Die Rückkehr des Raubtierkapitalismus durch Nachfragerettung von der Angebotsseite
 
 
We are all Keynesians now!
 
    Milton Friedman (1912-2006), der Vater der monetaristischen Version des Neoliberalismus        

Bevor wir überhaupt anfangen zu analysieren, wie man das Problem des Nachfragemangels von der Angebotsseite her löst, ist es hilfreich, noch einmal darauf zu hinweisen, warum beim Sektor 3, der Konsumgüter herstellt, der Output 4000 beträgt und seine Inputs zusammen nur 3960 – siehe Diagramm unten. Das hat damit zu tun, dass das Diagramm zugleich zwei Zustände: vor und nach der Preissenkung im Sektor 1 erfasst. Der Wert der bereits vor der Preissenkung hergestellten Konsumgüter (Output) im Sektor 3 setzt sich aus dem Wert der damals dafür ausbezahlten Nettoeinkünfte (Input 2000) und dem Wert der damals dafür verbrauchten Produktionsmittel (Realkapital) (2000) zusammen (= 4000). Nun kann Sektor 3 nach der Preissenkung die verbrauchten Produktionsgüter billiger kaufen (1960). So entsteht die Differenz (40), für die in der Wirtschaft keine Einkünfte (effektive Nachfrage) zur Verfügung stehen. Diese Nicht-Gleichzeitigkeit im Diagramm muss man immer im Bewusstsein behalten.

Wenn Sektor 3 seine bereits fertige Produktion (4000) nicht vollständig absetzen kann, wie reagiert er dann? Er zögert mit dem Kauf der Produktionsgüter (1960), die für die von ihm hergestellten Konsumgüter verbraucht wurden. Der Sektor 1 hoffte, durch die Preissenkung seine Güter schneller absetzen zu können, doch stattdessen bekommt er Absatzprobleme. Auch er verzögert nun den Kauf der von ihm verbrauchten Produktionsgüter, die im Sektor 2 hergestellt werden. Wie in einem typischen Dominoeffekt hat die ganze Wirtschaft auf einmal Zahlungs- bzw. Liquiditätsprobleme. Die Liquiditätsprobleme der Wirtschaft werden unverzüglich zu den Liquiditätsproblemen der Banken. Die ganze Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Besonders drastisch war es in den Jahren 1929 und 2008. Was wurde damals getan?

Das Jahr 1929: Es gab schon damals manche Ökonomen, die nicht gottgläubig waren, aber vielleicht gar keinen, der nicht an die „unsichtbare Hand“ des Marktes glaubte – also an eine rasche spontane Rückkehr der Wirtschaft zum Gleichgewicht. Schumpeter hat gerade damals dummes sozialdarwinistisches Zeug über die „reinigende Wirkung“ der Krise von sich gegeben: Die Unternehmen mit angeblich veralteten Technologien und Produkten sollten zugrunde gehen, die innovativen würden für einen schnellen und nachhaltigen Aufschwung sorgen. Nach einer weiteren, auch erfreulichen und vorteilhaften „reinigenden Wirkung“ der Krise hat sich Hoovers Finanzminister Mellon gesehnt: „Sie wird die Fäulnis aus dem System waschen. Hohe Kosten für die Lebenshaltung und der hohe Lebensstandard werden herunterkommen. Leute werden härter arbeiten, ein moralisches Leben führen. Werte werden gesetzt und unternehmende Leute werden aufsammeln, was die weniger fähigen Leuten zurück lassen.“ Es ist bemerkenswert, wie die Reichen schon immer davon überzeugt waren, materielle Not würde das gemeine Volk moralisch bessern, nur bei ihnen sollte dasselbe durch Gier und immer größeren Reichtum geschehen. Das Wort „waschen“ vom damaligen amerikanischen Finanzminister Mellon passt gut zu einem berühmten Ökonomen dieser Zeit, nämlich Irving Fisher, bei dem man gut beobachten kann, welcher Unsinn aus einem neoliberal denkenden Kopf entspringen kann.dorthin Er meinte, die Krise sei eine segensreiche Gelegenheit, den Arbeitern den Alkohol zu verbieten und ihnen persönliche Hygiene anzuordnen. Die nüchternen und gesünderen Arbeiter kann man eben noch besser ausbeuten. Das war die moralische Fratze des Neoliberalen damals – und der heutigen genauso. Man könnte einen solchen Zustand der grotesken Realitätsverweigerung und moralischen Verdorbenheit als Hayek-Syndrom benennen.

