Marktwirtschaft neu denken
 
    Man sollte nie dem Glauben verfallen, eine kleine Gruppe engagierter, ideenreicher Leute könnte die Welt nicht ändern. Tatsächlich wurde sie nie durch etwas anderes verändert.
    Margaret Mead, amerikanische Soziologin
   

Diese Website ist für Sie interessant, wenn Sie über den Zustand unserer „liberalen Demokratie“ und der „sozialen Marktwirtschaft“ besorgt sind und begonnen haben darüber nachzudenken.

Sie sind hier aber nicht richtig, wenn sie hoffen, mit anderen bzw. neuen Politikern oder Parteien ließe sich mit bewährten Rezepten die gute alte „soziale Marktwirtschaft“ der Nachkriegszeit wiederherstellen.

Sie sind hier auch dann nicht richtig, wenn Sie glauben, die Wirtschaftswissenschaft, wie sie heute an Universitäten gelehrt wird, sei eine seriöse Wissenschaft, in deren Rahmen Lösungen für die ökonomischen Probleme zu finden seien.

Mit solchen Überzeugungen sind Sie Opfer der Propaganda, die in Deutschland unter dem Mantra „soziale Marktwirtschaft“ betrieben wird. Die „soziale Marktwirtschaft“ war von Anfang an nur ein durch die Umstände erzwungener Etikettenschwindel Made in Germany. Als sich nämlich der in einer freien Marktwirtschaft übliche periodische Zusammenbruch besonders verheerend erwiesen (1929) und der Kommunismus begann sich wie ein Lauffeuer um den ganzen Planeten zu verbreiten, musste der Kapitalismus sozial sein, um überhaupt zu überleben. Nebenbei bemerkt, sogar in Amerika musste sich damals die freie Marktwirtschaft sozial gebärden, ohne das geringste Bedürfnis deswegen dem Kapitalismus den alten Namen zu ändern, um ihn mit einem sittlichen zu schmücken. In Wahrheit hat es nie so etwas wie eine wirklich „soziale Marktwirtschaft“ gegeben. Folglich ist die weit verbreitete Meinung, die „soziale Marktwirtschaft“ als ein eigentlich überwundener Kapitalismus sei in den letzten Jahrzehnten von der Politik verraten, nur eine weitere deutsche Lebenslüge. Tatsächlich fand in den letzten Jahrzehnten auch in Deutschland nur ein ganz normaler und unvermeidlicher Prozess statt, durch den der Kapitalismus zu seiner authentischen Form zurückgekehrt ist, nachdem er keine ideologische Konkurrenz mehr zu fürchten brauchte.

Der wieder einmal gescheiterte real existierende Kapitalismus – also die freie Marktwirtschaft und ihre marktkonforme Demokratie – ist der echte und authentische Kapitalismus und nicht der falsche Kapitalismus. Der Kapitalismus scheiterte immer, als er verwirklicht wurde. Seitdem es ihn gibt, war er bekanntlich eine in sich instabile ökonomische Ordnung, die wenige Jahre gut funktioniert und dann plötzlich in eine Krise gerät oder gar total zusammenbricht. Eine gewissermaßen wohlhabende, gewissermaßen rationale und gewissermaßen freie Gesellschaft fällt dann auf das niedrigste und brutalste Niveau der Barbarei herab. In ihrer Ratlosigkeit schicken die Herrschenden das Volk gewöhnlich in den Krieg, damit es nicht rebelliert oder gar Revolution anzettelt. Darüber braucht man nicht einmal Historiker zu befragen, bei einer normalen Lebenslänge weiß man das schon aus der eigenen Erfahrung. Die vorherrschende neoliberale Theorie leugnet aber diese genuine Instabilität der freien Marktwirtschaft, von einem Willen, das Problem zu lösen, gar nicht zu sprechen. Das lässt schon unzweifelhaft deutlich erkennen, was von ihr zu halten ist. Nichts! Deshalb ist es an der Zeit, dass wir die neoliberale Wirtschaftswissenschaft als das begreifen, was sie wirklich ist, nämlich ein Irrtum und eine Ideologie, vielleicht der größte Unsinn der westlichen Zivilisation. Aber was bleibt uns dann konkret zu tun?

