. Es war die Geldmenge, mit der man Abhilfe zu schaffen versuchte, und zwar mit Erfolg. Im Jahre 1998 hat es in den USA eine sehr rasche Ausdehnung der Geldmenge gegeben, die mit Raten von knapp über 10% wuchs. Die US-Notenbank hat eine kluge Geldpolitik verfolgt, indem sie der Wirtschaft so viel Geld zur Verfügung stellte, wie diese benötigte, mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaft bald stärker boomte als vorher. Nachdem sich die Preise wieder erholt hatten, ist die Zuwachsrate der Geldmenge um etwa die Hälfte gefallen. Der nachhaltige Aufschwung in Amerika war also kein Verdienst der unsichtbaren Hand des Marktes, sondern der sichtbaren Hand der US-Notenbank und hier vor allem ihres Chefs Alan Greenspan.

In Großbritannien funktioniert die Geldpolitik ebenfalls nach einer Art Geldmengenregelung (inflation targeting). Die britische Regierung legt einen angestrebten Zielwert für die jährliche Inflationsrate quantitativ (gegenwärtig etwa 2,5 %) fest. Die Bank of England ist also operativ unabhängig, hinsichtlich der Vorgaben jedoch weisungsgebunden. Verfehlt sie diesen Zielwert um mehr als einen Prozentpunkt, muss der Gouverneur in einem offenen Brief an den Schatzkanzler die Gründe dafür erläutern und die beabsichtigten Gegenmaßnahmen darlegen. Eine Geldpolitik, die nicht die allgemeine Inflationsrate, sondern nur die der Produktionsgüter (als Sollwert) berücksichtigt - wie es die kreislauftheoretische Analyse zeigt - wäre allerdings eine viel bessere Geldmengenregelung.

Die Erfahrung mit der Geldmenge im weiteren historischen Horizont

Die guten Ergebnisse in den Wirtschaften, die mit ihren Zentralbanken nicht nur die Inflation bekämpfen, entsprechen auch allen früheren Erfahrungen. Vergleicht man die Geldpolitik des 20. Jahrhunderts mit der restriktiven Geldpolitik des Jahrhunderts davor, ist die Botschaft eindeutig: Das Geld verhält sich der realen Produktion gegenüber nicht neutral, sondern es fördert sie. Zwischen 1870 und 1913, der „Blütezeit des Kapitalismus“ und damit der Herrschaft der restriktiven und deflationistischen Goldstandardpolitik, wuchs das Sozialprodukt pro Einwohner in den damals führenden Industrieländern im Durchschnitt um 1,5 % pro Jahr, zwischen 1950 und 1994 dagegen um 2,5 % pro Jahr.... > Anstatt hinter allem immer eine Frau zu suchen (cherchez la femme), wie es ein französisches Sprichwort empfiehlt, hat Friedman also nicht zu Unrecht vorgeschlagen, hinter allem das Geld zu suchen (cherchez la monnaie). Es sollte uns eigentlich nicht wundern, dass uns diese exzellente Lektion ein Amerikaner erteilt hat. Wenn die Geschichte der Handelsbanken den Italienern und die der Zentralbanken den Briten gehört, dann gehört die Geschichte des von einer Regierung ausgegebenen Papiergeldes zweifellos den Amerikanern.

Eine lange Beobachtung der Tatsachen hat schon die klassischen Ökonomen auf den Gedanken gebracht, das Geld mit dem Öl der Wirtschaft zu vergleichen: Es sei ein Mittel, mit dem die ökonomische Maschine geschmiert wird. Dieser Vergleich muss aber weitergeführt werden. Die Wirtschaft ist genauer gesagt eine Maschine, die ständig Öl verliert, das folglich ständig ersetzt werden muss, soll sie sich nicht festfressen. Aus gutem Grund hat Keynes also vorgeschlagen, von diesem Standpunkt aus eine neue Geschichte der Wirtschaft zu schreiben, die die sumerische und die ägyptische Zivilisation auf arabisches Gold, Athens Größe auf die Silberminen von Laurium, Roms Macht auf Alexanders Plünderung der persischen Bankreserven und die Stagnation des Mittelalters auf die schmale Versorgung Europas mit Währungsmetallen zurückführt.... > Schumpeter hat diese Beobachtungen von Keynes vervollständigt, als er schrieb, dass das, was

„der Aufstieg des Kapitalismus genannt wird, grob gesprochen mit dem Zufluß von Silber aus den Potosi-Gruben und mit einer politischen Situation zusammenfällt, in der die Ausgaben der Fürsten gewöhnlich ihre Einnahmen überstiegen.“ ... >

Auch die Historiker haben diesmal - was wahrhaftig nicht oft vorkommt - den Ökonomen Recht gegeben.