Das mit dem „Waschen“ der Wirtschaft ging damals aber sehr langsam voran. Eigentlich kollabierte die ganze kapitalistische Wirtschaft, und das immer schneller. Man kann bzw. sollte auf den Gedanken kommen, die „unsichtbare Hand“ sei in den periodischen Krisen des Kapitalismus, wenn sie am dringendsten gebraucht wird, wahrscheinlich deshalb unsichtbar, weil es sie nicht gibt. Aber Tatsachen können den Glauben des Neoliberalen nicht erschüttern. Er ist sich stets sicher, dass man nur „konsequent“ genug sein müsse, dann würde auf lange Sicht alles gut. „Auf lange Sicht sind wir alle tot“ – so die berühmt gewordene Replik von Keynes damals. Ein paar Jahrzehnte danach hat Friedman herausgefunden, dass die „unsichtbare Hand“ auch damals richtig funktioniert hätte, wenn sie die Notenbank mit ihrer restriktiven Geldpolitik nicht lahmgelegt hätte. Ben Bernanke, Gouverneur der US-Notenbank sagte anlässlich des 90. Geburtstags von M. Friedman dazu reuemutig: „Erlauben Sie mir, meine Rede zu beenden, indem ich meine Stellung als offizieller Vertreter der Federal Reserve ein wenig missbrauche. Ich möchte Milton und Anna gern sagen: Was die Große Depression [1929–32] angeht, habt Ihr Recht. Wir waren schuld. Es tut uns sehr leid. Aber euretwegen werden wir es nie wieder tun.“

Das Jahr 2008: Nicht anders als fast ein Jahrhundert zuvor (1929) steckte die ganze Wirtschaft in der Liquiditätskrise und drohte zusammenzubrechen. Diesmal hatte man aber keine Lust zu „waschen“. Die Notenbank hat Friedman vertraut und etwa 4 Billionen Dollar „aus dem Nichts“ geschaffen und in die Banken und die ganze Wirtschaft gepumpt. Das war die „lockere Geldpolitik“, vor der sonst vonseiten der neoliberalen Ökonomen immer so gewarnt wurde. Zu einem kompletten Kollaps der Wirtschaft kam es nicht. Dies wurde seitdem als die Praxis der quantitativen Lockerung bekannt. Dies kommt vom englischen Begriff quantitative easing. Mit einer Gelassenheit, die auf der angelsächsischen empirischen Tradition fußt, sich im Zweifelsfall auf die Seite der Tatsachen zu schlagen und sich nicht fieberhaft an die Theorie zu klammern, provozierte Bernanke die orthodoxen Neoliberalen noch mit der bissigen Bemerkung: „Das Problem mit der Quantitativen Lockerung ist nur, dass sie in der Praxis funktioniert, nicht aber in der Theorie.“

Ja, die neoliberale Theorie kann nicht erklären, warum es funktioniert hat – warum sich der Ablauf des Jahres 1929 nicht wiederholte. Erklären kann man es aber sehr einfach und einleuchtend, wenn man davor den Nachfragemangel analytisch streng erklärt hat. Das haben wir getan. Jetzt vervollständigen wir das Fließdiagramm mit dem Geld und seinen Institutionen, um die Funktionsweise der Quantitativen Lockerung - kurz QL - zu erklären.

