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Was kann man nun konkret tun?
DEMOKRATISCHE GELDSCHÖPFUNG UND GELDMENGEREGELUNG
 
Bis die Geldschöpfung wieder der Regierung obliegt und als ihre deutlichste und heiligste Verantwortung anerkannt wird, ist alles Gerede über Souveränität des Parlaments und Demokratie leer und aussichtslos ... Sobald eine Nation diesen Einfluss abtritt, ist es gleich, wer ihre Gesetze schreibt... Zinswucher, sobald er wirksam wird, zerstört jede Nation.
W. L. Mackenzie King, ehemaliger Premierminister von Kanada  
Wer auch immer die Geldmenge in unserem Land kontrolliert, ist der uneingeschränkte Herrscher über den gesamten Handel und die Industrie ... Und sobald man begreift, dass das ganze System sehr einfach ... durch einige wenige an seiner Spitze gesteuert werden kann, dann braucht einem nicht mehr erklärt werden, woher Zyklen der Inflation und Rezession kommen.
James A. Garfield, 20. Präsident der USA (nach nur wenigen Monaten im Amt ermordet)  

Den Schülern und Studenten in den kapitalistischen Ländern wird seit einem Jahrhundert die volkswirtschaftliche Lehrmeinung vermittelt, nach der das Geld „neutral“ sei. Damit ist gemeint, dass die Geldmenge keine Größe ist, welche die Funktionsweise der realen Wirtschaft (Güterproduktion) beeinflusst und bestimmt. Als unmittelbare praktische Konsequenz dieser Auffassung wird empfohlen, die Regierungen sollten die Finger vom Geld lassen, weil sie damit gar nichts erreichen könnten, zumindest nichts Positives. Um diese „Neutralität“ oder einfacher gesagt die Unwichtigkeit des Geldes nachzuweisen, bedient sich die neoliberale Theorie des sogenannten Modells des allgemeinen Gleichgewichts, das zwei Dampflokingenieure, Léon Walras und Wilfredo Pareto, im 19. Jahrhundert von der klassischen Mechanik abgekupfert haben. Diese Theorie wird nunmehr seit drei Jahrzehnten gnadenlos in die ökonomische Praxis umgesetzt. Im Herbst 2008 sind dann die Banken und Börsen zusammengebrochen, danach ging es mit der realen Wirtschaft schnell bergab. Ist das Geld möglicherweise doch wichtig?

Der zuverlässig immer wiederkehrenden Erfahrung zufolge werden Wirtschaftskrisen in der freien Marktwirtschaft zuerst bei Banken und Börsen sichtbar. Deshalb wundert es nicht, dass man immer wieder darauf hoffte, dort auch die Ursache der kapitalistischen periodischen Krisen zu finden. Da stößt man sogleich auf das Geld, und man verfällt sehr leicht darauf, in ihm die Schuld für alles finden zu können, was in der Marktwirtschaft nicht richtig funktioniert. Es lässt sich natürlich nicht abstreiten, dass sich mit Geld nicht nur gute, sondern auch hässliche und böse Sachen anstellen lassen. Mit ihm ist es ähnlich wie etwa mit dem Messer, mit dem man sowohl Brot und Wurst schneiden kann, um mit seinem Nächsten zu teilen, als es auch demselben an die Kehle halten, um ihn auszurauben. Streng genommen ist es ganz falsch, dem Geld die Schuld am Marktversagen in die Schuhe zu schieben. Außerdem verschwand das Misstrauen dem Geld gegenüber immer erstaunlich schnell, sobald eine Krise vorbei war. Ist das Geld also doch nicht so wichtig?

Wenn man nicht das neoliberale partikel-mechanische Modell als Grundlage für die Analyse der Marktwirtschaft nimmt, sondern das kreislauftheoretische Modell, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Wirtschaftskrisen ihre Ursache im Nachfragemangel haben. Weil alles mit allem zusammenhängt, gibt es zwar auch einen Zusammenhang zwischen Nachfragemangel und Geld, aber uns geht es im Folgenden um etwas Anderes. Kurz zusammengefasst: Wenn ein Nachfragemangel entstanden ist, unabhängig davon aus welchem Grund, ist das Geld bzw. die Schöpfung zusätzlichen Geldes ein effizientes Mittel, den Nachfragemangel zu beseitigen. Mit Geld lässt sich also etwas Nützliches erreichen und in diesem Sinne ist es wichtig, sehr wichtig sogar. Das wollen wir jetzt ausführlich begründen. Wir werden auch eine praktische Lösung vorschlagen, wie sich mit Geld bzw. Geldschöpfung die Funktionsweise der Marktwirtschaft nachbessern lässt.