Nicht das, was die Marxisten versuchten, also: Wir bräuchten nur den Kapitalismus zu besiegen und die Reichen zu beseitigen, danach würde der davor historisch böse Mensch aus dem Volk plötzlich („dialektischer Umschlag“) zu einem guten und vernünftigen, dem dann ganz von selbst optimale Lösungen für alle Probleme einfallen werden. Nebenbei bemerkt, eine solche Vorstellung über die Weltverbesserung war keine Erfindung der Marxisten, sondern der übliche Irrtum aller Utopien. Aus dem Scheitern des Kommunismus - und aller vorigen Utopien - sollten wir lernen, dass der Revolution im Handeln eine Revolution im Denken vorausgehen muss. Da wir keinen Ersatz für die marktwirtschaftliche Ordnung kennen, ist es die Aufgabe des Denkens bzw. der Wissenschaft, zuerst zu erklären, warum sie instabil ist und periodisch zusammenbricht, und dann von dieser Erklärung ausgehend die Lösungen zu finden. Einen solchen Fortschritt im Wissen nennt man in der Wissenschaft Paradigmenwechsel. Ist aber ein Paradigmenwechsel in der Wirtschaftswissenschaft möglich?

Für die Neoliberalen braucht man ihn sogar überhaupt nicht, weil es keine inhärente Instabilität und folglich auch keine periodischen Krisen der freien Marktwirtschaft gäbe. Wenn das stimmen würde, dann wäre es angeblich schon jemandem gelungen, das analytisch streng nachzuweisen. Als ein mahnendes Beispiel wird gern das angebliche Scheitern der keynesschen Theorie erwähnt, die Instabilität und die Krisen mit dem Nachfragemangel zu erklären. Ganz so einfach stellt sich das Problem mit dieser Theorie zwar nicht dar, aber wie dem auch sei: Lässt sich daraus wirklich schlussfolgern, dass auch jeder weitere Versuch nicht gelingen wird? Non sequitur! Hier wird ein neuer Versuch präsentiert, die Instabilität der freien Marktwirtschaft analytisch streng nachzuweisen und zwar durch den (realen) Nachfragemangel. Ob er etwas taugt oder nicht, müssen die anderen beurteilen. Aber wer sollen diese „anderen“ sein?

Wenn das Problem der Instabilität und der Krisen der freien Marktwirtschaft so groß ist, würde man vermuten, dass der vorgelegte Versuch eine sehr vertrackte und schwer begreifliche Theorie sein müsste. Ja und nein. Die wissenschaftlichen Theorien, die für praktische Anwendungen taugen, sind tatsächlich immer kompliziert, aber die Ideen selbst, auf denen sie beruhen, sind es nicht. Sie sind sogar einfach, man sagt pointiert dazu auch: genial einfach. Damit ist gemeint, dass solche Ideen auch dem nicht vorgebildeten gesunden Menschenverstand klar und einleuchtend vermittelbar sind. Wenn also die erfolgreichen wissenschaftlichen Theorien mit einfachen Ideen beginnen, müsste auch der hier vorgestellte neue Ansatz, das Problem der Instabilität der freien Marktwirtschaft bzw. des Nachfragemangels zu erklären, einfach verständlich sein. Wer interessiert daran ist zu prüfen, ob dem wirklich so ist, der sollte dem Link folgen.

   

Wenn etwas schwer verständlich klingt, dann deutet das nur in den wenigsten Fällen auf ein besonders kompliziertes Thema hin; nie ist es ein Zeichen für besondere Gelehrsamkeit. Meist drückt sich darin lediglich die Unfähigkeit aus, klares Englisch oder Deutsch zu schreiben, oder - was noch häufiger vorkommt - ein verworrenes, unvollständiges Denken.

 
   

John K. Galbraith, amerikanischer Ökonom (1908-2006)

 
       
    Der analytisch strenge Nachweis des Ungleichgewichts bzw. des Nachfragemangels dorthin  
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