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Heben wir zuerst das bereits Gesagte hervor: Der Nachfragemangel (gap) beträgt 40 Geldeinheiten - soviel Konsumgüter können mit dem noch verfügbaren (effektiven) Einkommen der (ganzen) Wirtschaft nicht gekauft werden. Dieser Nachfragemangel verursacht Zahlungs- bzw. Liquiditätsprobleme bei vielen Unternehmen. Diese Liquiditätsprobleme der (realen) Wirtschaft werden zu den Liquiditätsproblemen der Banken. Wir nehmen in unserem Beispiel nun an, die Zentralbank macht nicht den Fehler wie in der Großen Depression (1929), sondern sie schafft Unmengen von Geld „aus dem Nichts“. Die Banken bekommen das Geld von der Zentralbank, der Staat leiht sich dieses Geld aus und flutet mit ihm die reale Wirtschaft. Das Bild stellt diesen Geldfluss dar.

Die Unternehmer freuen sich darüber, aber sie sind keine moralisch besseren Menschen als alle anderen. Wie es schon der Vater der Marktwirtschaft, Adam Smith sagte, möchten auch die Unternehmer nur zu gern dort ernten, wo sie nicht gesät haben. Sie versuchen also vom großzügigen Staat für die eigenen Unternehmen mehr Geld zu ergattern als nötig wäre, um ihre Liquiditätsprobleme zu lösen. Ihre Geschicklichkeit den Staat auszubeuten betrachten sie als eine besondere Leistung und belohnen sich dafür mit zusätzlichem Einkommen. Wer nun stutzig wird, sollte sich daran erinnern, wie quer durch alle Medien nach der Krise im Jahre 2008 mit Empörung darüber berichtet wurde, wie man sich in den geretteten Unternehmen das Geld in die eigene Tasche steckte. Und wenn es die der Wirtschaft dienenden Medien schon so berichtet haben, dürfte das nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges gewesen sein.

Kehren wir aber zur Theorie zurück. Für unser numerisches Beispiel reicht es aus, wenn diese „leistungsgerechte Belohnung“ den Wert 40 erreicht. Dann ist der Nachfragemangel verschwunden, die Güter- und Geldflüsse setzen sich wieder in Bewegung. Im Idealfall könnte die Wirtschaft dem Staat die Geldmenge der QL (Quantitativen Lockerung) zurückerstatten, ohne den Anteil für den Nachfragemangel ( - 40).


  LEHRSATZ:   Diskretionäre Geldpolitik muss schnell und heftig sein, sonst wirkt sie nicht.  
  BEWEIS:   Liquiditätsprobleme führen zur Preissenkung der Produktionsgüter - wie in jeder Wirtschaftskrise, besonders 1929. Das vergrößert den realen Nachfragemangel immer schneller und zieht bald einen weiteren Nachfragemangel nach sich: den monetären oder keynesianischen. Das heißt, es beginnen diejenigen, die Geld besitzen, mit Investitionen und Konsum zu großen Teilen zu warten. Warum heute kaufen, wenn morgen alles billiger wird. Das Geld wird gehortet.  
  BEMERKUNG:   Dem ökonomisch kundigen Leser kommt schnell in den Sinn, dass die QL (Quantitative Lockerung) nur teilweise der Auffassung von Friedman entspricht. Es stimmt, dass er die fehlende QL für die (einzige) Ursache der Großen Depression hält. Er meinte aber, nach seiner Quantitätstheorie des Geldes – wofür er den „Nobelpreis“ bekam – würde eine „kontinuierliche“ Vergrößerung der Geldmenge jede zukünftige Krise verhindern. Der Weisheit letzter Schluss für ihn war: kontinuierliche statt diskretionäre Geldpolitik. Dann würde eine QL nie nötig sein und die „unsichtbare Hand“ alles perfekt erledigen. Wie es immer und ausnahmslos mit neoliberalen Ökonomen ist, hat auch Friedman den „Nobelpreis“ dafür bekommen, völligen Unsinn zu verzapfen.  