 
   
    Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
  E i n l e i t u n g :

Als die im Herbst 2008 zusammengebrochen Banken und Börsen angeblich saniert worden waren, hat man gebetsmühlenartig wiederholt und versichert, die Krise sei vorbei. Doch nichts war vorbei, die Krise hatte gerade erst begonnen, die reale Wirtschaft zu würgen. Was wir erleben, ist der seit mehr als zwei Jahrhunderten bekannte Verlauf einer periodischen Wirtschaftskrise im real existierenden Kapitalismus, also der völlig freien Marktwirtschaft: Auf ein Mal, ohne dass es jemand geahnt hat, bricht zuerst das ganze Finanzsystem zusammen, danach die reale Wirtschaft. Was dann in der realen Wirtschaft vor sich geht, war immer dasselbe, was wir auch diesmal klar erkennen können. Immer mehr Unternehmen haben Absatzprobleme. Aus welchem Grund auch immer finden die angebotenen Güter und Leistungen keine Käufer. Einen besseren empirischen Beweis für das Fehlen der Nachfrage kann man sich kaum vorstellen. Diejenigen die Geld haben geben es ungern aus, und weil die Löhne sinken und die Zahl der Arbeitslosen und Armen wächst, gibt es auch immer mehr Menschen, die überhaupt kein Geld haben. Es ist naheliegend, dass in einer solchen Lage eine dem Wirtschaftssystem zugeführte Geldmenge die fehlende Kaufkraft schaffen würde und damit den Nachfragemangel beheben könnte.

Das hört sich einfach an, ist aber in der Praxis alles andere als einfach, weil es große Risiken in sich birgt. Das Problem liegt nämlich darin, dass der Marktwirtschaft nicht immer die Nachfrage fehlt. Man sollte also nicht auch dann zusätzliches Geld in die Wirtschaft „pumpen“, wenn kein Nachfragemangel vorhanden ist. Das wäre nicht nur unnötig, sondern würde unerwünschte - unter Umständen sogar gravierende - Folgen nach sich ziehen. Ist man sich dessen bewusst, kann man das Parlament bzw. die Regierung nicht einfach bemächtigen, Geld nach Lust und Laune zu schöpfen. Wie viel Geld geschöpft werden soll, darf die Regierung (Exekutive) nicht eigenmächtig und diskretionär (ad hoc) entscheiden, sondern muss durch eine demokratisch legitimierte Regelung bestimmt werden. Deshalb sprechen wir nicht nur von der demokratischen Geldschöpfung, sondern auch von Geldmengenregelung.

Um zu effizienten konkreten Lösungen für die Geldschöpfung zu kommen, werden wir herausfinden müssen, wie man den Nachfragemangel prognostizieren und diagnostizieren kann, nach welchen Regeln das Geld geschöpft werden, wer dieses bekommen sollte und einiges mehr. Außerdem werden wir uns bei der Suche nach der bestmöglichen Lösung nicht nur auf das Problem des Nachfragemangels beschränken können, sondern werden auch andere Aspekte der Wirtschaft berücksichtigen müssen, vor allem die Funktionsweise des Finanzsektors - der Banken und Börsen.

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    Wie die Reichen mit der heutigen Geldordnung das Volk erpressen und ausplündern
  E i n l e i t u n g :

Über Geld spricht man bekanntlich nicht. Das ist eine Binsenweisheit, die womöglich so alt wie das Geld selbst ist. Als die moderne Wirtschaftswissenschaft noch jung war, hat man aber doch über Geld gesprochen. Adam Smith ist dafür das beste Beispiel. Aber schon kurz nach seinem Tod haben die marktradikalen Liberalen begonnen, das Geld aus der ökonomischen Theorie zu verdrängen. Mit dem so genannten Sayschen Gesetz ist ihnen das zuerst sehr gut gelungen, aber durch ständige Kritik büßte dieses „Gesetz“ immer mehr von seiner Überzeugungskraft ein. Man musste nach neuen theoretischen Ansätzen suchen, um das Geld aus der ökonomischen Theorie verdrängen zu können. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist das den Dampflokingenieuren Walras und Pareto mit ihrem Modell des allgemeinen Gleichgewichts endlich gelungen. Im Rahmen dieses mathematisch sehr komplizierten Modells der Marktwirtschaft - das sie aus den theoretischen Bestandteilen der klassischen Mechanik zusammengestückelt haben - wurde methodisch streng „nachgewiesen“, dass das Geld neutral sei.