„Europa erlebte im 16. Jahrhundert eine fortgesetzte Inflation von nie dagewesenen Ausmaßen. ... Steigende Preise regten eine allgemeine Ausweitung der Geschäftstätigkeiten an, ... Der enorme Preisanstieg findet seine Erklärung zum Ziel in dem Einstrom von Edelmetallen, insbesondere Silber, aus der neuen Welt: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich die Weltwirtschaft in einer Phase der Silberinflation ... [so] daß das gesamte Produktionsvolumen nicht ausgereicht zu haben scheint, um der Nachfrage völlig zu entsprechen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verlangsamte sich das Tempo. Preise begannen nachzugeben ... die Jahre um die Mitte des 17. Jahrhunderts haben eine Verfalls- oder Stagnationsphase eingeleitet, die für den Rest des Jahrhunderts andauerte.“ ... >

Erwähnen wir in diesem Zusammenhang noch David Hume, der diesen Ereignissen zeitlich nahestand. Neben Jean Bodin und John Locke wird er mit zu den Begründern der Quantitätstheorie gezählt. Er hat noch keine umfassende Theorie entwickelt, aber sich zumindest Gedanken über die Geldmenge gemacht und kam zu der Schlussfolgerung: Wenn sich über die Nacht die Geldmenge verdoppeln würde, dann verdoppelten sich am nächsten Tag die Preise. Damit vertrat er eine starke Version der Neutralität des Geldes - so wie später die Monetaristen und auch Friedman. Nun war Hume bekanntlich ein empirischer Philosoph, der als solcher sich nie gegen die Tatsachen richten würde. Deshalb gibt er trotz seiner theoretischen Überlegungen über die Geldmenge zu, dass

„seit der Entdeckung der Minen in Amerika der Fleiß in allen europäischen Nationen zugenommen hat ... und dies kann neben anderen Gründen sicher der Zunahme von Gold und Silber zugeschrieben werden.“ ... >

Die Frage ist, wie sich analytisch streng erklären lässt, dass die steigende Geldmenge, im Gegensatz zur angebotstheoretischen Kostensenkungspolitik, eine derart anschiebende Wirkung auf die Wirtschaft hat. Von der Position des nachfrageorientierten Kreislaufmodells aus ist die Erklärung dafür wieder ganz einfach. Mehr Geld erhöht die Preise, unter anderem auch die Preise der Produktionsgüter. Bei steigenden Preisen wächst die Größe  YK', und wie aus der allgemeinen Gleichung des Sparens folgt,mehr macht diese entsprechend hohe Investitionen bzw. Wachstum möglich. Damit ist der Beweis erbracht. „We are all Keynesians now!“ hat Friedman einmal gesagt - was die Preise betrifft völlig zu Recht.

Es mag seltsam anmuten, dass die Richtigkeit der wirtschaftspolitischen Strategie eines erklärten Liberalen wie Friedman erst nachfragetheoretisch endgültig erklärt werden kann. In Friedmans Geldmengenregelung stecken aber noch mehr Überraschungen. Jemand, der behauptet, dass „der einzige Weg, der verheißungsvoll erscheint, eine Regelung durch Gesetze, anstatt durch Menschen ist“,... > kann mit Sicherheit kein Liberaler à la Hayek sein. Letzterer würde nämlich jede Regelung für überflüssig erklären und alles den freien Entscheidungen von „dynamischen Unternehmern“ überlassen. Was auch immer diese dann tun und lassen, sollte gut sein, auch wenn sie sporadisch diskretionär handeln - wenn sie also steuern. Damit aber immer noch nicht genug. Gerade die Geldmenge regeln zu wollen ist so ziemlich das Letzte, was sich heute ein neoliberaler Theoretiker vorstellen könnte. Bekanntlich kennt die Gleichgewichtstheorie keine absoluten Preise, weshalb für sie Geld nur ein Tauschmittel ist, das keine realen Auswirkungen auf den Wirtschaftsprozess hat. „Wir ziehen die Einführung der Münze hier nicht in Betracht“, wurde von Walras beim Statuieren seines partikel-mechanischen Modells mit geradezu peinlicher Lässigkeit erklärt. Geld war für ihn nur eine Ware, wie alle anderen. Von der Position seiner Gleichgewichtsanalyse aus hat das Geldmengenwachstum in der Tat keinen Sinn. Deshalb ist sie mit dem Goldstandard am besten vereinbar, für den sich orthodoxe Liberale wie Gustav Cassel (1866-1945) und Ludwig Mises (1881-1973) vor der Weltwirtschaftskrise bedingungslos eingesetzt hatten. Hayek folgte ihnen auf dem Fuße:

„Solange die Regulierung des Geldes in den Händen der Regierung liegt, glaube ich nach wie vor, daß der Goldstandard mit allen seinen Unvollkommenheiten das einzig tragbare System ist.“ ... >

Also kann die Regierung sozusagen schon per Definition immer nur alles falsch machen. Wie schnell hat Hayek offensichtlich vergessen, dass in den „Jahren des Leidens“ zwischen den zwei Weltkriegen „die Welt vom Inflationsproblem besessen war, von dem Willen, eine gesunde Währung wiederherzustellen“,... > ein Bestreben, das des Goldstandards würdig wäre.

„Ob das Gold selber Wert habe, weil es Arbeitsleistung verkörpere, wie die Sozialisten meinten, oder weil es nützlich und selten war, wie die traditionelle Lehre verkündete, machte in diesem Fall keinen Unterschied. Der Krieg zwischen Himmel und Hölle ließ die Geldfrage völlig außer Acht, so daß Kapitalisten und Sozialisten auf wunderbare Weise sich völlig einig waren. Wo sich Ricardo und Marx eins waren, konnte das 19. Jahrhundert keinen Zweifel haben. Bismarck und Lassalle, John Stuart Mill und Henry George, Philip Snowden und Calvin Coolidge, Mises und Trotzki akzeptierten gleichermaßen diesen Glauben. ... Der russische Bolschewik Sokolnikow war der erste Staatsmann nach dem Krieg, der den Wert der Währung seines Landes wiederum auf das Gold ausrichtete; der deutsche Sozialdemokrat Hilferding gefährdete durch sein festes Eintreten für eine gesunde Währung die Einheit seiner Partei. Der österreichische Sozialdemokrat Otto Bauer unterstützte die von seinem Hauptgegner Seipel bei dessen Versuch zur Rettung der Krone angewandten monetären Grundsätze; der englische Sozialist Philip Snowden wandte sich gegen die Arbeiterpartei, als er zur Ansicht gelangte, das Pfund sei bei ihnen nicht gut aufgehoben; und der Duce ließ den Goldwert der Lira bei 90 in Stein meißeln und schwor, für dessen Verteidigung sterben zu wollen.“ ... >

Fest davon überzeugt, in einer starken Währung und nicht anderswo liege die Lösung aller damaligen ökonomischen Probleme, kehrte schließlich Winston Churchill sogar zum echten Goldstandard zurück (1925). Obwohl Keynes dies schon heftig - und öffentlich - als „große Dummheit“ angeprangert hatte, kamen noch im Jahre 1929 alle zehn Professoren der Volkswirtschaft in Australien zusammen und erklärten der Labour-Regierung, dass es für das Land verhängnisvoll wäre, vom Goldstandard abzugehen. Der Regierung war das nicht recht, aber sie wollte nichts gegen den Willen der „Experten“ unternehmen, so dass in den Jahren vor der Großen Depression der Goldstandard souverän die Welt regierte. Als die US-amerikanische Notenbank, dem höchsten Ziel einer gesunden Währung verpflichtet, es mit ihrer restriktiven Geldpolitik einen Rückgang der Geldmenge um ein Drittel erreicht hatte, wie Friedmans Nachforschungen ergaben, kam es zum größten Aktienmarkt-Crash (1929) in der Geschichte.

Siehe zum Thema auch Milton Friedman: Die optimale Geldmenge und andere Essays.

 
 
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