  LEHRSATZ:   Die Funktion der Banken als Geldvermittler zwischen der Zentralbank und dem Staat ist eine legalisierte Methode zur Beraubung der Bürger durch das Finanzsystem.  
  BEWEIS:   Banken sollen eigentlich über die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden entscheiden und für gute Entscheidungen belohnt werden. Bei der QL entfällt das völlig. Was die Wirtschafsbosse sagen, das wird von der Zentralbank, den Banken und dem Staat umgesetzt. Die Banken buchen hier nur das Geld von der Zentralbank auf das Konto des Staates um. Das ist schon alles. Danach erhalten sie Zinsen, ohne irgendeine Leistung erbracht zu haben.  
  BEMERKUNG 1:   Die Zentralbank und die Banken sind in der heutigen ökonomischen Ordnung ein Staat im Staat. Auch hier hat Adam Smith Recht behalten: Weil das, was sie tun, eine einfache Routine sei, müssten die Banken gar nicht privat sein! Vom Geld der Zentralbank „aus dem Nichts“ war damals allerdings keine Rede. Deshalb können wir zu dem, was Smith empfohlen hat, noch hinzufügen: Wir brauchen eine demokratische Geldschöpfung.  
  BEMERKUNG 2:   Die Banken in ihrer Position zwischen der Zentralbank und dem Staat haben eine erpresserische Funktion. Wenn sich die wirtschaftliche Lage verbessert, verlangen sie vom Staat die Rückzahlung der Schulden, damit es den „populistischen“ Politikern nicht einfällt, soziale Ausgaben zu tätigen. Absolut richtig hat einmal Meyer A. Rothschild festgestellt: „Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation, und es interessiert mich nicht mehr, wer dessen Gesetze macht.“  


  LEHRSATZ:   Die Behebung des Nachfragemangels von der Angebotsseite ist eine legalisierte Methode zur Enteignung und Verdrängung der kleinen und mittleren Unternehmen durch die Konzerne.  
  BEWEIS:   Die kleinen und mittleren Unternehmen können auf staatliche Rettung kaum hoffen, nur die ganz großen, die mit ihren starken Lobbys und dem Verweis auf die hohen Zahlen der Angestellten die Politiker korrumpieren und erpressen. Das ist eine bekannte Tatsache.  
  BEMERKUNG 1:   In den Zeiten von Marx gab es keine QL. Aber schon damals haben die Monopole während der Krisen die Kleineren wegkonkurriert und enteignet. „Je ein Kapitalist schlägt viele tot. ... Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt.“ Mit der QL wurden die Enteignung und die Eliminierung der kleinen und mittleren Unternehmen nur perfektioniert.  
  BEMERKUNG 2:   Man fragt sich, ob man sich über die Enteignung und Verdrängung der kleinen durch die großen Kapitalisten moralisch entrüsten soll? Es ist zweifellos ungerecht … aber ist es nicht auch verdient? Am Anfang der neoliberalen Konterrevolution haben die großen Kapitalisten den kleinen versprochen, sie würden vom gemeinsamen Raub an den Arbeitnehmern ihren gerechten Anteil bekommen. Die kleinen Kapitalisten, der berühmte Mittelstand, haben ohne zu fragen mitgemacht. Sie sind aber nur auf eine der unzähligen neoliberalen Lügen hereingefallen. So sind die Mittelständler nun selbst an die Reihe gekommen zu verelenden. Ja, Schadenfreude und Gerechtigkeit liegen manchmal nah beieinander. Schieben wir die Emotionen beiseite, die genaue sachliche Bezeichnung dieser Menschen wäre: nützliche Idioten.  
  BEMERKUNG 3:   Es wäre geradezu fahrlässig, die westliche Bildungs„elite“ nicht zu erwähnen. Vielleicht hat die westliche „Intelligenzija“ nie zuvor in der modernen Geschichte mit solcher Entschlossenheit und Begeisterung das Volk verraten wie während der neoliberalen Konterrevolution. Da gab es ganz andere Zeiten. In seinem Essay Das Ende des Laissez-faire (1926) zitiert Keynes einen Professor Cannan, der feststellte: „Es gibt wohl keinen englischen Nationalökonomen von Ruf, der sich an einem allgemeinen Angriff gegen das Prinzip des Sozialismus beteiligen würde … obwohl jeder, ob berühmt oder nicht, immer bereit ist, gerade in den sozialistischen Vorschlägen Fehler zu entdecken.“ Übrigens hat der berühmteste Liberale des 18. Jahrhunderts, John Stuart Mill, geglaubt, die Kapitalakkumulation würde den Kapitalismus evolutiv zum Sozialismus hinführen und er sah darin einen großen moralischen und humanitären Fortschritt in der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit. Es ist fast unglaublich, auf welche durchsichtige Lüge der Reichen die „Intelligenzija“ hereingefallen ist: Nach der „Entmachtung“ des Staates würde angeblich eine Epoche beginnen, in der die Bildung einen sicheren sozialen Anstieg bis an die Spitze der Gesellschaft ermöglichen würde. Nun erleben die Bildungsbürger das gleiche Schicksal wie die kleinen und mittleren Betriebe. In Amerika sind nicht die Häuslebauer die am meisten verschuldete Gruppe, sondern junge Leute, die teure Kredite für ihre Ausbildung aufgenommen haben. Die Befürchtungen, ob sie wohl alle ihre Schulden zurückzahlen können, sind gelinde gesagt nicht unbegründet. Ob etwas Schadenfreude auch hier angemessen wäre? Schieben wir die Emotionen beiseite, die genaue sachliche Bezeichnung auch dieser Menschen wäre: nützliche Idioten.  