Wenn man sich so viel Mühe gibt, das Geld aus der ökonomischen Theorie zu verdrängen, muss das einen gewichtigen Grund haben. Einen solchen gibt es in der Tat. Zwischen dem Geld und der Macht gab es schon immer eine feste gegenseitige Bedingtheit und Rückkoppelung: Mit dem Geld ließ sich viel Macht ausüben, und wer Macht hatte, konnte sich auf die eine oder andere Weise viel Geld beschaffen. Auf den Punkt gebracht: Über Geld nicht zu reden, bedeutet über die wahren Machtverhältnisse in einer Wirtschaft und Gesellschaft nicht zu reden. Wenn das Geld „neutral“ ist, dann wird damit nahegelegt, man solle es bzw. seine Besitzer einfach in Ruhe und mit  „ihrem“ Geld tun lassen, was ihnen beliebt. Die theoretischen Versuche das Geld für „neutral“ zu erklären bedeuten nichts anderes als eine akademisch gut verpackte Sammlung von Spitzfindigkeiten und Tricks, um die Aufmerksamkeit vom privaten Geldmonopol abzulenken. Auch in dieser Hinsicht ist die neoliberale Theorie keine Wissenschaft, sondern eine Ideologie, und zwar eine zur Legitimation der Interessen des modernen Geldadels.

Mit dem Geldmonopol in privater Hand wird verhindert, gegen die Wirtschaftskrise etwas zu unternehmen - sowohl präventiv als auch nach ihrem Ausbruch. Es gibt aber auch andere Schäden, die das private Geldmonopol in der Wirtschaft und Gesellschaft anrichtet. Einige davon kennt man aus der vorkapitalistischen Zeit. So war es etwa schon in biblischen Zeiten bekannt, wie Geldleihe zur Schuldenknechtschaft führt. Kein Wunder also, dass das Geldmonopol in der Geschichte schon immer als das gefährlichste aller Monopole berüchtigt war. Auch diese Schäden des Geldmonopols, die keine Eigentümlichkeit und keine Erfindung der Marktwirtschaft sind, dürfen wir nicht unerwähnt lassen. Schließlich sprechen auch sie für die Demokratische Geldschöpfung und Geldmengenregelung, wenn auch nur indirekt.

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    Wozu die Geldschöpfung nicht vorgesehen und auch nicht geeignet ist
  E i n l e i t u n g :

Wird man mit einer richtigen Geldschöpfung und Geldmengenregelung alle Probleme der Marktwirtschaft lösen können? Natürlich nicht. Es handelt sich nur um eine der ökonomischen Maßnahmen, mit denen das Marktversagen kuriert werden kann, in diesem konkreten Fall die Unfähigkeit der freien Marktwirtschaft genug Nachfrage für den Absatz der bereits hergestellten Güter und Dienstleistungen zu schaffen. Ein Vergleich mit der Medizin ist angebracht und aufschlussreich. Es gibt kein Medikament, das alle Krankheiten kuriert, sondern jede hilft bekanntlich nur bei bestimmten Erkrankungen. Seine Wirkung lässt sich nicht nach dem ironisch-sprichwörtlichen Motto „viel hilft viel“ beliebig steigern. Jedes Medikament erzielt sein Wirkungsmaximum, wenn es optimal dosiert ist. Außerdem hat es auch unerwünschte Nebenwirkungen, sogar dann, wenn es genau richtig dosiert wird. Wir müssen davon ausgehen, dass dies auch bei der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung der Fall sein wird. Es ist angebracht auch darüber etwas zu sagen, um den Kritikern der nicht-privaten Geldschöpfung so wenig Angriffsfläche zu bieten wie möglich.

Wir müssen uns vor allem mit den Argumenten auseinandersetzen, mit denen die Gegner der nicht-privaten Geldschöpfung bisher besonders erfolgreich waren. Am häufigsten wird sie mit dem Einwand zurückgewiesen, die zusätzlich geschöpfte Geldmenge würde nichts als nur eine von niemanden gebrauchte Inflation verursachen. Ein weiteres Argument, das die Neoliberalen nicht nur gegen das „Gelddrucken“, sondern bei praktisch jeder Auseinandersetzung aus dem Ärmel ziehen, ist die Herabsetzung und Verleumdung des Staates. Er könne sowieso nichts richtig machen, und mit Geld umgehen könne er schon gar nicht. Außerdem greifen die Neoliberalen eigentlich auf alles zurück, was der Verschleierung ihrer wahren Interessen dient: auf Einzelfälle, Halbwahrheiten, Bluff, Vermutungen und Unterstellungen. Auch dazu soll zumindest das Nötigste gesagt werden.

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