  LEHRSATZ:   Die diskretionäre Geldpolitik, also die Kompensation des Nachfragemangels von der Angebotsseite, kann nur als verschleierte Subventionierung der Wirtschaft funktionieren.  
  BEWEIS:   Das Geld der QL (Quantitativen Lockerungen), mit dem der Nachfragemangel kompensiert wurde, versickerte in den Gehältern der Manager. Und im real existierenden Kapitalismus gibt es keine juristischen Möglichkeiten, vorgetäuschte Leistungen als solche zu entlarven und ihre Vergütung zurückzufordern. Würde man hier jedoch hoheitlich und drastisch vorgehen, um dieses Geld zurückzuholen, etwa mit höheren Steuern, würde das einen Nachfragemangel verursachen. Denn wenn diese Einnahmen dann wieder vom Staat an die Armen weitergegeben würde, wäre das nachfrageseitig betrachtet neutral. Man bekäme dann genau das, was man der keynesianischen Wirtschaftspolitik vorgeworfen hat: crowding out.  
  BEMERKUNG:   Die Keynesianer haben gegen den crowding out-Effekt bekanntlich ihre Absolute Einkommenshypothese gestellt. Kurz gesagt: Die Armen sind bessere Konsumenten als die Reichen, also sollen sie mehr Geld bekommen. Die Annahme stimmt, aber die praktische Wirkung der Maßnahme, den Armen mehr Geld zu geben, ist recht gering. Rein ökonomische Gründe für eine drastische Besteuerung des Reichtums bzw. hoher Profite gibt es also nicht.

Es gibt zwar einen gewichtigen ökonomischen Grund gegen eine hohe Profitquote: Sie wirkt gegen die Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Genau deshalb ist das Produktivitätswachstum in den letzten Jahrzehnten, also nach der neoliberalen Konterrevolution, fast zum Erliegen gekommen. Die seriösen Ökonomen haben das in der Reswitching-Analyse streng nachwiesen.dorthin Die Besteuerung ändert die (nominale) Profitquote nicht, sie verringert das Einkommen der Reichen – was nicht dasselbe ist.

Es gibt allerdings gewichtige soziale und moralische Gründe für hohe Profitbesteuerung. Auf seinen berühmten Reisen durch Amerika (von Mai 1831 bis Februar 1832), hat es Alexis de Tocqueville in seinem berühmten Buch Über die Demokratie in Amerika lange vor Marx richtig erkannt: „Die landbesitzende Aristokratie der vergangenen Zeitalter war durch das Gesetz verpflichtet oder glaubte sich durch die Sitten gehalten, ihren Dienern zu Hilfe zu kommen und ihre Not zu lindern. Die Aristokratie der Fabrikanten unserer Tage jedoch überlässt die Menschen, nachdem sie sie in ihrem Dienst elend und stumpf gemacht hat, in Krisenzeiten der öffentlichen Wohltätigkeit, um sie zu ernähren. ... Im ganzen genommen ist, glaube ich, die Aristokratie der Fabrikanten, die wir vor unseren Augen erstehen sehen, eine der härtesten, die auf Erden erschienen ist.“ Carl Friedrich von Weizsäcker war also nicht originell, aber deswegen nicht weniger im Recht, als er festgestellt hat: „Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr ,Armageddon‘. Das System, welches für diese Verbrechen verantwortlich ist, heißt „unkontrollierter Kapitalismus“. dorthin
 


  LEHRSATZ:   Die Staatsschulden können beliebig hoch sein, ohne die Funktionsweise der Wirtschaft zu stören, wenn sie nur den Nachfragemangel kompensieren. Bei Nullzinsen sind sie nichts mehr als nur eine tote Zahl im Staatshaushalt, die weder jemandem nützen noch jemandem schaden würde.  
  BEWEIS:   Die reale Nachfrage ist die Folge dessen, dass der nominale Wert des Kapitals geschrumpft ist, obwohl sich beim realen Kapital (Investitionen) gar nichts geändert hat. Bei der QL wird nur die Lücke zwischen dem früheren (höheren) und dem aktuellen (niedrigeren) nominalen Wert des Kapitals (Investitionen) mit dem Geld „aus dem Nichts“ gestopft. Das eine „Nichts“ (nominale Differenz) deckt sich buchhalterisch mit einem anderen „Nichts“ (Buchgeld).  
  BEMERKUNG:   Die neoliberale Theorie, die unfähig ist die reale und nominale (monetäre) Analyse zu trennen, so dass sie auch keinen Nachfragemangel analytisch erklären kann, kann also über die Staatschulden nur Unsinn verzapfen. Kürzlich hat sich Kenneth S. Rogoff von der Harvard University durch seine angeblich empirische Analyse der Staatsschulden von 66 Ländern (Growth in a Time of Debt, 2010) einen großen Ruf erworben und wurde zum „Mastermind“ der Sparpolitik (Austeritätspolitik). Mit dem leistungsfähigen Kalkulationsprogramm Excel bewies er, dass eine über 90 % verschuldete Volkswirtschaft kaum mehr wachsen könne, und zwar für eine ziemlich lange Zeit. Pech gehabt! Ausgerechnet ein Student ist es gewesen, der den Rechenfehler in den Kalkulationen des weltberühmten Ökonomieprofessors aufdeckte. Sehr peinlich, aber er konnte sich sicher sein, dass sein Ruhm dadurch nicht leiden würde. Einem orthodoxen neoliberalen Ökonomen kann kein statistischer Trick und kein offensichtlicher Betrug schaden, da seine Motivation und Absichten ja nur ehrenhaft sein können.  

Kommen wir aber zurück zum Schreibtischtäter der neoliberalen Revolution, Milton Friedman. Er hat den „Nobelpreis“ bekommen, weil er „exakt nachgewiesen“ hat, dass die Inflation fest mit der Geldmenge korreliert. Damit müsste die riesige Geldflut der Quantitativen Lockerungen eigentlich eine riesige Inflation hervorrufen. Doch keine Spur davon, auch nicht nach über 10 Jahren. Eine nachfragetheoretische Analyse, die mit dem obigen Flussdiagramm veranschaulicht wird, kann erklären, warum das so ist. Dies werden wir uns im nächsten Beitrag ansehen.

  dorthin Der analytisch strenge Nachweis des Ungleichgewichts bzw. des Nachfragemangels    
  dorthin Nachfrageschaffung über Konsumgüter (Keynesianismus). Warum eher nicht?    
    Die Rückkehr des Raubtierkapitalismus durch Nachfragerettung von der Angebotsseite      
    Der Nachfragemangel als Schlüssel zur Enträtselung der angeblichen „zurückgestauten Inflation“   dorthin  
    Nachragemangel als Schlüssel zur Enträtselung der periodischen Krisen    
    Kann man das Entstehen des Nachfragemangels verhindern? Ja, man kann.    
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